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12.06.2014

15:58 Uhr

Nach Rückendeckung von Steinbrück

Grüne verteidigen „scharfe Presse“ gegen Wulff

VonDietmar Neuerer

ExklusivChristian Wulff sieht sich als Opfer von Justiz und Medien. Peer Steinbrück pflichtet dem Ex-Bundespräsidenten bei. Doch den Grünen geht die Analyse des SPD-Politikers dann doch entschieden zu weit.

Christian Wulff: Mit seinem Buch hat er eine Debatte über den Umgang von Medien mit Politikern ausgelöst. Reuters

Christian Wulff: Mit seinem Buch hat er eine Debatte über den Umgang von Medien mit Politikern ausgelöst.

BerlinDer Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, hat die Kritik des ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück am Umgang der Medien mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff zurückgewiesen. „Sicherlich hatte sich die Berichterstattung während der Wulff-Affäre zeitweise unverhältnismäßig hochgeschaukelt, aber unsere Demokratie braucht eben auch eine scharfe Presse und freie unnachgiebige Medien“, sagte von Notz Handelsblatt Online.

Von Notz wandte sich insbesondere gegen die Einschätzung Steinbrücks, der in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ geschrieben hatte der „Abschuss und die Entwürdigung“ Wulffs stelle sich „als Skandal eines gewalttätigen Journalismus im Umgang mit einem Politiker dar“. Der Grünen-Politiker sagte dazu: „Den Begriff des „gewalttätigen Journalismus" halte ich für stark überzogen, so überzogen wie die Berichterstattung zu Wulff an der einen oder anderen Stelle war.“

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, warnte davor, Medien pauschal zu verurteilen. „Grundsätzlich ist die Pressefreiheit eines der höchsten Güter unserer Demokratie, und es ist das gute Recht und auch die Aufgabe von Medien, wenn nötig Missstände zu benennen und Kritik zu üben“, sagte Lischka Handelsblatt Online. „Das Gerichtsverfahren gegen Christian Wulff hat in diesem Zusammenhang gezeigt, dass unser Rechtsstaat gut funktioniert und es trotz öffentlichen Drucks möglich ist, ein faires Verfahren durchzuführen.“ Dies lasse sich nicht zuletzt am Freispruch für Wulff ablesen.

„Insofern teile ich auch nicht die pauschale Kritik von Christian Wulff“, sagte Lischka weiter. „Es ist die Aufgabe einer Staatsanwaltschaft, Ermittlungen aufzunehmen, wenn Verdachtsmomente vorliegen – und dies muss unabhängig von Amt und Person geschehen“, betonte der SPD-Politiker. „Nichtsdestotrotz führt uns der Fall Wulff vor Augen, dass man keine öffentlichen Vorverurteilungen vornehmen sollte und wir alle gut beraten sind, sensibel mit solchen Sachverhalten umzugehen.“

Kommentare (4)

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12.06.2014, 16:17 Uhr

Dass die Grünen, eine machtergreifend-übergrifige, sich als Moralapostel selbstvergötternde Presse symphathisch ist, verwundert nicht, sind die Grünen doch selbst zur Moralapostelpartei geworden. Bei manchen Grünen scheint es zumindest so zu sein wie bei dem Kind, dass in seiner Pubertät gegen die Eltern (oberflächlich) rebelliert und 20 Jahre später, wenn die tiefsitzenden Grundmuster durchbrechen, gegenüber seinen eigenen Kindern auf wundersame Weise sich als ein perfektes Spiegelbild seiner Eltern offenbart.

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12.06.2014, 17:08 Uhr

Erschreckend empfinde ich das Gefühl der Politiker zum Wort "Ganz".

Ich bin sicher, dass eine Großzahl von Bürgern gerne tauschen würden. Hierbei geht es um die Bezeichnung "Ganz unten".

Ein Jahresgehalt von 200.000 Euro zu kassieren und dann von "Ganz unten" zu sprechen, das hat schon etwas.

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12.06.2014, 18:14 Uhr

War Hr. Wulff nicht der, der die Pressefreiheit bekämpft hat????

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