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16.10.2014

14:01 Uhr

Nach Rückkehr aus Syrien

Islamist in Frankfurt festgenommen

Ende Juni ist Soufiane K. aus Syrien zurückgekehrt – nun wurde der mutmaßliche deutsche Dschihadist festgenommen. K. ist nur einer von etwa 150 Personen aus Deutschland, die aus Syrien zurückgekehrt sind.

Die Polizei hat in Frankfurt einen mutmaßlichen deutschen Dschihadisten festgenommen. dpa - picture-alliance

Die Polizei hat in Frankfurt einen mutmaßlichen deutschen Dschihadisten festgenommen.

BerlinIn Frankfurt ist ein mutmaßlicher deutscher Dschihadist festgenommen worden, der sich in Syrien aufgehalten und dort gekämpft haben soll. Der 27-jährige Soufiane K. sei dringend verdächtig, sich mindestens von September 2013 bis Juni diesen Jahren als Mitglied an der radikalislamischen Nusra-Front beteiligt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit. Der UN-Sicherheitsrat hat die Nusra-Front als Terrororganisation eingestuft.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft reiste K. im Juli vergangenen Jahres von seinem Wohnort Rüsselsheim nach Syrien. Dort soll er sich der Nusra-Front angeschlossen, um an der gewaltsamen Errichtung eines allein auf der Scharia gründenden Gottesstaats mitzuwirken. Zu diesem Zweck soll er eine Kampfausbildung durchlaufen und sich unter anderem eine Kalaschnikow sowie ein Maschinengewehr beschafft haben. Anschließend soll er an den täglichen Lagebesprechungen der örtlichen Al-Nusra-Mitglieder teilgenommen und Wachdienste an Sicherheitsposten der Organisation positioniert haben. Ende Juni sei er aus Syrien nach Deutschland zurückgekehrt.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Nach Angaben von Justizminister Heiko Maas laufen gegen mehr als 200 Islamisten Ermittlungen in Deutschland. Die Behörden warnen seit langem vor Rückkehrern aus Syrien oder dem Irak, die sich der Terrormiliz IS oder anderen Gruppen angeschlossen haben und radikalisiert und an Waffen ausgebildet sind. 450 Personen aus Deutschland sollen sich dorthin auf den Weg gemacht und rund 150 zurückgekehrt sein. Innenminister Thomas de Maiziere will am Freitag mit seinen Kollegen aus den Bundesländern beraten, wie die Ausreise radikaler Islamisten verhindert werden kann.

Von

rtr

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