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02.03.2011

18:33 Uhr

Nach Rücktritt

Guttenberg weint nicht um Guttenberg

VonChristina Otten

Am Tag eins nach Guttenbergs Rücktritt ist seinem Heimatdorf wenig Aufregung zu spüren – man hat andere Probleme als den Ex-Minister. Für den ist der Skandal zunächst erledigt – andere kämpfen weiter um ihren guten Ruf.

Fast trotzig thront Schloss Guttenberg über dem gleichnamigen Ort. Quelle: dapd

Fast trotzig thront Schloss Guttenberg über dem gleichnamigen Ort.

Guttenberg/Bayreuth/KulmbachTrotzig steht sie dort oben auf dem Berg, ragt der Flaggenmast auf dem Schloss in den Himmel, flattert die blau-weiße Fahne im Wind. Am Tag eins nach Guttenbergs Rücktritt weist im gleichnamigen Heimatdorf des erst entdoktorten und dann zurückgetretenen Verteidigungsministers nichts auf das politische Drama in Berlin hin.

Eine Frau genießt die angenehmen Wintersonnenstrahlen in ihrem Vorgarten, zupft Unkraut und verdorrte Sträucher aus einem Beet. Im einzigen Restaurant des 600-Seelen-Dorfes nördlich von Bayreuth wird das Bier angeliefert. Routiniert zeigt Wirt Uwe Böhnke den Weg in den Keller. Ihn kann nichts mehr aus der Ruhe bringen. Schon gar nicht die immer neuen Journalisten, die im Halb-Stunden-Takt in seinen Gasthof „Zur Post“ dringen.

Einen ganzen Stapel von Artikeln und Visitenkarten habe er schon im Hinterzimmer liegen, sagt er. Böhnke ist begehrt in Guttenberg, außer ihm verliert kaum ein Bewohner ein Wort über den Baron, die Plagiatsaffäre und seinen Rücktritt.

Das liegt daran, dass Böhnke nicht aus Guttenberg kommt. Allgemein zurückhaltend seien die Menschen hier, erklärt der Mann mit dem Berliner Dialekt. „Die haben andere Sachen im Kopf“, sagt er und gießt den nächsten Kaffee für den nächsten Pressevertreter ein. Der Erhalt der Arbeitsstelle, die Lehrstelle für den Junior, darum drehe sich die Welt in Ostoberfranken.

Nicht alle Guttenberger lieben den Baron

Guttenberg befindet sich mitten in der strukturschwächsten Gegend von Bayern. Was „die da oben“ machen, werde registriert - aber mehr auch nicht. Die adeligen Guttenbergs, das seien eben keine großen Arbeitgeber. „In Kulmbach sind immer noch etliche Leute in Kurzarbeit“, sagt Böhnke. Kein Vergleich sei das zu den „paar Angestellten auf dem Schloss“.

Böhnke ärgert es, dass alle Guttenberger gerne als frenetische Anhänger des Barons dargestellt werden. Böhnke, selbst SPD-Mitglied, sieht die Angelegenheit deutlich differenzierter. „Aber nicht nur ich. Es gibt keine einheitliche Meinung in Guttenberg“, betont er mehrfach.

Oben auf der Burg wohnt Enoch zu Guttenberg, KT’s Vater. Der Dirigent fährt gelegentlich mit einer Kutsche durchs Dorf. Sein Sohn hat hier ein Haus. Ob er jetzt wieder öfter nach Guttenberg kommt? Wirt Böhnke schüttelt heftig mit dem Kopf. „Nein, das glaube ich nicht.“ Sei er doch schon vor seinem kometenhaften Aufstieg in der Politik kaum daheim gewesen. „Daran wird sich jetzt wohl kaum etwas ändern.“

Und die Autos und Busse mit den Guttenberg-Fans, die zu ihrem Vorbild in den Ort pilgerten? Was, wenn die jetzt wegbleiben? Erneut winkt Böhnke ab. Von denen habe er ohnehin nicht viel gehabt. Ein Bild vorm Schloss von unten, eine Fahrt zur Schranke oben, mehr hätten die nicht gemacht. Besucherströme, die gab es auch zu den Hochzeiten des  CSU-Superstars nicht. Alles bleibt beim Alten in Guttenberg. Beschaulich, ruhig, bodenständig.

Kommentare (3)

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AndreAdrian

02.03.2011, 20:00 Uhr

Lernen durch Schmerz

Wann lernt ein Mensch? Wenn ihm alles vorgekaut und nachgetragen wird? Wenn ihn alle loben und preisen? Oder lernt der Mensch vielleicht intensiver wenn er an Problemen nicht scheitert sondern wächst?
Ich glaube fest daran, das andere Menschen es bemerken wenn man geistig gewachsen ist - die alten Fehler sind nicht vergeben oder vergessen, aber die lieben Mitmenschen trauen einem wieder etwas zu, einfach weil sie merken man ist nicht mehr ganz der Alte, sondern etwas gereift.

Account gelöscht!

02.03.2011, 20:21 Uhr

http://www.merkur-online.de/nachrichten/politik/affaeren-diese-politiker-sind-nicht-zurueckgetreten-fotostrecke-1144976.html

PikAs

03.03.2011, 01:30 Uhr

Guttenberg hin, Guttenberg her. Es gibt viel WICHTIGERES!!!
Wann schreibt das Handelsblatt hierüber??????

http://pressekonferenz.tv/ondemand/ProEuropa23022011.html

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