Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2010

13:15 Uhr

Nach Rückzug

SPD buhlt um Linkspartei-Geschäftsführer Bartsch

In der Vergangenheit waren zahlreiche SPD-Politiker zur Linkspartei gewechselt, weil sie den Kurs der SPD nicht mehr sozial genug fanden. Jetzt drehen die Sozialdemokraten den Spieß um: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bot Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch politisches Asyl an.

Steinmeier öffnet die Partei nach links. ap

Steinmeier öffnet die Partei nach links.

HB BERLIN. Es werde in der Linkspartei offenbar eng für diejenigen, die nicht auf Populismus und starke Sprüche setzen, sagte Steinmeier der „Bild“-Zeitung. „An den Rand gedrängt werden von den Ideologen diejenigen, die mit Vernunft und Verantwortung was für die Menschen bewegen wollen. Wer von denen den Weg zur SPD gehen will, findet offene Türen.“

Mit dem Angebot versucht die SPD nun offensichtlich den Spieß umzudrehen: In der Vergangenheit waren zahlreiche SPD-Politiker zur Linkspartei gewechselt, weil sie den Kurs der SPD nicht mehr sozial genug fanden.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kritisierte Linken- Parteichef Oskar Lafontaine. „Weltoffene und verantwortungsbewusste Menschen haben neben Oskar Lafontaine keinen Platz“, sagte Gabriel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dass Lafontaine den im Osten beliebten Politiker Bartsch zum Rückzug gezwungen habe, zeige, „dass Lafontaine mit den Bedürfnissen der Menschen in Ostdeutschland heute genauso wenig anfangen kann wie 1989.“

Bartsch hatte am Freitag im innerparteilichen Machtkampf bei der Linkspartei erklärt, Mitte Mai beim Parteitag in Rostock nicht erneut für das Amt des Bundesgeschäftsführers zu kandidieren. Sein Verhältnis zu Parteichef Oskar Lafontaine gilt als zerrüttet. Während Bartsch einen realpolitischen Kurs mit Regierungsbeteiligung anstrebt, steht Lafontaine eher für einen radikalen Oppositionskurs.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi zollte Bartsch für seinen Rückzug Respekt. Zugleich bezeichnete er die Entscheidung aber auch als politisch notwendig. „Er hat sich nicht von Verärgerung, sondern ausschließlich von politischer Verantwortung leiten lassen“, sagte Gysi. „Seine Entscheidung tut nicht nur ihm und vielen anderen, sondern auch mir weh. Im Unterschied zu einigen anderen halte ich sie aber für politisch erforderlich“, betonte Gysi, der Bartsch am Montag öffentlich Illoyalität vorgeworfen hatte und damit den Parteimanager massiv unter Druck gesetzt hatte.

„Er ist und bleibt unverzichtbar für unsere Partei“, sagte Gysi zugleich und bot Bartsch das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden an: „Ich wünsche mir, dass er mein Stellvertreter wird, er muss entscheiden, ob und wann er das will.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×