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13.09.2014

08:42 Uhr

Nach Schottland-Referendum

Freiheit für Bayern – mei‘, wär‘ des schee

VonAnja Stehle

Eine Abspaltung von Deutschland würde einigen Bayern so passen. Dafür kämpft die Bayernpartei seit Jahren – das Schotten-Referendum gibt ihr neuen Schwung. Doch wie realistisch sind die weiß-blauen Sehnsüchte?

Bayerische Idylle: Geht es nach einigen Bayern, würde das Bundesland bald nicht mehr zu Deutschland gehören. dpa

Bayerische Idylle: Geht es nach einigen Bayern, würde das Bundesland bald nicht mehr zu Deutschland gehören.

DüsseldorfIn einem freien Bayern wäre alles so viel besser: Endlich müssten die Bajuwaren keine Abgaben mehr an die Saupreußen abdrücken, mit der Bevormundung aus Berlin und Brüssel wäre es vorbei, eine Maut würde den Ausländern ein angemessenes Wegzoll abzwacken und in Schloss Neuschwanstein würde wieder ein König einziehen. Mei‘, wär‘ des schee.

Beim Gedanken an einen unabhängigen Staat unter weiß-blauem Himmel schlägt so manches bayerisches Herz schneller. Wer die Separatisten im Süden allerdings als eine Handvoll verrückter Spinner abtut, der sei daran erinnert, dass sich zuletzt selbst ein Mitglied einer Regierungspartei für eine Abspaltung stark machte. Mit seinem Buch „Bayern kann es auch allein“ landete Franz Josef Strauß-Freund und CSU-Urgestein Wilfried Scharnagl 2012 einen Bestseller.

Was, wenn die Schotten unabhängig werden?

Wäre ein unabhängiges Schottland Mitglied in der EU?

Dafür gibt es kein Musterbeispiel. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des Vertrags über die Europäische Union aushandeln könnte, ab März 2016 übergangslos ein selbstständiges Mitglied zu sein. London hält dagegen: Schottland müsse sich neu bewerben, wie es Artikel 49 vorsieht. So sieht es wohl auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Im Februar sagte er, ein EU-Beitritt werde „sehr schwierig, wenn nicht unmöglich“ für Schottland, weil alle Mitglieder zustimmen müssen – auch die Briten.

Rest-Britannien bliebe also EU-Mitglied?

Erst mal schon, das Referendum ändert daran nichts. Aber es könnte trotzdem den Austritt der Briten aus der Union bewirken. Denn die Schotten sind im Vergleich zu den Engländern ziemlich EU-freundlich. Sollte es 2017 eine Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft geben, wie David Cameron das in Aussicht stellt, dann würden den Pro-Europäern die schottischen Stimmen fehlen.

Gäbe es für Europa sonst noch Folgen?

Aus verschiedenen Ecken Europas schauen Bevölkerungsgruppen gespannt nach Edinburgh, die selbst gern unabhängig wären – etwa die Katalanen in Spanien oder die Korsen in Frankreich. Nationalbewegungen könnten ordentlich Auftrieb bekommen, wenn die Schotten „Yes“ sagen zur Unabhängigkeit. Auch die Republikaner in Nordirland könnten ein Referendum fordern über die Vereinigung mit Irland. Möglich wäre sogar, dass im Nordirland-Konflikt wieder Gewalt ausbricht.

Würden die Schotten mit dem Euro bezahlen?

Das müssten sie eigentlich früher oder später, wenn sie EU-Mitglied werden. Nur für Großbritannien und Dänemark gilt offiziell eine Ausnahme. Regierungschef Alex Salmond besteht aber darauf, dass Schottland ein Recht auf das britische Pfund hat und andernfalls auch keinen Anteil der britischen Staatsschulden übernehmen würde. Die drei großen Parteien in London – Konservative, Labour und Liberale – haben einmütig erklärt, ihr Pfund nicht mit den Nachbarn teilen zu wollen. Eigene Pfundnoten dürfen drei Banken in Schottland bereits jetzt drucken. Wie viele, bestimmt aber die englische Notenbank.

Was passiert mit den britischen Atomwaffen in Schottland?

Mit Atomraketen ausgestattete U-Boote liegen in der Mündung des Flusses Clyde, nordwestlich von Glasgow. Sie haben in Schottland nichts zu suchen, findet die Regierung in Edinburgh. Einige Experten halten die Suche nach einem neuen Standort in England oder Wales und einen extrem teuren Umzug zwar für möglich. Andere sehen aber das Ende von Großbritannien als Atommacht heraufziehen. Das britische Verteidigungsministerium hat offiziell keine Pläne in der Schublade. Schottland will gern Nato-Mitglied werden – aber ohne Atomwaffen.

Wem würde das britische Öl in der Nordsee gehören?

Zu rund 90 Prozent den Schotten. Sie wollen aus den Steuereinnahmen einen Öl-Fonds speisen, der kommenden Generationen zugutekommen soll. Wie lange die Öl- und Gasvorräte in der Nordsee noch vorhalten, ist umstritten. Die Energieriesen BP und Shell sähen es lieber, wenn Schottland mit Rest-Britannien vereint bliebe.

Und was ist mit der Queen?

Ihre Königin wollen die Schotten nicht loswerden. Das unabhängige Schottland soll eine konstitutionelle Monarchie mit Elizabeth II. als Staatsoberhaupt werden – so wie zum Beispiel Kanada.

Jetzt, da sich die Schotten einer möglichen Unabhängigkeit im Eiltempo nähern, wittern sie bei der Bayernpartei in der Münchner Zentrale ihre Chance. Die Partei fordert schon lange die Abspaltung des Freistaats von Deutschland. Florian Weber ist der Alex Salmond Deutschlands. Der Erfolg des Wortführers der Schottischen Nationalpartei beflügelt derzeit auch den Vorsitzenden der Bayernpartei. Schon ruft die internationale Presse bei ihm in München an, will wissen, ob er denn jetzt ähnliches vorhabe. Den Russen habe er vergangene Woche ein Interview gegeben, auch ein Journalist der New York Times habe angerufen und „die von dr‘ London Times, die wollten des au‘ wissen, was jetzt in Bayern los is‘.“

Ja, was is‘ jetz‘ mi den Bavaren? Wenn die Bayernpartei in diesen Tagen auf ihrer Facebook-Seite Sätze postet wie: „Wir von der Bayernpartei wünschen unseren schottischen Freunden von Herzen einen Sieg beim Referendum! Ein „Yes“ würde auch auf andere Regionen in Europa positiv wirken“, dann lesen das mittlerweile mehr als 20 000 Menschen, sagt Weber. Allein in der vergangenen Woche habe er 15 neue Mitglieder in der Partei begrüßt. In den vergangenen drei Jahren hätte sich die Mitgliederzahl verdoppelt. Derzeit sind rund 5000 Bayernfreunde Mitglied. Sollten sich die Abspalter in Schottland am Donnerstag durchsetzen, könnte sich das noch verstärken.

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