Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2013

16:39 Uhr

Nach Schweizer Volksinitiative

Managergehälter erhitzen die Gemüter

Seitdem Schweizer Volksentscheid wird hierzulande der Ruf nach einer Gehälter-Deckelung lauter. Derweil kämpft London gegen die geplante EU-Neuregelung der Banker-Boni, doch Schäuble will die Briten mit ins Boot holen.

Schweizer Abzocker-Initiative: Künftig bestimmen in der Eidgenossenschaft die Aktionäre, wie viel die Manager ihrer Unternehmen verdienen. dpa

Schweizer Abzocker-Initiative: Künftig bestimmen in der Eidgenossenschaft die Aktionäre, wie viel die Manager ihrer Unternehmen verdienen.

BerlinNach der erfolgreichen Schweizer Volksinitiative gegen überzogene Managergehälter mehren sich in Deutschland die Forderungen nach einer Begrenzung der Bezüge von Spitzenkräften. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach sich im „Focus“ für eine gesetzliche Regelung aus, sollte es keine freiwilligen Lösungen geben. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bekräftigte den Willen Brüssels, bis Jahresende auf europäischer Ebene aktiv zu werden.

BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer hält hingegen nichts von einer solchen Lösung, wie er der „Welt am Sonntag“ sagte. Wenn man sich die deutsche Industrie anschaue, seien „die Vorstandsgehälter in der Regel absolut im Rahmen“, sagte der Lenker des Automobil-Konzerns am Rande des Genfer Autosalons dem Blatt zufolge weiter. „Ich halte nicht viel von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft.“

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

SPD-Chef Gabriel sagte dem „Focus“ hingegen, die Bezüge der Wirtschaftslenker seien „eine Frage des Anstands“. Ihm wäre es zwar lieber, wenn „die Unternehmen selbst zur Besinnung kämen und diese unanständigen Managergehälter drastisch kürzen würden“. Sollte das aber nicht passieren, dann „werden auch solche Vorschläge auf den Tisch kommen, in denen der Gesetzgeber Obergrenzen oder Bandbreiten schafft“, kündigte der SPD-Vorsitzende an.

Auch in der CDU gibt es Forderungen nach Begrenzung: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) regte im „Focus“ an, „die steuerliche Absetzbarkeit von Abfindungen als Betriebsausgaben zu begrenzen“. Zudem solle man „prüfen, ob und in wie weit eine Beschränkung der Absetzbarkeit von Vorstandsgehältern möglich ist“.

Die Schweizer hatten vor einer Woche mit rund 68 Prozent einer Volksinitiative zugestimmt. Sie zielt darauf ab, Exzesse bei Bonus-Zahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachwuchs

09.03.2013, 18:58 Uhr

Briten sind gegen die Deckelung? Seltsam, die Banker vernichten Menschen, Firmen und Werte und sollen dafür noch belohnt werden? Frau Merkel zahlt sicher mit großer freude die Banker Boni. Deutsche Steurzahler sind ja für nichts anderes da? Deshalb haben wir auch Wuchersteuer für Deutsche in Deutschland und führen weiter die Armit, begonnen mit Hr. Schröder = SPD. Die Briten wollen also auch die Kinderarbeit!

Freddy-Gern

09.03.2013, 19:46 Uhr

Erst Banker,jetzt Manager! Der Mob geht eigentlich nur auf Leistungesträger los und zwar auf diejenigen, die Arbeitsplätze in irgendeiner Form ermöglichen. Auf Supersportler wie Profifußballer und Rennfahrer, auf Models und Schauspieler, auf Politiker und Kleriker geht keiner los. Was für eine dekadente Welt.

WWW

10.03.2013, 00:48 Uhr

Schwachsinn. Da vergleicht einer Äpfel mit Birnen.

Bänker spekulieren mit fremden Geld, setzten Milliarden in den Sand und lassen sich vom Steuerzahler die Boni für die "gute" Arbeit bezahlen.

Die Manager/Vorstände geben sich selber exorbitatne Gehälter, ohne Rücksicht auf die eigene Belegschaft oder die Aktionäre zu nehmen. Der Leiharbeiter bekommt den Mindestlohn, der Vorstand die Millionen, die Aktionäre werden veräppelt.

Ein Sportler oder Model, muss erstmal jemand finden, der das Geld bezahlt; verursacht keine Finanzkrisen und bereichert sich nicht selber auf Kosten von anderen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×