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29.01.2013

05:00 Uhr

Nach Sexismus-Vorwürfen

Rösler nimmt Brüderle in Schutz

FDP-Chef Philipp Rösler hat in der Sexismus-Debatte Rainer Brüderle den Rücken gestärkt und die Vorwürfe gegen seinen Parteifreund zurückgewiesen: "Die Vorwürfe gegen ihn sind durchsichtig und haltlos".

FDP-Chef Philipp Rösler und sein Parteifreund Rainer Brüderle. AFP

FDP-Chef Philipp Rösler und sein Parteifreund Rainer Brüderle.

Berlin/KölnDer FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat sich in der Sexismus-Debatte hinter Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle gestellt. „Die Vorwürfe gegen ihn sind durchsichtig und haltlos. Das ist eine Kampagne gegen die gesamte FDP“, sagte Rösler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag). Gleichwohl sei eine gesellschaftliche Debatte über Sexismus notwendig, fügte der Vizekanzler und Wirtschaftsminister hinzu. „Denn es gibt offenbar ein breites Bedürfnis, darüber zu diskutieren, aber bitte auf der Sachebene und nicht mit aggressiver Polemik.“

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Im Internet formiert sich nach den Vorwürfen gegen Rainer Brüderle weiter Protest gegen Sexismus im Alltag. In einem Blog schildern Hunderte Nutzer ihre Erfahrungen: Wenn der Kollege mit dem „besten Stück“ droht.

Brüderle selbst hatte am Montag in einer Sitzung der FDP-Spitze deutlich gemacht, dass er sich weiterhin öffentlich nicht äußern will. Am Mittwoch findet Brüderles übliches Pressefrühstück mit Journalisten statt. Auch die „Stern“-Journalistin Laura Himmelreich ist eingeladen. Die Reporterin hatte in einem Porträt über Brüderle geschrieben, dieser habe sich - vor über einem Jahr an einer Hotelbar - ihr gegenüber angeblich anzüglich geäußert. Dieser Fall löste in Internet und Medien eine Debatte über Sexismus und Rollenbilder in Politik und Gesellschaft aus.

Der tiefe Fall der FDP

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.

Dezember 2009

Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.

März 2010

Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.

April 2011

Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

Dezember 2011

Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.

März 2012

Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.

Mai 2012

In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.


August 2012

Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.

November 2012

Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.

Dezember 2012

Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.

Januar 2013

Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.
Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

FDP-Bundesvorstandsmitglied Manuel Höferlin sagte der „Bild“-Zeitung (Dienstag): „Die Vorwürfe schaden uns nicht, im Gegenteil: Sie schweißen die FDP eher zusammen und stärken uns.“ Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow machte ebenfalls wachsenden Zusammenhalt in den eigenen Reihen aus: „Jeder normale Bürger erkennt, dass es offensichtlich eine komische Inszenierung gegen Brüderle und die FDP ist“, sagte er zu „Bild“.

FDP stellt sich hinter Brüderle: „An der Bar kann der Umgang auch mal lockerer sein“

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Die FDP hat ihren Standpunkt gefunden: Sexismus-Vorwürfe gegen ihren Spitzenkandidaten sind überzogen, für eine Entschuldigung gibt es keinen Grund. Große Teile der Öffentlichkeit sind da jedoch ganz anderer Meinung.

Die von den Vorwürfen der Journalistin ausgelöste Sexismus-Debatte ist nach Ansicht von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin „sehr ernst“ zu nehmen. Sie zeige, dass es eine Nachdenklichkeit über das gebe, was sich Frauen in der Gesellschaft immer noch gefallen lassen müssen. „Wir Grüne haben uns seit langem gegen solchen Sexismus eingesetzt - und in unseren eigenen Strukturen gute Erfahrungen mit Quoten gemacht“, sagte Trittin der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). „Je mehr Frauen in Führungspositionen, desto weniger Sexismus - das ist meine Erfahrung.“

FDP stellt sich hinter Brüderle

Video: FDP stellt sich hinter Brüderle

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Von

dpa

Kommentare (14)

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OLDENDORP

29.01.2013, 07:30 Uhr

............................................
DER STERN HAT SEIN(E) HIMMELREICH
..UND WIR AUF ERDEN UNSERE RUHE..
............................................
..
lieber thomas osterkorn, sie werden
aus dem STERN nie ein seriöres nach-
richtenblatt vergleichbar des spie -
gels machen können..!!
..
bleiben sie bei ihren aktfotos auf
der titelseite - das können sie bes-
ser..!!
..
..

Buerger

29.01.2013, 07:31 Uhr

Kann endlich mal diese dämliche Sexismus-Debatte eingestellt werden? Ist jä lächerlich. Haben wir keine anderen Sorgen und Themen???

Ein_Sparsamer

29.01.2013, 08:25 Uhr

Selbst wenn sich Brüderle nicht korrekt verhalten hat (ich kann selbst als Mann mit dämlichen resp. schmutzigen Witzen nichts anfangen), dann wäre es ein Zeichen von Reife und Souveränität gewesen, schlagfertig und eloquent zu kontern, so daß er "rote Öhrchen" bekommt.
Wenn einem diese Begebenheit aber NACH EINEM JAHR wieder einfällt, wenn Brüderle zum Spitzenkanidaten gewählt wurde, und dann pressemäßig ausgeschlachtet wird, dann bleibt da ein übler Geschmach nach Sensationsjournaille und gezieltem Beschädigungsangriff gegen einen Politiker zurück.
Sorry, aber als Journalist braucht man ein dickeres Fell. Und sollte wirklich eine beleidigung vorliegen, dann reagiert man SOFORT und nicht in einem Jahr, wenn's gerade so schön paßt!
Als Politiker würde ich so reagieren, daß Journalistinnen sicherheitshalber keine Interviews mehr bekämen resp. nur im Beisein eines Zeugen. Punkt.

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