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28.03.2014

16:14 Uhr

Nach Snowden-Enthüllungen

Datenschützer fordern mehr Verschlüsselung

Die politischen Reaktionen auf die Enthüllungen von Edward Snowden zur Spionage im Internet enttäuschen Deutschlands Datenschützer. Sie fordern, dass jeder seine Daten selbst schützen können muss.

Edward Snowden hatte die Datenschutzlücken aufgedeckt: „Wir brauchen eine Firewall des Datenschutzes“, sagt die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff. dpa

Edward Snowden hatte die Datenschutzlücken aufgedeckt: „Wir brauchen eine Firewall des Datenschutzes“, sagt die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff.

HamburgDeutschlands Datenschutzbeauftragte sind enttäuscht von der politischen Reaktion auf die NSA-Spionage und fordern einen besseren Schutz von Informationen im Internet. Daten müssten häufiger digital „verschlüsselt“ und damit für Unbefugte unlesbar gemacht werden. Verschlüsselungstechnologien sollten verbessert werden, forderten die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder am Freitag zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung in Hamburg.

Allen voran Behörden und Verwaltung sollten Verschlüsselungsprogramme nutzen und so die Grundrechte der Bürger schützen. Zudem müssten die Programme einfacher zu nutzen sein. „Die Unversehrtheit der freien und geheimen Kommunikation muss wieder hergestellt werden“, erklärten die Datenschützer.

Was die NSA alles kann

Informationen aus dem Internet

Die NSA kann auf verschiedene Weise Informationen aus dem Internet abgreifen. Zum einen werden mit Hilfe des britischen Partnerdienstes GCHQ Datensätze direkt aus Glasfaser-Kabeln abgefischt. Zum anderen sollen sich die Spione in den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren von Google und Yahoo eingeklinkt haben. Nach dem amerikanischen Auslandsspionagegesetz kann die NSA zudem Zugang zu Nutzerinformationen bei Internet-Konzernen beantragen.

Handy-Telefonate abhören

Die NSA kann Handy-Telefonate abhören. Die Verschlüsselung des weit verbreiteten GSM-Standards ist schon seit langem geknackt. Der US-Geheimdienst hat dies wohl auch ausgenutzt, um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu überwachen.

Daten aus Zahlungsdiensten

Die NSA sammelt Daten aus internationalen Zahlungsdiensten. Unter anderem seien die Systeme von Visa und Mastercard betroffen, schrieb der „Spiegel“.

Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren

Die NSA unterwandert die Verschlüsslung von Daten im Internet. Unter anderem wurden dafür Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren eingeschleust.

Aktive Online-Angriffe

Die USA führen auch aktive Online-Angriffe aus, bei denen Spionage- oder Schadsoftware auf Computer von Zielpersonen geladen wird.

Überwachungs-Implantate für Computer

Die NSA hat eine Abteilung, die Überwachungs-Implantaten für Computer, Handys oder andere Technik entwickelt. Dazu gehören zum Beispiel Monitor-Kabel, über die man das Bild von einem Bildschirm abgreifen kann, sowie Bauteile, dank denen der Geheimdienst Zugriff auf Computer ohne Internet-Anschluss bekommt.

Dazu müssen sie nach Ansicht der Datenschützer auch Möglichkeiten für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten. Dabei werden Nachrichten digital so geschützt, dass sie nur von den Adressaten mit einem eigenen „Schlüssel“ wieder lesbar gemacht werden können. Solche Verfahren gibt es etwa mit PGP für E-Mails.

„Wir haben es selbst in der Hand, durch die Schaffung einer sicheren IT-Infrastruktur die Hürden für eine massenhafte anlasslose Überwachung unserer Kommunikation durch die Nachrichtendienste wesentlich zu erhöhen“, betonte der Vorsitzende der Konferenz, Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar.

Hier gelte das Motto der Ökologiebewegung - global denken und lokal handeln. Reiche die politische Kraft nicht aus, gebe es keine andere Alternative, als die Rechte und Privatsphäre der Bürger auf technischem Wege zu schützen.

„Wir brauchen eine Firewall des Datenschutzes“, sagte auch die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff. Für solche Technik brauche es ausreichend Geld - und eine Bildungsoffensive, um die Nutzer aufzuklären.

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Barack Obama ergreift im NSA-Skandal die Initiative: Künftig soll die NSA erst auf richterliche Genehmigung den Zugang zu Telefondaten erhalten. Der US-Präsident steht unter Druck und hofft auf den Kongress.

Kritisch sehen die Datenschützer auch die sogenannte „Facebook-Fahndung“, bei der Polizeibehörden über das Online-Netzwerk um Hilfe bei der Aufklärung von Verbrechen bitten. Dabei brauche es strenge Vorgaben, weil sich die Fahndungsinformationen sehr weit verbreiten könnten. Hamburgs Datenschützer Caspar warnte vor „Exzessen“ wie Aufrufen zu Selbstjustiz und Hetzjagden im Internet. Die Kommentierungsfunktion müsste bei Fahndungsaufrufen auf sozialen Netzwerken zwingend deaktiviert sein, erklärte Voßhoff.

Die Datenschützer dringen zudem darauf, den Datenschutz am Arbeitsplatz durch ein Beschäftigtendatenschutzgesetz zu regeln. Das sei auch deswegen nötig, weil immer mehr Arbeitnehmer Handys und Laptops sowohl privat wie auch beruflich nutzten. Auch „die immer weiter um sich greifende Videoüberwachung am Arbeitsplatz“ müsse rechtlich geregelt werden, forderten die Beauftragten.

Von

dpa

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