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13.12.2012

07:11 Uhr

Nach Sprengsatzfund

Wer steckt hinter der Bombe vom Bonner Hauptbahnhof?

Nach dem Fund einer Bombe in Bonn fahndet die Polizei nach einem zweiten Verdächtigen. Die Hintergründe bleiben mysteriös. Das Bundesinnenministerium geht von einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus.

Der Bahnhof in Bonn. dpa

Der Bahnhof in Bonn.

Bonn/BerlinNach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof warnt das Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der ZDF-Sendung Aktenzeichen „XY... ungelöst“, man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Die Kölner Polizei ermittle mit großem Nachdruck. Er habe volles Vertrauen in die Beamten. Spekulationen seien verfrüht. „Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert“, sagte Ziercke am Mittwochabend. Er fügte hinzu: „Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt.“

Das Bundesinnenministerium geht in einer internen Analyse von einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die „Bild“-Zeitung (Donnerstag) unter Berufung auf eine „Gefährdungseinschätzung“ des Ministeriums. Allerdings werden Weihnachtsmärkte alljährlich zu den so genannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt.

Nach Sprengsatzfund in Bonn: Behörden suchen weitere Person

Video: Nach Sprengsatzfund in Bonn: Behörden suchen weitere Person

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Der in Bonn entdeckte Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. Die Menge der in der Tasche befindlichen Materialien hätte etwa 10 Prozent der Sprengsätze der Madrider Anschläge von 2004 ausgemacht, sagte der Kölner Einsatzleiter Norbert Wagner. Damals waren 191 Menschen gestorben. Den Angaben zufolge befand sich in der blauen Sporttasche ein Metallrohr, das mit einer Substanz gefüllt war. Darum seien mehrere Butangas-Kartuschen gebunden gewesen. Zudem habe sich in der Tasche ein Zündmechanismus mit einem Wecker mit Batterien befunden.

"Einen Zünder haben wir nach wie vor nicht gefunden", sagte Wagner und fügte hinzu: "Diese Sprengvorrichtung war brisant." Warum die Bombe nicht gezündet habe, sei unklar. Die Verantwortlichen hätten sich mit dem Bau ausgekannt. "Es ist kein dummer Jungenstreich." Die Materialien könne man jedoch in einem üblichen Baumarkt kaufen.

Nach Bombenfund: Behörden suchen weiter nach Verdächtigem

Nach Bombenfund

Behörden suchen weiter nach Verdächtigem

Zwei zuvor festgenommene Verdächtige sind wieder auf freiem Fuß.

In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, wurde noch nicht bekannt. Es sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber kein Zünder.

Die Ermittler suchen neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen hellhäutigen. Dieser ist auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale an Gleis 1 mit einer dunkelblauen Tasche zu sehen und gilt als Tatverdächtiger.

Der Dunkelhäutige soll nach Zeugenaussagen eine Tasche wie diejenige, in der später der Sprengsatz gefunden wurde, zwei wartenden Jugendlichen auf dem Bahnsteig geradezu vor die Füße geschoben habe. Von dem Dunkelhäutigen gibt es ein Phantombild, allerdings existieren von der Szene am Bahnsteig keine Videoaufnahmen.

Islamistischer Terror in Deutschland - Eine Chronologie

April 2002: Terrorgruppe Al-Tawhid

Der Polizei gehen mutmaßliche Anhänger der Al-Kaida-nahen Terrorgruppe Al-Tawhid ins Netz. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie müssen bis zu acht Jahre hinter Gitter.

März 2003: Terrorpläne gegen amerikanische Einrichtungen

Ein Tunesier wird verhaftet, der angeblich Attentate gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen plante. Vor Gericht kann ihm das nicht bewiesen werden. Die Bundesanwaltschaft bleibt jedoch der Ansicht, dass ein Horrorszenario verhindert wurde.

März 2004: Islamistengruppe Ansar al Islam

Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planten, den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt drei Männer fest. 2008 wird der Haupttäter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Juli 2006: Kofferbomber in Köln

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Kofferbomben gefunden. Wegen Technikfehler explodierten sie nicht. Wenige Wochen später werden die Täter gefasst. Im Dezember 2008 wird der „Kofferbomber von Köln“ zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser für die Tat waren laut Urteil Mohammed-Karikaturen in Zeitungen.

September 2007: Sauerland-Gruppe

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu Strafen bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

März 2011: Angriff auf US-Soldaten

Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen in Frankfurt (Main) zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Auslöser für seine Tat soll ein Internetvideo gewesen sein, in dem angeblich US-Soldaten ein Haus in Afghanistan plündern und ein Mädchen vergewaltigen.

Der Bombenfund auf dem Bonner Hauptbahnhof alleine bietet für den CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach keine Veranlassung, die Sicherheitslage in Deutschland neu zu bewerten. "Sie ist bereits seit geraumer Zeit anhaltend besorgniserregend", sagte Bosbach der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen der vergangenen Jahre seien kein blinder Aktionismus, sondern dringend notwendig.

Bosbach verteidigte das Vorgehen der Ermittler in dem Fall. Es sei nicht voreilig gewesen, dass die Polizei nach dem Bonner Bombenalarm sehr schnell eine Verbindung zu Salafisten hergestellt habe. "Diesen Vorwurf sollte man der Polizei nicht machen, denn es ist auch nachvollziehbar, dass sie zunächst die Spur nach den Angaben des Zeugen konsequent weiter verfolgt hat", sagte er. Zudem ermittele die Polizei parallel in alle Richtungen weiter.

Von

dpa

Kommentare (5)

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heini

13.12.2012, 10:23 Uhr

Wer dahinter steckt?
Nach der geplanten Installation einer amerikanischen Ant-Terror Behörde im vereinigten Wirtschaftsgebiet BRD muss doch für die Bevölkerung auch ein Grund gefunden werden.
Dieser ist durch diese "false flag" Aktion doch gerade konstruiert worden.
Wer kann jetzt noch gegen so eine fremde Behörde bei uns sein? Damit wird doch alles klar, oder?

Wutti

13.12.2012, 10:31 Uhr

Siehe NSU wer war maßgeblich beteilig??????

Charly

13.12.2012, 10:36 Uhr

So wie sich die Dinge lt. Presse darstellen, war das gar keine Bombe sondern eine Ansammlung von Materialien. Diese Konstruktion wie sie in der Presse beschrieben wurde war gar nicht sprengfähig.

Die Gefahr von Anschlägen in Deutschland ist durchaus vorhanden.

Ob allerdings diese Tasche von irgendeinem Islamisten, einem anderen Verückten oder dem Verfassungsschutz dort platziert wurde ist kaum zu beurteilen.

Das Vertrauen in den deutschen Staat, genauso wie in fast alle Staaten ist mittlerweile derart zerstört, dass eigentlich alles denkbar geworden ist.

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