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18.01.2007

15:40 Uhr

Nach Stoiber-Erklärung

Machtkampf um CSU-Vorsitz voll entbrannt

Der Machtkampf in der CSU ist im vollen Gang: Kaum hat Edmund Stoiber seinen Rücktritt erklärt, melden gleich mehrere Parteifreunde Anspruch auf seine Posten an. Auch ein Kandidat, der schon abgeschrieben war, wirft seinen Hut wieder in den Ring.

Wer bekommt den CSU-Vorsitz? Gleich mehrere Kandidaten meldeten Ansprüche an. Foto: dpa ap

Wer bekommt den CSU-Vorsitz? Gleich mehrere Kandidaten meldeten Ansprüche an. Foto: dpa

HB INGOLSTADT. Der Streit um das Erbe von Edmund Stoiber geht in die entscheidende Runde. Am Morgen war bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kreuth bekannt geworden, dass bereits eine Vorentscheidung gefallen war: für Innenminister Günther Beckstein (63) als neuen Ministerpräsidenten und für Wirtschaftsminister Erwin Huber (60) als CSU-Vorsitzenden.

Doch nachdem Edmund Stoiber am Nachmittag tatsächlich aufgab und erklärte, er werde bei den kommenden Landtagswahlen nicht mehr für die CSU antreten, schaltete sich der Bundeslandwirtschaftsminister und stellvertretende Parteichef Horst Seehofer ein. Seehofer meldete ebenfalls seinen Anspruch auf den CSU-Vorsitz an. Er sagte dem Ingolstädter „Donaukurier“: „Nach allem, was führende Partei- und Regierungsmitglieder zu mir gesagt haben, erwarte ich, dass mit mir über den Parteivorsitz gesprochen wird.“

Seehofer war nach Presseberichten über sein Privatleben in den vergangenen Tagen untergetaucht. Am Donnerstag nahm er aber wieder an der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin teil. Die „Bild“-Zeitung hatte am Montag geschrieben, der verheiratete Seehofer habe in Berlin eine Affäre mit einer 32-Jährigen.

Der CSU-Vize galt bis zu den Berichten über die angebliche außereheliche Affäre als ein Anwärter auf die Nachfolge von CSU-Chef Edmund Stoiber. Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer brachte Seehofer und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für die Parteispitze ins Gespräch. Seehofer ließ dies offen.

Die CSU-Krise entwickelt sich damit zum Machtkampf zwischen CSU-Landesgruppe im Bundestag und CSU-Landtagsfraktion. Ramsauer zollte Stoiber in einer ersten Reaktion Respekt für seinen Schritt. „Jetzt gilt es, mit Besonnenheit und großem Einvernehmen eine Nachfolgeregelung zu finden.“

Indes traf Edmund Stoiber mit der Fürther Landrätin Gabriele Pauli zu einem Gespräch in der CSU-Zentrale in München zusammen. Beide wollten zunächst keine Stellungnahme zu Stoibers Rücktrittsankündigung abgeben.

Pauli hatte am Mittwoch im Vorfeld des Gesprächs gesagt, es gehe nicht mehr nur um Stoiber und sie, sondern um die Zukunft der Partei. Sie wolle Stoiber klar machen, worauf der Vertrauensverlust in der Partei und der Bevölkerung zurückzuführen sei. Es gehe ihr nicht mehr darum, eine Entschuldigung von Stoiber zu erhalten. Eigentlicher Anlass des Gesprächs ist die Bespitzelungsaffäre um Stoibers ehemaligen Büroleiter Michael Höhenberger, der Informationen über Paulis Privatleben eingeholt haben soll.

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