Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2007

14:25 Uhr

Nach Stoibers Rückzug

Türken feiern Gabriele Pauli

Das Tauziehen um die Nachfolge des CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber geht weiter. Seehofer ist bereit für eine Kampfkandidatur. Konkurrent Huber kokettiert mit seiner Herkunft aus der Provinz. Still ist es indes um die „Königsmörderin“ Gabriele Pauli geworden. Dabei hat sich ihr Fanclub deutlich erweitert – bis in die Türkei.

Beliebt in der Türkei: die Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Foto: dpa Quelle: dpa

Beliebt in der Türkei: die Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Kaum hatte Edmund Stoiber am Donnerstag seinen Rücktritt als CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident angekündigt, brachten sich die möglichen Nachfolger für die beiden zu vergebenden Ämter auch schon in Stellung. Wenn sich keine weiteren Bewerber mehr melden, kämpfen drei Männer um die Parteispitze und „das schönste Amt der Welt“, wie Stoiber den Posten des Ministerpräsidenten oft nannte.

Für den CSU-Vorsitz zeichnet sich eine Kampfkandidatur ab, denn sowohl Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer als auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber meldeten ihre Ansprüche auf den Chefsessel in der Landesleitung an. Für das Ministerpräsidentenamt hat sich bisher nur einer gemeldet: Innenminister Günther Beckstein.

Die drei Kandidaten stehen auch für drei bayerische Regionen. Seehofer ist als Ingolstädter wie Stoiber auch ein echter Oberbayer, Huber vertritt als Niederbayer den Regierungsbezirk mit den traditionell treuesten CSU-Wählern. Beckstein ist der Vorzeige-Franke in der Spitzenmannschaft der Christsozialen.

Alle drei verkündeten mehr oder minder deutlich, warum sie sich prädestiniert für die Stoiber-Nachfolge sehen. „Ich glaube, dass ich in Berlin den bundespolitischen Anspruch der CSU verkörpern kann“, sagte Seehofer. „Wir betrachten es beide nicht als Beinbruch, wenn es im September zu einer Abstimmung über zwei Kandidaten käme“, meinte der Parteivize zu der sich abzeichnenden Kampfkandidatur gegen Huber. Bis zum geplanten Parteitag sei aber auch noch Zeit für eine einvernehmliche Lösung.

Seehofer bekam Unterstützung von den CSU-Bundestagsabgeordneten in Berlin. Deren Vorsitzender Peter Ramsauer verlangte ein Mitentscheidungsrecht bei der Nachfolge-Regelung. Der CSU-Abgeordnete Josef Göppel ging weiter: Unbedingt müsse ein Bundespolitiker in die neue Führung aufgenommen werden, forderte er. Sonst bestehe die Gefahr, dass „die CSU ihre bundespolitische Bedeutung verliert und zur reinen Bayern-Partei abrutscht“.

Seehofer hat freilich ein Problem: Die „Bild“-Zeitung breitete zu Wochenbeginn genüsslich aus, der 57-Jährige habe eine Affäre mit einer 25 Jahre jüngeren Frau. Nicht wenige Polit-Beobachter meinen, die Gerüchte seien ganz bewusst zum jetzigen Zeitpunkt lanciert worden. Ob sie Seehofer bei der Stoiber-Nachfolge schaden oder nützen, muss sich zeigen. Der CSU-Frontmann ist „sturmerprobt“: Im Jahr 2004 schmiss er nach einem unionsinternen Streit über die Gesundheitspolitik das Handtuch als CDU/CSU-Fraktionsvize, ein Jahr später war er Agrarminister.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×