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19.01.2011

14:59 Uhr

Nach tödlichem Unfall

Meuterei auf der Gorch Fock

Auf dem Segelschulschiff Gorch Fock ist es nach dem Tod einer Offiziersanwärterin am 7. November letzten Jahres offenbar zu einer Meuterei gekommen. Einige der Offiziersanwärter widersetzten sich Befehlen und weigerten sich aufzuentern. Das geht aus einem Brief des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus hervor.

Die 90 Meter lange Gorch Fock, Segelschulschiff der Marine, wurde 1958 in Dienst gestellt. ap

Die 90 Meter lange Gorch Fock, Segelschulschiff der Marine, wurde 1958 in Dienst gestellt.

HB/brg HALLE. So berichtet es die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe). Königshaus hat den Brief an den Verteidigungsausschuss gerichtet. Dem Brief zufolge "wollten unmittelbar nach dem schmerzhaften Verlust der Kameradin viele nicht mehr aufentern, andere wollten nicht mit der Gorch Fock weiterfahren. Auch sei eine Diskussion mit den Vorgesetzten entbrannt, inwiefern der Unfalltod auf dem Ausbildungsschiff mit dem Tod eines im Einsatz gefallenen Soldaten vergleichbar sei".

Den meuternden Offiziersanwärtern sei daraufhin "seitens des Kommandanten und des Ersten Offiziers mangelhafte Zusammenarbeit mit der Schiffsführung unterstellt worden". Sie sollten "wegen Meuterei zurück nach Deutschland geflogen werden".

Des Weiteren ist in dem Brief von massivem Druck der Ausbilder auf Offiziersanwärterinnen und Offiziersanwärter hinsichtlich des Aufenterns (in die Takelage des Schiffes klettern) die Rede. Ihnen sei gedroht worden, dann nicht mehr Offizier werden zu können. Auch seien Sätze gefallen wie: "Wenn Sie nicht hochgehen, fliegen Sie morgen nach Hause", oder: "Geben Sie Gas, stellen Sie sich nicht so an". In einem Fall sei ein Offiziersanwärter mit ausgeprägter Höhenangst dazu gebracht worden, auf den höchsten Mast aufzuentern, obwohl er eigentlich nicht wollte.

Nach dem Unfall im November 2010 hatte Marine-Sprecher Jan Ströhmer gegenüber der "Frankfurter Rundschau" gesagt, kein Kadett werde gezwungen, in die Masten zu klettern. Dies sei "keine Voraussetzung, um den Lehrgang zu bestehen".

Die Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele war am 7. November 2010 beim Aufentern vom Mast gefallen. Auch nach dem Unfall sei der Druck auf die Offiziersanwärter teilweise aufrecht erhalten worden, schreibt Königshaus. Schließlich berichtet er in dem Brief von einem Fall sexueller Belästigung auf der Gorch Fock. In allen drei Fällen hat der Wehrbeauftragte den Inspekteur der Marine um Überprüfung gebeten. Das Schiff war nach dem Unfall nach Hause zurückgekehrt, der Lehrgang wurde abgebrochen.

Kommentare (14)

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r.jonasson

19.01.2011, 16:26 Uhr

Warum in Gottes Namen bewirbt sich jemand mit "ausgeprägter Höhenangst" auf die Gorch Fock? Jeder Klippschüler weiß, dass es sich hier um ein segelndes Schulschiff der Marine handelt, bei dem das Aufentern in die Takelage zwingend dazu gehört. Wenn ich leidenschaftlicher Nichtschwimmer bin, gehe ich ja auch nicht zu den Kampftauchern, oder?

r.jonasson

19.01.2011, 16:27 Uhr

Warum in Gottes Namen bewirbt sich jemand mit "ausgeprägter Höhenangst" auf die Gorch Fock? Jeder Klippschüler weiß, dass es sich hier um ein segelndes Schulschiff der Marine handelt, bei dem das Aufentern in die Takelage zwingend dazu gehört. Wenn ich leidenschaftlicher Nichtschwimmer bin, gehe ich ja auch nicht zu den Kampftauchern, oder?

r.jonasson

19.01.2011, 16:29 Uhr

Warum in Gottes Namen bewirbt sich jemand mit "ausgeprägter Höhenangst" auf die Gorch Fock? Jeder Klippschüler weiß, dass es sich hier um ein segelndes Schulschiff der Marine handelt, bei dem das Aufentern in die Takelage zwingend dazu gehört. Wenn ich leidenschaftlicher Nichtschwimmer bin, gehe ich ja auch nicht zu den Kampftauchern, oder?

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