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07.01.2016

19:25 Uhr

Nach Übergriffen in Köln

Syrische Flüchtlinge fürchten um ihren Ruf

Die Übergriffe auf Frauen schockieren auch syrische Migranten. Sie fordern harten Strafen und die Abschiebung der Täter. Und machen für die Attacken auch Nordafrikaner verantwortlich, die sich als Flüchtlinge ausgeben.

Auch viele Flüchtlinge sind schockiert über den toxischen Mix aus sexueller Gewalt und Diebstahl, der sich im Schatten des Kölner Doms entlud. dpa

Blumen vor dem Hauptbahnhof in Köln

Auch viele Flüchtlinge sind schockiert über den toxischen Mix aus sexueller Gewalt und Diebstahl, der sich im Schatten des Kölner Doms entlud.

BerlinNicht nur die deutsche Gesellschaft ist entsetzt über die Mob-Attacken auf Frauen in der Silvesternacht. Auch viele Flüchtlinge sind schockiert über diesen toxischen Mix aus sexueller Gewalt und Diebstahl, der sich im Schatten des Kölner Doms entlud. Sie haben außerdem Angst, dass die kriminellen Machenschaften einiger Zuwanderer ihren Start in der neuen Heimat zusätzlich erschweren könnten.

Die Täter solle man „hart bestrafen“, „ins Gefängnis stecken“ oder „sofort abschieben“, fordern Mitglieder der Facebook-Gruppe „Syrische Flüchtlinge in Deutschland“. „Das war barbarisch“ oder „Diese Leute sind völlig zurückgeblieben“ liest man in Internet-Foren syrischer Flüchtlinge, in denen sich sonst vor allem Deutsch-Vokabeln und praktische Fragen zu den Abläufen in der deutschen Bürokratie finden.

Fakten zu Köln: Opfer, Täter und viele offene Fragen

Fakten zu Köln

Opfer, Täter und viele offene Fragen

Eine Woche nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln bringt ein internes Polizei-Protokoll mehr Licht ins Dunkel. Was wir wissen – und was nicht: Der Überblick.

Ein junger Syrer gibt dort Tipps, wie man auf höfliche Art deutsche Frauen kennenlernen kann: „Zieh dich gut an“ und „Frag nach dem Weg“.

„Ein Vorurteil ist schnell da, aber es wieder zu korrigieren, ist sehr viel schwerer“, warnt die in Deutschland lebende palästinensisch-syrische Journalistin Riham al-Kousaa in einem Beitrag für das Magazin „Cicero“. Es sei traurig, dass die Täter von Köln offensichtlich nicht begriffen hätten, „dass sie nicht nur den Opfern und sich selbst geschadet haben. Sie schaden den Tausenden, die ihre Heimat wegen genau solcher Verbrecher verlassen haben.“

Die Chronologie der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof

21.00 Uhr

Auf dem Bahnhofsvorplatz und der Domtreppe kommen nach Polizeiabgaben 400 bis 500 augenscheinlich betrunkene Menschen zusammen, sie sind teilweise aggressiv. Unkontrolliert werden Böller und Raketen abgebrannt.

23.00 Uhr

Gedränge vor dem Hauptbahnhof, mittlerweile sind mehr als 1000 Menschen zusammengekommen. Es handelt sich „ausschließlich um junge Männer“, wie die Polizei später berichtet. Nach wie vor werden Raketen abgeschossen, einige davon absichtlich in die Menge. Polizeidirektor Michael Temme beschreibt die Stimmung im Nachhinein als „aggressiv“.

23.15 Uhr

Teile der Menge werden von einigen Menschen eingekreist. Mehrere Handys sollen dabei gestohlen worden sein. Weiterhin werden Raketen und Böller gezündet.

23.30 Uhr

Die Polizei räumt die Domtreppe und den Bahnhofsvorplatz, aus Sicherheitsgründen und um eine Panik zu vermeiden, wie es heißt. Nach ihren Angaben beruhigt sich die Situation.

00.30 Uhr

Nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ herrscht am Hauptbahnhof eine aggressive Stimmung: Mindestens 200 angetrunkene junge Männer mit ausländischem Hintergrund pöbeln in der überfüllten Bahnhofshalle Passanten an und belästigen zahlreiche Frauen.

00.45 Uhr

Die Lage beruhigt sich laut Polizei zunächst. Der Zugang zum Hauptbahnhof wird wieder freigegeben, der Platz füllt sich erneut. Erste Strafanzeigen von betroffenen Frauen wegen Diebstahls, einige von ihnen berichten laut Polizei von sexuellen Übergriffen aus den Gruppen heraus auf Passanten. Es werden alle Beamten vor dem Hauptbahnhof zusammengezogen, knapp 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. Frauen ohne Begleitung werden angesprochen und zum Bahnhofseingang begleitet. Es soll aber auch im Bahnhof Übergriffe geben. Dort ist allerdings nicht die Kölner Polizei zuständig, sondern die Bundespolizei.

04.00 Uhr

Nach Einschätzung der Polizei beruhigt sich die Lage wieder.

08.57 Uhr

In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei, die Silvesterfeier „auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen [sei] friedlich“ verlaufen. Die Vorgänge am Dom werden nicht erwähnt.

02. Januar, 17.00 Uhr

Kölns Polizei informiert jetzt auch über die Übergriffe. Es seien Anzeigen von 30 Betroffenen erstattet worden, eine Ermittlungsgruppe wird eingerichtet.

„Ich will nicht behaupten, dass da nicht auch Syrer oder Iraker dabei waren. Aber man sollte nicht vergessen, dass in der letzten Zeit auch viele Libanesen und Nordafrikaner als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, die sich als Syrer ausgegeben haben“, sagt der syrische Flüchtling Hassan al-Aswad, der mit seiner Familie in Hannover lebt.

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