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03.09.2014

00:01 Uhr

Nach Wahlerfolg in Sachsen

AfD buhlt um enttäuschte CDU-Mitglieder

ExklusivDie AfD strotzt nach ihrem Erfolg bei der Sachsen-Wahl vor Selbstbewusstsein. Dazu passt, dass sich einige CDU-Politiker der Partei öffnen wollen. AfD-Chef Adam nimmt die Steilvorlage gerne an und macht ein Angebot.

Wahlplakate der AfD und der CDU in Sachsen: AfD-Erfolg treibt etablierte Parteien um. Reuters

Wahlplakate der AfD und der CDU in Sachsen: AfD-Erfolg treibt etablierte Parteien um.

BerlinDer Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Konrad Adam, hat enttäuschte CDU-Mitglieder zum Parteiwechsel aufgerufen. „Allen denen, die von der Profillosigkeit der Merkel-CDU enttäuscht sind, bietet die AfD eine neue Heimat. Denn es reicht nicht, die Lippen immer nur zu spitzen, irgendwann muss man auch pfeifen“, sagte Adam Handelsblatt Online.

Konkret wandte sich Adam an den sogenannten Berliner Kreis der CDU, ein Zusammenschluss „konservativer“ Parteimitglieder, darunter der Vorsitzende der Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, den früheren hessischen CDU-Fraktionschef Christean Wagner und die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach.

Bosbach sei „nur der bekannteste unter den vielen CDU-Mitgliedern, die sich der Verwässerung des Parteiprofils widersetzen“, sagte AfD-Chef Adam. Wagner und Steinbach, die scheidende Vorsitzende des Vertriebenenbundes, stünden für die gleiche, kritische Richtung.

Themen im sächsischen Wahlkampf

BILDUNG

Der drohende Lehrermangel sorgt seit langem für Zoff und ist bereits heute spürbar. Immer wieder fällt Unterricht aus, weil erkrankte Lehrer nicht ersetzt werden können. Im Wahlkampf wurde das Thema aber viel weiter gefasst. Es reichte von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Sanierung maroder Schulen.

GRENZ- UND DROGENKRIMINALITÄT

Da Sachsen mit Polen und Tschechien zwei ausländische Nachbarn hat, steht seit jeher die Grenzkriminalität im Fokus. Diebstähle von Autos und Baummaschinen oder die steigende Zahl von Drogenabhängigen treiben die Einwohner um. Vor allem der Schmuggel von Crystal aus tschechischen Drogenküchen bereitet Sorgen.

ARBEIT

Während früher Arbeitslosigkeit und fehlende Ausbildungsplätze Themen der politischen Auseinandersetzung waren, scheint Sachsen nun auf den Mühen der Ebene angelangt: Wie kann der erreichte Wohlstand bei sinkenden Transferleistungen der EU und aus dem Westen bewahrt werden? Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung in Firmen und an den Hochschulen wird deshalb in allen Parteiprogrammen herausgestellt.

„Sie halten den Preis, den die CDU für ihre grenzenlose Offenheit nach allen Seiten schon bezahlt hat und noch bezahlen wird, für zu hoch, und machen darauf aufmerksam, dass die AfD jene Lücke füllt, die die Union mit ihrer Anbiederungspolitik aufgerissen hat“, so Adam. „Kurzfristig mag diese Politik helfen, Wahlen zu gewinnen, langfristig wird sie die Wähler verprellen und anderen Parteien zutreiben.“

Bosbach hatte zuletzt seine Partei aufgefordert, „die Strategie des Totschweigens der AfD endlich aufzugeben“. Steinbach riet ihrer Partei, die AfD als Koalitionspartner nicht grundsätzlich auszuschließen.

Kommentare (33)

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Herr Teito Klein

03.09.2014, 09:34 Uhr

„Die AfD ist nicht der Ku-Klux-Klan“
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Für die CDU aber doch. Deshalb nennen sie sie auch in einem Atemzug mit der NPD und dem Front National.

Bisher hat die CDU es mit totschweigen versucht, das funktioniert jetzt aber nicht mehr.
Deshalb hat Merkel jetzt die Order herausgegeben: Nie mit der AfD, weder auf Landes- noch auf Bundesebene!
Abweichler wie Bosbach und Steinbach werden dann aus der Partei ausgeschlossen.

Vaatz plädierte für einen gelassenen Umgang mit der AfD. „Klar ist aber auch: Je mehr die CDU nach links rückt, umso stärker wird die Suche nach Alternativen rechts der Mitte.“

Es gibt mittlerweile keinen Unterschied mehr zwischen der CDU, SPD, Grünen und Linken. Es ist alles eine rote Sauce.
Die AfD spricht die Dinge an, die für die Bürger wichtig sind, die sogenannten "Etablierten" blenden sie einfach aus oder verschweigen sie, da es nicht in ihr Weltbild passt.

Und sollte der deutsche "Schlafmichel" einmal aufwachen, was die "Etablierten" nicht hoffen, wird es hart für sie.
Dagegen sind die Demos und Proteste in Frankreich, Spanien und Griechenland nur Kindergarten.
Aber die AfD ist ja "die Inkarnation des Bösen"!

Herr C. Falk

03.09.2014, 09:56 Uhr

Die AfD vertritt in Teilen Positionen, die die CDU jahrzehntelang als ihr Markenzeichnen angesehen hat, bevor sie sich unter Merkel opportunistisch dem grün/sozialdemokratischen Mainstream angegeschlossen hat.

Die AfD ist allerdings breiter aufgestellt als die alte CDU, Stichworte sind, Volksentscheide, mehr direkte Demokratie, liberaleres Verständnis von Wirtschaft, usw.
Abschaffung der GEZ Zwangsfinanzierung gehört dazu u.s.w.

Die AfD nur als eine alte CDU zu verstehen, trifft also nicht ganz zu. Die AfD entwickelt sich zu einer Volkspartei neuen Stils, das begründet auch ihren Erfolg.

Herr Wolfgang Böhm

03.09.2014, 10:44 Uhr

Die CDU ist nach links gerückt, weil das Christlich- Soziale der Trend der Zeit ist. Die Zeichen der Zeit zeigen also nach links. Indem die AfD die alte CDU imitiert, erscheint sie deshalb aus der Zeit gefallen zu sein. Ein Sammelbecken der ewig Gestrigen, die sich vor der neuen Zeit fürchten. Und das sind etwa zehn Prozent der Bundesbürger. Kein Grund zur Aufregung.

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