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08.07.2015

21:48 Uhr

Nach Wahlniederlage

Bernd Lucke tritt aus der AfD aus

AfD-Mitbegründer und -Ex-Chef Bernd Lucke hat angekündigt, aus der Partei auszutreten – gemeinsam mit „sehr vielen Funktionsträgern und einfachen Mitgliedern“. In der Erklärung spricht er über seine größten Fehler.

Distanzierung von Ausländerfeindlichkeit

„Ich habe zu spät erkannt, dass wir zur Wut- und Protestpartei wurden“

Distanzierung von Ausländerfeindlichkeit: „Ich habe zu spät erkannt, dass wir zur Wut- und Protestpartei wurden“

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Berlin, StraßburgAfD-Gründer Bernd Lucke tritt aus der Partei aus. Das kündigte der 52-Jährige am Mittwochabend in Straßburg an. Über die mögliche Gründung einer neuen Partei habe er noch nicht entschieden, erklärte der Europaabgeordnete. Er war am Wochenende als Parteichef abgewählt worden.

Zu den Gründen für seinen Austritt sagte Lucke, er wolle nicht als „bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht werden“, die er aus tiefster Überzeugung ablehne. Zu diesen Vorstellungen, die in der Alternative für Deutschland inzwischen weit verbreitet seien, zählten eine antiamerikanische Grundhaltung, ausländerfeindliche Ansichten und fundamentale Systemkritik.

Bei einem Mitgliederparteitag in Essen hatten sich die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt, Lucke gehört dem neuen Bundesvorstand nicht mehr an. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht.

Lucke-Erklärung im Wortlaut: „Der Austritt fällt mir unendlich schwer“

Lucke-Erklärung im Wortlaut

„Der Austritt fällt mir unendlich schwer“

Der AfD-Mitbegründer und Ex-Vorsitzende Bernd Lucke tritt aus der Partei aus. Hier ist seine Erklärung im Wortlaut, in der er die Gründe erläutert.

In der Erklärung des 52-jährigen heißt es weiter: „Ich habe sicherlich Fehler gemacht und zu den größten gehört zweifellos, dass ich zu spät erkannt habe, in welchem Umfang Mitglieder in die Partei drängten, die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen.“ Beim Parteitag in Essen habe sich dann gezeigt, dass diese Wutbürger inzwischen in der AfD in der Mehrheit seien.

Mit Lucke scheidet auch die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius aus der AfD aus. Vor dem Parteigründer hatten bereits zahlreiche Mitglieder von Landesvorständen und mehrere AfD-Landesvorsitzende ihren Parteiaustritt angekündigt. Nach Auskunft der Bundesgeschäftsstelle vom Mittwoch traten nach dem Parteitag rund 600 der zuletzt rund 21 000 Mitglieder aus der AfD aus. Am Mittwoch erklärte Bremens AfD-Landeschef Christian Schäfer seinen Rückzug, drei von vier AfD-Abgeordneten in der Bürgerschaft kündigten an, die Partei zu verlassen.

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland bedauerte Luckes Entscheidung. „Ich finde es schade, ich hätte mir gewünscht, dass er dabei bleibt und um seine Ansichten in der Partei kämpft“, sagte er in Potsdam. Dass Lucke mit der möglichen Gründung einer neuen Partei Erfolg haben könnte, glaubt Gauland nicht. „Bernd Lucke ist wirklich kein guter Parteiführer“, sagte der Brandenburger Landesvorsitzende. „Er hat nur immer sich im Mittelpunkt gesehen und nicht die Partei, und dieser Fehler wird ihm wahrscheinlich auch wieder passieren, wenn er eine neue Partei gründet.“

Grünen-Politiker Volker Beck kommentierte Luckes Austrittsankündigung bei Twitter wie folgt: „Die Geister, die er rief, wurde er nicht los, nun sind sie ihn los.“

Kommentare (32)

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Herr C. Falk

08.07.2015, 18:56 Uhr

Herr Lucke kann nicht mit Anstand verlieren. Prof. Jörg Meuthen, wie Lucke Volwirtschaftler liberal und bürgerlich, wird zusammen mit Dr. Frauke Petry die AfD aus der Sackgasse führen, in die sie Lucke mit seiner verbohrten Selbstherrlichkeit geführt hat.

Lucke ist an sich selber gescheitert wie viele andere Möchtegern-Politiker vor ihm, die ihr eigenes Ego mit politischer Umsicht verwechselt haben.

Account gelöscht!

08.07.2015, 19:03 Uhr

Schade um den einst so großartig gestarteten Versuch, eine wirklich dauerhafte neue Kraft zu etablieren.
Lucke hat Recht - er hat die Subprimer nicht draußen gelassen.

Beide Nachfolgeparteien werden kaum jeweils 5% für den Einzug in den Bundestag einsammeln.

Walter Traustein

08.07.2015, 19:06 Uhr

Lucke hatte "aristokratische Führer-Ambitionen" - die Frau Trebesius wohl sympathischer waren als eine demokratische Partei.

Ja, dann muss sie wohl in die NPD wechseln und Herr Lucke auch. Da fühlen sie sich dann "geführt". Die AfD jedenfalls ist basis-demokratisch.

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Im Interview mit FreieWelt.net schildert der Publizist Giselher Suhr seine Eindrücke vom Parteitag der AfD in Essen. Das »reinigende Gewitter« böte der Partei eine »riesen Chance.«

http://www.freiewelt.net/interview/afd-parteitag-mehr-drama-geht-nicht-10062639/

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