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09.02.2016

21:53 Uhr

Nach Zugunglück in Bad Aibling

Politischer Aschermittwoch in Bayern fällt aus

Der Politische Aschermittwoch hat Tradition in Bayern – da wird gescherzt, gelacht, gefeiert. Doch nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling ist der CSU nicht zum Feiern zumute. Anderen Parteien geht es ebenso.

Aus Respekt vor den Opfern des schweren Zugunglücks in Bayern sagt die CSU den Politischen Aschermittwoch ab. dpa

CSU-Generalsekretär Scheuer

Aus Respekt vor den Opfern des schweren Zugunglücks in Bayern sagt die CSU den Politischen Aschermittwoch ab.

MünchenDer Politische Aschermittwoch in Bayern fällt erstmals aus. Nach dem Zugunglück von Bad Aibling sagten CSU, SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler, Linke und AfD am Dienstag ihre Kundgebungen ab. Auch die CDU verzichtet auf ihre traditionelle Veranstaltung mit Kanzlerin Angela Merkel in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Die SPD in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen strich Veranstaltungen mit dem Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel in Mainz und Schwerte.

Parteiübergreifende Begründung der Absagen war der Respekt vor den Opfern. CSU-Chef Horst Seehofer will am Mittwoch die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. „Bayern hat ein Wir-Gefühl, das wir als CSU politisch verkörpern“, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in Passau. „Diesem Wir-Gefühl tragen wir Rechnung.“ Die Entscheidung habe Seehofer getroffen.

„Dieses Zugunglück ist noch so frisch in unseren Köpfen, dass wir die politische Verantwortung übernehmen und diese Veranstaltung absagen“, sagte Scheuer. „Wir nehmen Anteil, wir sind in Gedanken bei den Opfern.“

Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold sagte: „Der Politische Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch der Parteien. Dafür ist heute und morgen kein Raum. Wir empfehlen unseren Parteigliederungen, diesem Beispiel zu folgen.“

Zugunglücke in Deutschland

August 2014

Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Beispiele:

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012

Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

Januar und April 2012

Januar: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

April: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

September 2011

Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011

Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009

Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008

Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003

Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000

In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998

Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Auch die Grünen sagten ab, betonten aber, das habe mit der CSU-Entscheidung nichts zu tun. „Die Gespräche fanden bereits mittags statt“, sagte die Sprecherin des Landesverbandes Bayern, Daniela Wüst.

Der Aschermittwoch in Bayern zählt zu den traditionsreichsten politischen Terminen im Freistaat. Größte Kundgebung ist seit mehreren Jahrzehnten die CSU-Veranstaltung in Passau, die nach Scheuers Angaben bisher noch nie abgesagt wurde.

Vor der Absage hatte Seehofer noch zu einer neuen Attacke gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Flüchtlingspolitik ausgeholt. In der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch) rückte er die von Merkel am 4. September vergangenen Jahres verkündete Grenzöffnung für Flüchtlinge in die Nähe des Vorgehens von Unrechtstaaten: „Wir haben im Moment keinen Zustand von Recht und Ordnung“, klagte Seehofer in dem schon am Montag geführten und am Dienstag vorab veröffentlichten Interview. „Es ist eine Herrschaft des Unrechts“. Solche Formulierungen verwendete die CSU bislang für Diktaturen wie einst die DDR.

Nicht abgesagt wurden bis zum späten Dienstagabend unter anderem Aschermittwoch-Veranstaltungen der CDU im baden-württembergischen Fellbach bei Stuttgart mit Kanzleramtschef Peter Altmaier sowie der Grünen mit der Bundesvorsitzenden Simone Peter in Mainz.

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Zehn Tote, 81 Verletzte – das Zugunglück in Bad Aibling erschüttert. Verkehrsminister Dobrindt spricht von einer „schweren Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs“. Die CSU sagt den Politischen Aschermittwoch ab.

Von

dpa

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