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19.01.2005

11:19 Uhr

Nachgefragt

Trittin will die Energiewende: "Weg vom Öl"

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hält die Ausbauziele für noch nicht erreicht. Das Handelsblatt spricht mit dem Minister über die Perspektiven der erneuerbaren Energien.

Handelsblatt: Herr Trittin, haben die Grünen das Potenzial erneuerbarer Energien überschätzt?

Trittin: Keineswegs. Die jüngste Studie der Dena glaubt sogar, dass wir unsere Ziele übertreffen. Das Konzept „Weg vom Öl“, wie es die Grünen-Fraktion gerade beschlossen hat, bahnt einem neuen Energiedenken den Weg. Wir müssen Energieeffizienz, Energiesparen und den Ersatz fossiler Ressourcen durch erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe kombinieren. Und wir müssen unsere Märkte für Importe von nachwachsenden Rohstoffen aus Ländern des Südens öffnen, damit die Alternativen zum Öl ökonomisch eine Chance haben. Deutschland ist kaum in der Lage, seine Energiebedürfnisse allein aus bei uns wachsenden Rohstoffen zu befriedigen.

Bei der Stromerzeugung soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

Bei uns liegt ein enormes Potenzial für den Ausbau von Offshore-Windparks. Wenn diese eine Leistung von 20 000 bis 25 000 Megawatt bis 2025/30 erbrächten, was die Bundesregierung für realistisch hält, könnten allein die Windräder auf See 15 Prozent unseres heutigen Strombedarfs decken. Auch die Biomasse wird eine wachsende Rolle spielen, mit Wachstumsraten wie die Windenergie in den letzten Jahren. Ich sehe das Ende der Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien noch lange nicht erreicht.

Die CO2-Minderung wird künftig über den Emissionshandel gesteuert. Was bringt das für die erneuerbaren Energien?

Der Emissionshandel und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind zwei wesentliche Instrumente, Energiewende und Klimaschutz bei uns voranzubringen. Sie ergänzen sich und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Gutachter des Prognos-Instituts sehen das aber anders ...

Offenbar verkennt das Gutachten, dass das EEG nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch anderen Zwecken dient. Der Ausbau erneuerbarer Energien trägt auch dazu bei, uns vom Öl unabhängiger zu machen und uns neue Exportchancen zu öffnen. Deutschland hat bei den erneuerbaren Energien eine beachtliche Technologieführerschaft errungen. Diesen Vorsprung dürfen wir nicht verspielen.

Die Fragen stellte D. Creutzburg.

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