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19.06.2011

12:42 Uhr

Nachwuchshoffnung

Daniel Bahrs Countdown läuft

VonElisabeth Niejahr
Quelle:Zeit Online

Mit 34 Jahren ist Daniel Bahr der jüngste Bundesgesundheitsminister aller Zeiten. Dennoch verfügt die FDP-Nachwuchshoffnung bereits über jahrzehntelange Politikerfahrung. Trotzdem fragen sich viele: Kann das gut gehen?

Gesundheitsminister Bahr: Kann der das? Darf der das? Quelle: dapd

Gesundheitsminister Bahr: Kann der das? Darf der das?

So sehen Bilder für das Familienalbum der schwarz-gelben Koalition aus: Hundert Beamte sitzen auf Plastikstühlen im hellen Atrium eines modernen Bürogebäudes und bestaunen zwei Männer in eng geschnittenen Anzügen. Amtsübergabe im Bundesgesundheitsministerium; auf Philipp Rösler, 38, folgt Daniel Bahr, 34. Beide lachen in die Kameras, halten Beutel mit Lakritz in die Luft und naschen einige der Süßigkeiten. Die Gleichstellungsbeauftragte hat sie beschenkt. Rösler sagt launige Sätze über die "Verjüngung" im Kabinett, Bahr streckt sich und schiebt das Kinn in die Luft. Ein paar Stunden später wird der Bundespräsident den beiden ihre Ernennungsurkunden übergeben. Rösler ist jetzt Wirtschaftsminister und Vizekanzler, Bahr Bundesgesundheitsminister. Selten war die Macht so jung.

Während der Ehec-Krise fiel das besonders auf. Es ging plötzlich um die Verantwortung für Leben und Tod, und die Frage lag nahe, wie viel davon ein Mann ohne graue Schläfen tragen sollte, der erste Minister, der formal noch zur Jugendorganisation seiner Partei gehört, den Jungen Liberalen.

Daniel Bahr, ausgebildeter Banker und seit drei Jahren diplomierter Volkswirt mit gesundheitsökonomischem Aufbaustudium, ist neuerdings zuständig für den 176-Milliarden-Euro-Etat der gesetzlichen Krankenversicherung, für 50 Millionen Versicherte und demnächst auch für eine heikle Reform der Pflegeversicherung, die viel verbessern und wenig kosten soll. Er hat ein Ressort, in dem er mehr gestalten kann als in vielen anderen Ministerien – das aber auch besonders viel Ärger bringt und schon einige Vorgänger scheitern ließ.

Seit einem halben Jahr führt Bahr den größten Landesverband der FDP in Nordrhein-Westfalen. In seiner Partei kommt seitdem keiner an ihm vorbei. "Kneif mich", sagt Bahr in diesen Tagen oft zu seiner Frau, einer Anwältin, die er auf einer Grillparty der Jungen Liberalen kennenlernte.

Besuch beim Deutschen Ärztetag, fast tausend Mediziner haben sich im Kieler Schloss versammelt und quittieren den Auftritt des neuen Ministers mit verhaltenem Applaus. Bahr sagt viele nette Sätze über das Ethos der Ärzte und die Bedeutung der Freiberufler. Er kennt die Formulierungen, die hier ankommen, er schmeichelt viel und verspricht wenig. Das sei die vereinbarte Linie der neuen Parteiführung, sagt Bahr später: bloß nicht zu viele Ankündigungen, bloß keine Erwartungen wecken, die sich bis zur nächsten Bundestagswahl 2013 nicht erfüllen lassen.

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