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12.05.2011

17:02 Uhr

Naher Osten

Der "iranische Frühling" fällt aus

VonJosef Joffe

Was ist los in Teheran? Kein politischer Frühling, sondern ein verbissener Machtkampf zwischen Klerus und Präsident. Der Punktsieg geht an die Mullahs.

Josef Joffe ist Mitherausgeber der "Zeit"

Josef Joffe ist Mitherausgeber der "Zeit"

BerlinSeit Ausbruch des "arabischen Frühlings" starrt die ganze Welt auf Maghreb und Maschrek. Aber wer schaut auf Iran, das die Welt seit der ersten Wahl des Präsidenten Ahmadinedschad (2005) mit imperialer Gebärde in Atem hält, sei es mit dem Griff zur Atombombe oder im Bündnis mit den Friedensverweigerern Syrien, Hisbollah und Hamas.

Doch im Inneren tobt seit Monaten der Machtkampf, der die Zukunft des Landes und damit des Mittleren Ostens so bestimmen könnte wie die "Arabellion". Nein, wir reden hier nicht von der "Grünen Revolution", die das Ahmadinedschad-Regime seit der Wahlfälschung von 2009 erdrückt hat wie eine Python ihr Opfer: Schlinge um Schlinge, Druck um Druck. Der Krieg findet nicht auf der Straße statt, sondern im Regime selber: Ahmadinedschad kontra Religionsführer Khamenei, junge Garde gegen alte, der militär-industrielle Komplex der Revolutionsgarden kontra Klerikal-Konservative, die sich "Prinzipientreue" nennen. 

Der Machtkampf läuft ab wie überall: Vordergründig geht es um Personen, in Wahrheit um die Leitlinien der Politik. Bloß kommt im Gottesstaat noch die Metaphysik hinzu. 

Da feuert der Präsident den mächtigen Geheimdienstminister Heydar Moslehi, einen Hardliner an der Seite des Religionsführers, um ihn durch einen der Seinen zu ersetzen. Im Dezember hatte er schon den Außenminister Mottaki geschasst, auch der ein Handlanger des Höchsten. Doch diesmal kassiert Khamenei prompt den Rausschmiss und verkündet, er werde nie und nimmer das "Abweichen von Irans nationalen Zielen" akzeptieren. 

Wer ist der Chefabweichler? Esfandiar Rahim Mashael, Stabschef des Präsidenten, der gegen die Klerikalen konspiriere. Und schlimmer: Er benutze "übernatürliche Kräfte" und beschwöre die "Dschinns", die Geister, die wir aus "Tausendundeiner Nacht" kennen.

Dabei waren Mashaels Sünden von der ganz profanen Art. Aus der Gerüchteküche sprudeln die Berichte, er sei kreuz und quer durch den Westen gereist, um Kontakt zu den Amerikanern und anderen Westmächten zu suchen - ein untrügliches Zeichen, dass die Isolierung schmerzt. Er soll sogar über Beziehungen zu Israel geplaudert haben: Der "kleine Satan" sei doch eigentlich ein ganz vernünftiger Staat.

Doch damit nicht genug. Ahmadinedschad darf 2013 nicht ein drittes Mal für die Präsidentschaft kandidieren. Deshalb ist der "Zauberlehrling" Mashael sein Mann, das künftige Bollwerk gegen die Klerikalen. Khamenei war nicht erbaut. Er werde das "Maslahat", die Interessen des Ganzen, verteidigen.

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