Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2012

10:23 Uhr

Nebeneinkünfte

Steinbrück hielt Vortrag vor Beraterkanzlei

Die Vorwürfe gegen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück reißen nicht ab. Jetzt geht es um einen bezahlten Vortrag bei der Anwaltskanzlei, die am Bankenrettungsgesetz beteiligt war. Kritik kommt auch aus der eigenen Partei.

Peer Steinbrück steht wegen seiner Nebeneinkünfte unter Druck. dpa

Peer Steinbrück steht wegen seiner Nebeneinkünfte unter Druck.

Köln/BerlinDer SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gerät erneut in die Kritik wegen seiner persönlichen Kontakte zu Firmen, mit denen er auch als Minister zu tun hatte. Im vergangenen Jahr hielt er einen bezahlten Vortrag bei einer Anwaltskanzlei, die 2008 und 2009 im Auftrag des von ihm geführten Bundesfinanzministeriums zwei Gesetze und eine Verordnung erarbeitet hatte.

Der Linksparteivorsitzende Bernd Riexinger warf Steinbrück daraufhin die Verquickung von beruflichen und privaten Interessen vor. "Jetzt ist wirklich eine rote Linie überschritten", sagte Riexinger dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zu der auf Steinbrücks Abgeordneten-Homepage veröffentlichten Information, derzufolge der Ex-Finanzminister 2011 einen Vortrag bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gehalten und dafür mindestens 7.000 Euro erhalten hat. Die Frankfurter Kanzlei Freshfields hat unter anderem den Entwurf für das Finanzmarktstabilisierungsgesetz maßgeblich formuliert, das in der Amtszeit Steinbrücks beschlossen wurde.

Steinbrücks Zusatzverdienste: Reden ist Gold

Steinbrücks Zusatzverdienste

Reden ist Gold

Seine Reden, Bücher und Aufsichtsratsmandate machen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zum Rekordhalter in Sachen Nebenverdienst. Die Details erklärt er zur Privatsache - und liefert den Gegnern so Wahlkampfmunition.

"Es hat mehr als ein Geschmäckle, wenn man als Minister eine Lobbykanzlei ein milliardenschweres Bankenrettungsgesetz schreiben lässt und danach bei derselben Kanzlei für ein Fantasiehonorar als Referent auftritt", sagte Riexinger. "Da verwischen die Grenzen zwischen Staat und Banken auf gefährliche Weise."

Steinbrück hatte bereits bedauert, dass er 2006 in seiner Zeit als Bundesfinanzminister bei bundeseigenen Firmen um Millionenspenden für ein privates Schachturnier geworben hatte.

Die 10 größten deutschen Wirtschaftskanzleien

Platz 1

Freshfields Bruckhaus Deringer

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 324 Millionen Euro (-3 Prozent)

Platz 2

CMS Hasche Sigle

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 227 Millionen Euro (+7,0 Prozent)

Platz 3

Hengeler Mueller

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 210 Millionen Euro (+1,5 Prozent)

Platz 4

Clifford Chance

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 198 Millionen Euro (+2,1 Prozent)

Platz 5

Linklaters

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 167 Millionen Euro (+0,7 Prozent)

Platz 6

Gleiss Lutz

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 162 Millionen Euro (+9,3 Prozent)

Platz 7

Hogan Lovells

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 141 Millionen Euro (-2,2 Prozent)

Platz 8

Noerr

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 127 Millionen Euro (+9,3 Prozent)

Platz 9

White & Case

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 118 Millionen Euro (-1,7 Prozent)

Platz 10

Allen & Overy

Umsatz 2011/12 (Veränderung): 113 Millionen Euro (+12,7 Prozent)

Datenquelle: Fachverlag Juve (Stand: September 2012)

Der SPD-Arbeitnehmerflügel fordert vom designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, seine kompletten Nebeneinkünfte öffentlich zu machen. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Klaus Barthel, sagte der Zeitung "Bild am Sonntag" (Feiertagausgabe): "Ich bin für eine Offenlegung der konkreten Nebenverdienste." Steinbrück könne durch diese Transparenz nur gewinnen. Mit einem solchen Schritt würde Steinbrück seine Kritiker unter Druck setzen, sagte Barthel. "Denn es sind Union und FDP, die sich einem Gesetz für eine komplette Offenlegung der Nebenverdienste verweigern", ergänzte er.

Steinbrück selbst hat angekündigt, auf bezahlte Vorträge, mit denen er in den vergangenen drei Jahren mehrere Hunderttausend Euro verdient hatte, ab sofort zu verzichten. SPD-Chef Sigmar Gabriel verteidigte zuletzt Steinbrücks Zusatzeinkünfte. Gabriel nannte es "unverfroren" und "albern", Steinbrück Bestechlichkeit zu unterstellen, weil dieser Vorträge vor Bankern halte.

Kommentare (100)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wegimex

03.10.2012, 05:00 Uhr

Na da hat der Größte aller deutschen Politiker mit seinen auf Steuerzahlerkosten finanzierten Kavalleriereden was nebenher verdient. [...]. Muss man halt statt einem 2 Tage in der Woche arbeiten. passt schon. Gibt ja auch noch die schöne Ministerpension für ein paar Monate in der Position. Ich muss mal wieder würgen. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++ Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
„Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

03.10.2012, 05:06 Uhr

"Im vergangenen Jahr hielt er einen bezahlten Vortrag bei einer Anwaltskanzlei, die 2008 und 2009 im Auftrag des von ihm geführten Bundesfinanzministeriums zwei Gesetze und eine Verordnung erarbeitet hatte."
........................................................
Ein Mann des öffentlichen Interesses darf nicht einmal,so wie hier, den ANSCHEIN erwecken, möglicherweise berugliche und private Interessen miteinander verquicht zu haben. Der Anschein ist hier gegegeben und unserer zum Glück freien Presse sei Dank dies aufzugreifen und nunmehr, auch an anderen Stellen, weiterzubohren.

Die Verquickung von öffentlichen und privaten Interessen hat schon einen sehr schalen Nachgeschmack bei Putin-Freund und "Gas-Kanzler" Schröder.

arjuna_de

03.10.2012, 06:24 Uhr

Aha, also auch Steinbrück ist korrupt. Und Barthel, mit Verlaub etwas dumm: Der Vorwurf ist ja nicht, dass die Nebeneinkünfte nicht ofengelegt werden, sondern dass es sie in dieser Form überhaupt gab! Mann, was sind das nur alles für Schmalspurdenker. Wie Wulff. »Ich gebe doch zu, dass ich die Äpfel gestohlen habe. Kriege ich jetzt eine Belohnung?«
ES WIDERT EINEN NUR NOCH AN.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×