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15.01.2004

13:28 Uhr

Nebenklage rechnet mit Freispruch

Verteidigung fordert Freispruch für Mzoudi

Im zweiten Hamburger Terrorprozess hat die Verteidigung am Donnerstag einen Freispruch für den Angeklagten Abdelghani Mzoudi gefordert. Die Vorwürfe gegen ihren Mandaten im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hätten nicht durch Zeugenaussagen belegt werden können, sagte die Anwältin Gül Pinar in ihrem Plädoyer. „Das Beweismosaik fügt sich nicht zu einem Bild zusammen, das klare Konturen hat.“

HB HAMBURG. Mzoudi sei von der Gruppe um den mutmaßlichen Flugzeugentführer Mohammed Atta über deren Anschlagspläne bewusst in Unkenntnis gelassen worden. Das habe vor Gericht jedoch nicht ausreichend belegt werden können, da wichtige Zeugenaussagen nicht zugänglich gewesen seien. Der Vertreter der amerikanischen Nebenkläger, Andreas Schulz, sagte am Rande des Prozesses, er rechne mit einem Freispruch Mzoudis. Die Bundesanwaltschaft hat eine 15-jährige Haft für den 31-Jährigen Marokkaner verlangt. Sie hält es für erwiesen, das Mzoudi von den Anschlagsplänen gewusst und die Hamburger Gruppe um Atta logistisch unterstützt hat. Das Urteil soll nächsten Donnerstag verkündet werden.

Mzoudi war Mitte Dezember überraschend aus der Untersuchungshaft entlassen worden, nachdem eine ihn entlastende Aussage aufgetaucht war. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte die Aussage eines nicht namentlich genannten Zeugen präsentiert, nach der Mzoudi nicht zu der Gruppe um Atta gehört hat. Bei dem Zeugen soll es sich um den im Herbst 2002 in Pakistan festgenommenen Ramzi Binalshibh handeln, der wegen der Anschläge von den Sicherheitsbehörden in den USA vernommen wird. Eine Vernehmung durch das Hamburger Gericht war von den USA ohne Begründung abgelehnt worden. Den deutschen Sicherheitsbehörden vorliegende Protokolle der Verhöre Binalshibhs durften auf Anweisung des Kanzleramts nicht in dem Verfahren verwendet werden. Auch die Herausgabe von Protokollen der Verhöre des ebenfalls in den USA inhaftierten Khaled Scheich Mohammed wurde aus Sicherheitsgründen untersagt.

Die Behörden gehen davon aus, dass Binalshibh die Anschläge, bei denen über 3 000 Menschen ums Leben kamen, gemeinsam mit Scheich Mohammed organisiert hat. Auftraggeber soll der Moslem-Extremist und mutmaßliche Chef der El-Kaida-Organisation, Osama Bin Laden, gewesen sein.

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