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13.04.2016

07:53 Uhr

Neo Magazin Royal pausiert

Böhmermanns Produktionsfirma sagt Sendung ab

Der Druck ist zu groß: Jan Böhmermann und die Produktionsfirma btf haben entschieden, die für Mittwoch angesetzte Aufzeichnung der Sendung Neo Magazin Royal abzusagen. Nun steht der Moderator sogar unter Polizeischutz.

Jan Böhmermann wird in dieser Woche nicht in seiner Sendung Neo Magazin Royal auftreten. Reuters

Keine Sendung mit böhmermann

Jan Böhmermann wird in dieser Woche nicht in seiner Sendung Neo Magazin Royal auftreten.

Köln/MainzJan Böhmermann hat die nächste Sendung seines „Neo Magazin Royale“ abgesagt. Wegen seines Schmähgedichts auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sieht sich der Satiriker mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert. Nun hätten die Produktionsfirma btf GmbH und der Satiriker die Absage beschlossen, hieß es am Dienstag auf der Facebook-Seite der Sendung.

Grund sei die große Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit dem ZDF gefallen. Das bestätigte ein ZDF-Sprecher in Mainz. „Wir respektieren die Entscheidung der Produktionsfirma und von Jan Böhmermann und haben Verständnis für deren Begründung“, sagte er. Den Formulierungen nach zu urteilen kam der Anstoß zur Absage also aus dem Kreis des Moderators und seiner Produktionsfirma.

Satiriker Jan Böhmermann steht nach seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mittlerweile unter Polizeischutz. „Ein Streifenwagen steht vor der Tür“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Köln. Man stehe auch mit anderen Sicherheitsbehörden im Kontakt. Zuvor habe es eine Beurteilung der Gefährdungslage gegeben. „Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann muss man etwas tun“, sagte der Polizeisprecher.

Die Produktionsfirma btf GmbH und Jan Böhmermann haben entschieden, die für Donnerstag geplante nächste Ausgabe von Neo...

Posted by NEO MAGAZIN ROYALE on Dienstag, 12. April 2016

Böhmermann hatte in dem Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten in seiner Fernsehshow bewusst beleidigende Formulierungen benutzt, um – wie er selbst erläuterte – die Unterschiede zwischen in Deutschland erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich zu machen. Das hatte eine kontroverse Debatte über Grenzen von Satire ausgelöst.

Nach Anzeigen gegen Böhmermann und Verantwortliche des ZDF ermittelt die Mainzer Staatsanwaltschaft. Dabei geht es um eine mögliche Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches (StGB). Voraussetzung für eine Strafverfolgung sind in solchen Fällen ein sogenanntes Strafverlangen der ausländischen Regierung und eine Ermächtigung der Bundesregierung zur Strafverfolgung. Ein Strafverlangen aus der Türkei liegt vor, Berlin prüft noch.

Zudem liegt der Staatsanwaltschaft mittlerweile ein Strafantrag Erdogans gegen Böhmermann wegen Beleidigung im Sinne des Paragrafen 185 ff. StGB vor. Dieser könnte von der Behörde in Mainz unabhängig von einer Entscheidung aus Berlin weiterverfolgt werden.

Erdogan strebt seinem Anwalt zufolge die Bestrafung Böhmermanns an. „Der Präsident verspricht sich die Bestrafung des Betroffenen und vor allen Dingen verspricht er sich, dass er in Zukunft nicht mehr das wiederholt, was er gesagt hat“, sagte der Medienanwalt Michael-Hubertus von Sprenger am Dienstagabend im ZDF.

Sprenger geht nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass Böhmermann eine hohe Strafe erwartet. Ob Erdogan letztlich auch Schadenersatzansprüche geltend machen wolle, stehe noch nicht fest. „Wir werden abwarten, wie Herr Böhmermann reagiert“, sagte der Münchener Anwalt. Sprenger betonte zugleich, „selbstverständlich“ bis zum höchsten Gericht zu gehen: „Wenn ich das Mandat annehme, dann ziehe ich es auch durch.“

Von

dpa

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