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07.07.2015

16:25 Uhr

#NetzFragtMerkel

Der 27-jährige Blogger und die Kanzlerin

VonKathrin Witsch

Eine „junge Frau“ mit der man mal in Ruhe „schnacken“ kann. So stellt sich Youtube-Blogger LeFloid sein Interview mit Kanzlerin Angela Merkel vor. Und das ist schon Gesprächsthema, bevor es überhaupt stattgefunden hat.

Unter diesem Hashtag können Nutzer ihre Fragen schicken. Screenshot Youtube

LeFloid

Unter diesem Hashtag können Nutzer ihre Fragen schicken.

DüsseldorfDie Tagesschau hat er bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schon längst abgehängt. Denn während das traditionelle Nachrichtenformat der ARD im Schnitt von 1,75 Millionen jungen Zuschauern verfolgt wird, folgen ihm schon jetzt über 2,6 Millionen Menschen.

Er, das ist Youtube-Star und selbsternannter Nachrichtenbringer der U30-Generation: LeFloid. Oder auch Florian Mundt, einer der erfolgreichsten Video-Blogger auf dem deutschen Markt. Seinem preisgekrönten Erfolg verdankt er es wohl auch, dass er jetzt mit einer ganz besonderen „jungen Frau“ mal ordentlich „schnacken“ kann.

In seinem aktuellen Video kündigt LeFloid seinen bislang größten Coup an: „Am kommenden Freitag habe ich einen Termin mit einer jungen Frau.“ Die junge Frau, das ist die mächtigste Frau Europas – die Bundeskanzlerin. Er wolle mit „der Angela ein wenig schnacken“. Unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel sammelt er Fragen der User aus dem Netz, die der Kanzlerin unbedingt gestellt werden müssen.

Die CDU-Vorsitzende folgt mit dieser Fragerunde ganz ihrem amerikanischen Kollegen Barack Obama, der bereits Anfang des Jahres drei US-Youtube-Stars zum Gespräch ins Weiße Haus einlud. Und vielleicht bringt das Interview auch dem hauseigenen Youtube-Channel der Bundesregierung ein paar mehr Abonnenten. Bislang sind es gerade einmal 13.000. Fraglich, wem das ganze mehr Aufmerksamkeit bringt: LeFloid oder der Bundeskanzlerin?

Mehr als 400.000 Menschen haben seine Interview-Ankündigung bereits gesehen, unzählige Fragen sind eingegangen. Mal mehr, mal weniger ernst. Andrew Firefly will wissen wie die Kanzerlin das Finale von Game of Thrones fand, während Steffen Eggers sich fragt, warum die Regierung aktiv die Aufklärung rund um den NSA-Skandal stört. Beherrschende Themen: Flüchtlinge, TTIP und die Homo-Ehe.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

Zweimal in der Woche beschäftigt sich LeFloid mit politischen Nachrichten ebenso wie mit der Boulevardpresse. Er ist so etwas, wie die inoffizielle Tagesschau, oder das Heute-Journal der jüngeren Generation. Auch wenn er in einem Spiegel-Interview einmal betonte: „Ich bin nicht Claus Kleber“. Jeden Tag erreichen ihn ungefähr 3000 Mails und 15.000 Kommentare. Dabei setzt er vor allem auf Diskussionen und Interaktion – und das funktioniert. Sein erfolgreichster Kommentar ist mehr als drei Millionen mal abgerufen worden.

Seine Videos filmt der Blogger eigentlich im heimischen Schlafzimmer. Angela Merkel wird aber weder neben dem Stormtrooper, noch vor dem „Kriminelle Unternehmen zum Verkauf“-Poster Platz nehmen. Wie eine Sprecherin der Bundesregierung am Dienstag bestätigte, werde Mundt am Freitag im Kanzleramt erwartet. Dann also vor ganz seriöser Kulisse.

Kommentare (3)

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Herr Helmut Paulsen

08.07.2015, 08:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Helmut Paulsen

08.07.2015, 08:35 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr kopfschüttel Kopfschüttel

08.07.2015, 09:34 Uhr

"Seinem preisgekrönten Erfolg verdankt er es wohl auch, dass er jetzt mit einer ganz besonderen „jungen Frau“ mal ordentlich „schnacken“ kann."

Er hatte auch davor sehr guten Erfolg und braucht das eigentlich nicht. Bitte korigiren Sie das in dem Artikel!!!!!

Leider verkauft sich LeFloid mit diesem Interview nur :(

@Walter Ich gebe dir recht das ist eingfach nur EKELHAFT!!!

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