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06.05.2015

20:40 Uhr

Netzkonferenz

„Pussy Riot“ irritiert auf der re:publica

VonTina Halberschmidt

Mitglieder der russischen Punk-Band „Pussy Riot“ sorgten auf der Netzkonferenz re:publica für einen spektakulären Auftritt. Doch bei der Diskussion schien es fast so, als wüssten sie gar nicht, warum sie da sind.

Maria Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa der russischen Band Pussy Riot unterhielten sich hauptsächlich mit sich selbst. dpa

Re:publica 2015

Maria Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa der russischen Band Pussy Riot unterhielten sich hauptsächlich mit sich selbst.

BerlinAuf der Leinwand werden zwei Frauen bei lebendigem Leibe beerdigt, dazu ertönt ein treibendes Musikstück, das mit dem immer gleich gehauchten Satz endet: „I can't breathe! I can't breathe!“ Die Diskussionsrunde „Punk, Polit-Performance und Pressefreiheit“ mit Mitgliedern der russischen Polit-Punk-Band und Aktivistengruppe „Pussy Riot“ begann spektakulär. Sie endete aber enttäuschend.

Moderator und Journalist Jo Schück hatte seine liebe Mühe, den zwei Aktivistinnen Nadescha Tolokonnikowa und Marija Aljochina ein paar aussagekräftige Sätze zu entlocken. Fast schien es so, als wüssten die „Pussy Riots" nicht so recht, was sie auf der Bühne der neunten re:publica eigentlich sollten. Oder war es nur ein Sprachproblem? Weder Tolokonnikowa noch Aljochina konnten oder wollten sich ausführlich auf Englisch äußern.

Schade, war die Session doch von vielen Besuchern der re:publica mit Spannung erwartet worden. „Pussy Riot“, die für einen Tanz vor dem Altar in einer Moskauer Kirche von der russischen Polizei verhaftet und dadurch weltweit bekannt geworden waren, hatten in Berlin über ihre Projekte, ihre Motivation und über ihren Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit sprechen wollen.

Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina hätten dabei sicher eine Menge zu erzählen gehabt: Die beiden Künstlerinnen waren wegen ihres öffentlichen „Punk-Gebets“ zu jeweils zwei Jahren Haft verurteilt worden und hatten ihre Strafe in russischen Straflagern abgesessen. Nach ihrer Freilassung gründeten die beiden eine Organisation zur Unterstützung politischer Gefangener und ein unabhängiges Nachrichtenportal.

Doch darüber sprechen wollten sie anscheinend nicht - Tolokonnikowa und Aljochina unterhielten sich auf dem Podium lieber auf Russisch miteinander statt mit dem Moderator. Zum Glück übersetzte Peter Verzilov, Tolokonnikowas Mann, und erzählte auch selbst ein wenig.

Trotzdem: So mancher Zuschauer fragte sich, ob er vielleicht gerade selbst zum Teil einer Performance wurde. Aljochina hatte sich einen Luftballon unters Shirt gesteckt, als sie die Bühne betrat. Erklärung? Fehlanzeige.

Immerhin - Peter Verzilov beantwortete einige der Fragen und erzählte, dass sie in Russland einfach immer weitermachten mit dem Protest gegen die Regierung. Und irgendwann sprach dann auch Tolokonnikowa: Angst vor einer erneuten Verhaftung habe sie nicht. „Wenn man für einen Tanz verhaftet werden kann, wovor soll man dann noch Angst haben? Vielleicht wird man bald eingesperrt, weil man Wasser trinkt.“ In Russland herrsche Willkür. Man dürfe sich deswegen nicht einschüchtern lassen, so die russische Aktivistin.

Viele Zuschauer bekamen diese Aussage aber schon nicht mehr mit. Sie hatten den anfangs überfüllten Saal bereits verlassen.

Übrigens, das Musikvideo, das zu Anfang der Session gezeigt wurde, ist der Clip zum aktuellen Song von „Pussy Riot“. Er kritisiert Polizeiwillkür in den USA und spielt auf den Tod des jungen Afroamerikaners Eric Garner an, der in Polizeigewahrsam starb. In dem Video singen „Pussy Riot“ Englisch.

Kommentare (1)

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Herr Alexander Knoll

07.05.2015, 09:53 Uhr

Vielleicht sollte man Pussy Riot als das sehen was sie wirklich sind - durchgeknallte junge Frauen ohne klare politische Linie aber mit einem Hang zu PR. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum ein Tanz "oben ohne" auf einem Kirchenaltar ein Protest gegen Putin sein soll. Mir scheint sie wurden von unserer Presse zu Märtyrern aufgebaut, weil es gerade in den politischen Kram passte. Somit erklärt sich auch die etwas dürftige Performance auf der re:publica.

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