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19.08.2015

19:02 Uhr

Neue Flüchtlingsprognose

Bundesregierung erwartet rund 800.000 Asylanträge

In diesem Jahr werden in Deutschland deutlich mehr Asylanträge gestellt als zunächst erwartet. Bundesinnenminister de Maizière geht von rund 800.000 Anträgen aus. Damit wird der bisherige Rekordstand deutlich übertroffen.

Flüchtlingsprognose auf Rekordstand

„Wir werden diese Herausforderung gemeinsam meistern!“

Flüchtlingsprognose auf Rekordstand: „Wir werden diese Herausforderung gemeinsam meistern!“

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BerlinDie Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit der Rekordzahl von 800 000 Flüchtlingen in Deutschland. Das teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin mit. Vertreter von Bund und Ländern wollen angesichts dieser dramatischen Zahlen am 24. September auf einem Flüchtlings-Gipfel ihr weiteres Vorgehen vereinbaren, wie de Maizière ankündigte. Die Länder fordern eine schnelle Entscheidung über finanzielle Hilfen des Bundes.

So viele Asylbewerber kamen noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik in einem Jahr ins Land. Der Bund korrigierte damit seine Prognose wie erwartet erheblich nach oben. Zuletzt war das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von 450.000 Anträgen ausgegangen. Den bisherigen Höchststand hatten die Behörden 1992 mit etwa 440.000 Asylanträgen gezählt.

De Maizière sagte, allein im Juli seien 83.000 Menschen ins Land gekommen, um einen Asylantrag zu stellen. Im August seien es bis zur Mitte des Monats schon etwa 50.000 gewesen. Üblicherweise kämen in der zweiten Jahreshälfte mehr Menschen als in der ersten. Obwohl die Dauer der Asylverfahren von 7,1 auf 5,4 Monate gesenkt werden konnte, nehme die Zahl der offenen Verfahren weiter zu, zur Zeit liege sie bei 250.000.

Daher müsse das Personal zur Bearbeitung der Anträge dringend aufgestockt werden. In den Erstaufnahmeeinrichtungen würden dringend zusätzliche Plätze benötigt. Die Zeltstädte müssten winterfest gemacht werden. Dazu seien möglicherweise auch gesetzliche Regelungen nötig, die von den Standards abwichen. Es gebe nicht die eine Maßnahme, die das Problem löse. Es gebe mehrere Stellschrauben.

An die europäischen Partner appellierte de Maizière, die Vereinbarungen einzuhalten. Deutschland allein könne nicht 40 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, die nach Europa kommen. Sollten die Partner ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, stehe die Freizügigkeit in Europa auf dem Spiel.

Fakten zur Flüchtlingsdebatte

Flüchtlingszahlen steigen

Stellten im Juni 2012 rund 4.900 Personen einen Asylantrag in Deutschland, waren es drei Jahre später mit 35.400 mehr als siebenmal so viele.

Herkunftsländer

Die wichtigsten Herkunftsländer waren im Juni 2015 Syrien mit 7.600 Personen, Albanien mit 5.900 und Serbien mit 2.200. Insgesamt entfiel auf die sechs Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien mit 12.600 rund ein Drittel der Asylanträge.

Kaum Chance auf Asyl

Diese Flüchtlinge haben allerdings kaum eine Chance auf Anerkennung in Deutschland: Nur 65 der 22.200 Entscheidungen über Asylverfahren von Westbalkanflüchtlingen waren im zweiten Quartal 2015 positiv.

„Sichere Herkunftsländer“

Tatsächlich wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien bereits zum 6. November 2014 in die Liste „sicherer Herkunftsstaaten“ aufgenommen. Das heißt: Asylanträge von Personen aus diesen Ländern können direkt abgelehnt werden, wenn der Bewerber nicht nachweisen kann, dass ihm im Herkunftsland tatsächlich politische Verfolgung droht.

Immer mehr Anträge

Eigentlich sollte diese Eingruppierung dazu führen, dass die Zahl der laufenden Asylverfahren deutlich zurückgeht. Jedoch ist die Zahl der am Monatsende anhängigen Verfahren von Personen aus den drei genannten Ländern weiter angestiegen und lag mit 41.000 im April 2015 deutlich über dem April 2014 (24.700 Verfahren). Insgesamt waren Ende April 2015 knapp 275.000 Asylverfahren anhängig, wovon mehr als 87.000 auf Westbalkan-Flüchtlinge entfielen.

Kosovo

Im Kosovo hat man damit begonnen, die Menschen darüber zu informieren, unter welchen Voraussetzungen sie in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt werden – die Antragszahlen von Personen aus dem Kosovo hatten im März 2015 mit 11.700 einen historischen Höchststand erreicht, bis Juni sind sie nun auf 1.600 zurückgegangen.

40 Prozent der Asylanträge werde derzeit in Deutschland stattgegeben. Diese Menschen müssten mittel- und langfristig integriert und in Lohn und Brot gebracht werden. Zudem müsse der Wohnungsbau intensiviert werden.

Deutschland stehe vor einer großen Herausforderung, sagte der Innenminister. Aber: „Überfordert ist Deutschland mit dieser Entwicklung nicht.“ Bund, Länder und Gemeinden müssten die gegenseitigen Schuldzuweisungen beenden und mit einem Schulterschluss das Problem angehen.

Kommentare (5)

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Herr Bernd Mayer

19.08.2015, 18:11 Uhr

Herr de Maizière schauen Sie sich bitte Duisburg-Marxloh an ist das Ihre Vorstellung von unserem neuen Deutschland? Dann gute Nacht. Vielleicht können wir Deutsche auch wo Hinflüchten wo es eine "Vollversorgung" gibt?
800.000 illegale eine komplette Großstadt wie Frankfurt soll man versorgen, unterbringen, integrieren (verschiedene Kulturen, Religionen) aussichtslos! Ohne das die Bürgerstimmung kippt! Das dies ein gefundenes Fressen für rechte Parteien ist haben Sie auch übersehen.
Wenn Deutschland 800.000 aufnimmt wieviel nehmen die anderen Eu-Staaten auf?

Herr Wolfgang Trantow

19.08.2015, 18:51 Uhr

Mit der täglichen Prognose-Erhöhung fordern wir jeden Asylanten auf, es lohnt sich nach Deutschland zu strömen. Hier erhalten ihr Taschengeld ohne das ihr, wie in eurer Heimat arbeiten müsst. Gesundheitsvorsorge gibt es auch umsonst. Also braucht ihr in eurer alten Heimat diese nicht ein zu fordern. Ihr braucht euch auch nicht um eure Kinder zu kümmern. Schickt sie unbegleitet zu uns.

Herr walter danielis

19.08.2015, 19:05 Uhr

Man muß leider davon ausgehen das diese Asylantenschwemme von unserer Politik so gewollt ist. Diese Leute gehen nämlich dahin wo die Konditionen am besten sind. Sie wandern durch mehrere EU-Länder bis sie ins gelobte Land kommen.

Diese Konditionen werden von unseren Politikern gemacht.
- Gute Versorgung und üppiges Taschengeld
- Langandauernde Verfahren mit Recht auf Wiederholung der Verfahren
- Duldung fast aller abgelehnten Bewerber.

Jeder Asylforderer weiß, wenn er die Grenze zu Deutschland überschritten hat kann er bleiben so lange er will und es wird dauerhaft für ihn gesorgt.

Mit dieser Option werden noch viele Millionen kommen. Das Potienziall ist nahezu unerschöpflich.

Die deutsche Bevölkerung wird sich das weiter gefallen lassen. Die Gehirnwäsche durch Politik, Medien, Kirchen und Verbände zeigt ihre Wirkung. Gegenbewegungen wie die AfD oder Pegida werden mit allen Tricks bekämpft und platt gemacht. Sarrazin hat völlig recht: Deutschland schafft sich ab.

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