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13.08.2013

14:51 Uhr

Neue Internetseite

Merkel – die Homestory

Der Wahlkampf ist auch im World Wide Web eröffnet: Bundeskanzlerin Angela Merkel startet auf ihrer Homepage eine Persönlichkeits-Offensive mit privaten Fotos und Einblicken. Wer jedoch unter der Adresse „angelamerkel.de“ nach der Kanzlerin sucht, erlebt eine Überraschung.

Erlaubt im Wahlkampf auf ihrer Homepage und in einem Interview ungewohnte Einblicke ins Private: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Screenshot

Erlaubt im Wahlkampf auf ihrer Homepage und in einem Interview ungewohnte Einblicke ins Private: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mit ein paar Mausklicks können sich die Deutschen über ihre Kanzlerin informieren – auch sehr privat: Nach ihrer Rückkehr aus der Sommerpause präsentiert Angela Merkel ihre Webseite im neuen Gewand. Mit sehr persönlichen Kurztexten über ihre erste Ehe, Liebe und Rouladen, kombiniert mit großen Bildern, will die Politikerin sich von ihrer privaten Seite zeigen. Sie schreibt auf angela-merkel.de etwa von ihrer Ausreise aus der DDR, ihrer ersten Ehe, ihre Anfänge sowie ihrer Kindheit.

„Meine erste Ehe in den Studentenjahren hat leider nicht lange gehalten”, heißt es dort. Oder: „Ich koche sehr gern, am liebsten Rouladen und Kartoffelsuppe." Solche intimen Einblicke waren bislang selten bei der Bundeskanzlerin.

Der Leser merkt schnell: Auf der neuen Webseite menschelt es heftig. Der Nutzer scrollt sich von der Kindheit der kleinen Angela über die Schul- und Studienzeit und ihre politischen Anfänge bis in die Gegenwart. Keine Textwüsten, keine weiteren Links: Der Fokus liegt auf großen Bildern und sehr persönlich formulierten Texten. Man erfährt auch etwa, dass ihr Mann gerne mehr Streuseln auf dem Kuchen hätte, sich aber sonst selten über ihre Kochkünste beschwere.

Damit spart sich die Bundeskanzlerin die Homestory, bei der sich Journalisten nach Hause einlädt und behält auf diesen Weise 100-prozentig in der Hand, welche privaten Informationen sie preisgibt. Damit verfolgt die CDU online jetzt die selbe Strategie wie auch in der 24-seitigen Wahlbroschüre: Viel Privates, garniert mit Politik.

Das ist offenbar auch genau das Konzept, dem auch Angela Merkel für sich selbst im Wahlkampf folgt: In einem Interview mit dem Stern-Ableger „Neon“ äußerste sie sich jüngst ebenfalls sehr persönlich: Sie erzählt darin etwa, was das Unvernünftigste gewesen sei, das sie als junge Frau getan habe.

Fakten zur Kanzlerin

A wie Abflug bis F wie fotografisches Gedächtnis

A wie Abflug: Die Flüge der Kanzlerin gehen fast immer in Tegel ab. Allerdings vom militärischen Teil, Avenue Jean Mermoz, praktisch gegenüber des Terminals für den Publikumsverkehr. Den Sicherheitscheck übernimmt die Bundeswehr, ansonsten das gewohnte Bild: Die Aufgeregten rennen schnell noch mal aufs Klo, die Raucher pumpen sich die Lungen voll Nikotin.

B wie Bodyguards: Für die Sicherheit der Kanzlerin ist auch auf Reisen gesorgt. Männer und Frauen des Bundeskriminalamtes passen auf, dass nichts passiert. Sie tun das mit bewundernswerter Geduld, bleiben auch bei großem Stress immer höflich. Was schon eine Leistung ist, wenn plötzlich im Ausland Horden von Journalisten auf die Kanzlerin zustürzen.

F wie fotografisches Gedächtnis: Im Flugzeug bekommen die mitreisenden Journalisten immer auch ein Briefing durch die Kanzlerin. Merkel hat dabei alle wichtigen Aspekte im Kopf. Was schon zu der Vermutung geführt hat, sie müsse über ein fotografisches Gedächtnis verfügen.

H wie Hintergrundgespräch bis P wie Parade

H wie Hintergrundgespräch: Eine gute Gelegenheit, mit der Kanzlerin auf Reisen auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Dutzend Journalisten, Merkel, ihr außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, der Regierungssprecher, sowie eine Chefin oder ein Chef vom Dienst des Bundespresseamtes quetschen sich im Flugzeug in einen geschätzt fünf Quadratmeter großen Besprechungsraum. Auf dem Hinflug geht es dabei meist um die Vorbereitung aufs Reiseziel, auf dem Rückflug werden auch innenpolitische Themen angesprochen.

J wie Joachim Sauer: Merkels Ehemann ist selten bei Reisen dabei. Warum sollte er auch, schließlich hat er seinen eigenen Job. Der Professor für physikalische und theoretische Chemie an der Humboldt-Universität gilt national und international als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der Quantenchemie und ist selber oft unterwegs. Zuletzt war er im Juni mit dabei, als seine Frau im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Barack Obama die „Medal of Freedom“ überreicht bekam.

K wie Kanzlermaschine: Eine der „Kanzlermaschinen“ ist die Konrad Adenauer. Früher flog ein Airbus A 310 unter diesem Namen, seit März ist es ein Airbus A 340. Die alte „Konrad Adenauer“ ist aber immer noch ganz flott und bleibt wohl bis 2013 im Dienst. Mitte Oktober nutzte Merkel diese Maschine bei ihrer Reise nach Vietnam und in die Mongolei, weil die Landebahn in Ulan Bator für den A 340 zu kurz gewesen wäre. Bei der Reise machte die Maschine ohnehin was mit. Von 78 Stunden Reisedauer wurden 34 im Flugzeug verbracht.

P wie Parade In vielen Ländern wird die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Merkel muss dann die Ehrenformation an Soldaten abschreiten, besonders ergiebig war das in Kenia, wo der Paradeweg über 100 Meter lang war. Manchmal geht es auch schneller, bei Zeremonien am Flughafen etwa. Oder wenn das Wetter schlecht ist.

R wie Reisepass bis U wie Unternehmer

R wie Reisepass: Wird auch auf Kanzlerreisen benötigt. Die Mitarbeiter der Kanzlerin verfügen in der Regel über Diplomatenpässe. Darüber hinaus sitzen alle Reisenden wie auf normalen Flügen auch mit gerunzelter Stirn gebeugt über irgendwelchen Einreiseformularen.

S wie Steffen Seibert: Der Regierungssprecher ist bei Auslandsreisen immer dabei. Meist twittert er die Ankunft in einem fremden Land schon, wenn die Maschine noch ausrollt und hält auch danach Journalisten wie Internet-Gemeinde auf dem Laufenden. Siehe auch C und D.

U wie Unternehmer: Ab und an nimmt die Kanzlerin neben den Journalisten auf ihre Auslandsreisen auch eine Wirtschaftsdelegation mit. Deren Mitglieder verhandeln dann vor Ort, manchmal geht der Schuss nach hinten los. So bei der Afrika-Reise Merkels im Juni, als Meldungen über die geplante Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola für Schlagzeilen sorgten.

Y wie Yellow Press bis Z wie Zahlungsanweisung

Y wie Yellow Press: Der Glamour-Faktor bei Merkel-Reisen ist eher gering. Die Boulevardpresse kommt nicht so zum Zuge. Dass sie auch Glamour kann, zeigte Merkel aber im schicken langen Abendkleid beim Staatsbankett in Washington mit Gästen wie Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann.

Z wie Zahlungsanweisung: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Journalisten auf Reisen von Angela Merkel für lau mitreisen dürfen. Flug und Hotel zahlt jede Redaktion selbst.

„Zu viel Kirschwein getrunken. Da tritt die alkoholische Wirkung noch schneller ein als bei normalem Rotwein, das habe ich unterschätzt“, ist ihre Antwort. Sie berichtet offenherzig von ihrer Beziehung zu ihrem Mann Joachim Sauer: Etwa, dass sie nicht skypen, wenn sie sich länger nicht sehen. „Nein. Telefonieren reicht uns“, sagte sie den Reportern. Auch an die ewige Liebe glaubt sie: Bei ihrer ersten Hochzeit bereits. Heute noch immer? „Ja.“

Darüber hinaus lässt sie auch einen Einblicke in ihr Fernsehprogramm und ihrer Mediennutzung zu. Sonntags erfreue sie sich manchmal an „Inspector Barnaby“, erzählt sie. Die US-Polit-Serie „The West Wing“ würde sie gern mal sehen. Mit dem iPad höre sie Musik, mache aber keine Fotos. Und Lust auf eine Zigarette hat sie auch nicht im größten Stress.

Beim Design ist die Kanzlerin up-to-date: Die neue Webseite ist im sogenannten One-Page-Design aufgebaut. Auffälligstes Merkmal der neuen Merkel-Webseite sind allerdings weniger die Inhalte als deren Verbindung mit dem Inhalt. Erinnerungen an die preisgekrönte Multimedia-Reportage „Snow Fall” der New York Times werden wach.

Auch hier ließen sich Texte und Bilder auf einer einzigen Seite konsumieren. Responsiv ist die Seite zudem auch, d.h. sie passt sich dem jeweiligen Endgerät passgenau an. Weil die Inhalte narrativ angeordnet werden, wird der der Lesefluss nicht unterbrochen. Auf Angela-Merkel.de erzählt die CDU also die politische Laufbahn der Bundeskanzlerin.

Auf einen völlig anderen Look setzt derweil die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Peer Steinbrück. Hier hat sich das Wahlkampfteam am Kachellook von Windows 8 orientiert. Statt großer Bilder bekommt der Nutzer hier viele Einzelbausteine und Links präsentiert.

Aber ein direkter Vergleich der Seiten fällt schwer. Während Steinbrück als Herausforderer seine Argumente für den Wahlkampf erklärt, setzt Merkels Team auf Emotionalisierung.

Kommentare (29)

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Radek

13.08.2013, 15:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Tomm

13.08.2013, 16:03 Uhr

(..) was Du heute gemacht hast ist ja umwerfend. Hör mal, ich bin von Deinem Auftritt vor der Schulklasse begeistert, ja fasziniert. Wer das veranlaßt hat, ist egal, ob Du oder dein Stab. Die Idee ist großartig. Das ist die hohe Schule der Inszenierung. Werbepsychologisch ein Meilenstein. Das die Presse Deinen Auftritt in allen Blättern morgen bringen wird, ist doch richtig und gewollt. Toll kann ich nur sagen. (...) Es gibt keinen anderen Menschen oben an der Spitze. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Eddie

13.08.2013, 16:45 Uhr

Ich finde Angela Merkel gut! Sie kommt immer so volksnah und ehrlich rüber. Außerdem mag sie - genauso wie ich - Soljanka! Hmmmm, lecker!

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