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23.03.2014

13:05 Uhr

Neue Krankenkassen-Reform

Kommt jetzt das große Wechseln?

Große Gedanken ums Geld muss man sich bei seiner Krankenkasse derzeit nicht machen. Manche schütten Prämien aus – und keine verlangt Aufschläge. Doch das ändert sich. Dabei ist der Reformstart 2015 nur das Vorgeplänkel.

Teurere Kassen sollen darauf hinweisen müssen, wenn es günstigere Kassen gibt. dpa

Teurere Kassen sollen darauf hinweisen müssen, wenn es günstigere Kassen gibt.

BerlinDie rund 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen dürften Ende des Jahres schlagartig mit der Frage konfrontiert werden: Sollen sie die Kasse wechseln – oder bei ihrer bleiben? An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett die Finanzreform für die Kassen auf den Weg bringen. Beim geplanten Inkrafttreten Anfang 2015 dürften die Versicherten flächendeckend ein Sonderkündigungsrecht bekommen. Kommt das große Wechseln?

Ein schon fast vergessenes Instrument der Kassenfinanzierung erlebt mit der schwarz-roten Reform mit Macht eine Renaissance: der Zusatzbeitrag. Doch flattern nicht wie vor vier Jahren etwa von der DAK Aufforderungen zur Zahlung fester Euro-Beträge ins Haus – vielmehr wird es einen Zusatz-Beitragssatz geben. Der dürfte wohl alle Kassen-Mitglieder treffen – in unterschiedlicher Höhe.

Den normalen Beitragssatz will die Koalition von 15,5 auf 14,6 Prozent senken – Arbeitgeber und -nehmer sollen jeweils die Hälfte tragen. Ein heute alleine von den Kassenmitgliedern getragener Anteil von 0,9 Prozent soll entfallen. Somit entsteht sofort eine Lücke von rund elf Milliarden Euro. Zu ihrer Deckung können die Kassen dann vom Einkommen abhängige Aufschläge nehmen.

Was Versicherte in der GKV zahlen

System

In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Versicherte einen vorgegebenen Prozentsatz ihres Einkommens – und zwar bis zu einem Höchstbeitrag, der jährlich angepasst wird.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Einkommensgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung lag 2014 bei einem Einkommen von 4050 Euro, 2015 wird sie sich auf 4125 Euro im Monat erhöht.

Wechselgrenze

Zu unterscheiden sind Beitragsbemessungsgrenze und die Grenze für einen Wechsel in die PKV. Letztere ist höher gesetzt. Erst ab einem Monatseinkommen von 4575 Euro ist 2015 ein Wechsel in die PKV möglich. Bisher lag diese Verdienstgrenze bei 4462,50 Euro

Höchstsatz

Ein Kinderloser zahlte 2014 einen Höchstsatz von 15,5 Prozent. Das bedeutet bei einem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze eine monatliche Prämie von 610,31 Euro. 2015 zahlt der Versicherte dann 14,6 Prozent gesetzlichen Beitrag auf die neue Bemessungsgrundlage (602,25 Euro) plus einen Zusatzbeitragssatz x, den die Krankenkasse festlegt.

Pflegeversicherung

Neben der Krankenversicherung muss auch in die Pflegeversicherung eingezahlt werden. Der Satz beträgt ab 2015 2,35 Prozent. Das entspricht 96,94 Euro für alle, die an der neuen Beitragsbemessungsgrenze von 4.125 Euro verdienen. 2014 zahlte ein Kinderloser somit 720,90 Euro im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen.

Kinder

Wer Kinder hat, muss weniger in die Pflegeversicherung zahlen. Kinder sind zudem oft beitragsfrei in der Familienversicherung enthalten. In der PKV muss jedes Kind eine eigene Versicherung haben.

Selbstständige

Selbstständige ohne Anspruch auf gesetzliches Krankengeld zahlen etwas weniger, weil ihr Beitragssatz dann nur 14,9 Prozent beträgt. Insgesamt kommen sie 2014 auf 710,78 Euro.

Das wirft zwei Fragen auf, die Branche und Politik sehr umtreiben: Wie werden die einzelnen Kassen reagieren? Und was machen dann die Versicherten? Die magische Grenze ist 0,9 Prozent. Denn Kassen, die mit ihrem Zusatzbeitrag 2015 darüber liegen, verlangen dann mehr als heute – wer den Aufschlag darunter festlegt, nimmt weniger.

Genaue Prognosen hat niemand. „Wie hoch der Zusatzbeitrag ausfallen wird, hängt davon ab, wie wirtschaftlich eine Kasse arbeitet“, sagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). „Rund 20 Millionen Versicherte sind Mitglied einer Krankenkasse, die zurzeit mit einem niedrigeren Beitrag auskommt und ihre Mitglieder entlasten könnte.“ Klar ist: Andere müssen mehr zahlen als heute.

Wie reagieren die betroffenen Kassenmitglieder? Selbst glänzend dastehende Versicherungen wie die Techniker Krankenkasse dürften nach Erwartungen in der Branche einen geringen Zusatzbeitrag nehmen. Auch dieser löst dann schon das Sonderrecht zur Kündigung aus. Zwar darf man schon bisher die Kasse wechseln, aber 18 Monate ist man an sie gebunden. Und ein Sonderrecht zum Reformstart quasi für alle könnte vielen die Wechselmöglichkeit neu vor Augen führen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

24.03.2014, 08:45 Uhr

Offensichtlich ist vom Gesetzgeber ausschließlich der Wettbewerb über den Preis gewollt und nicht über die besten Leistungen. Folge: Die Kassen werden knausern und die Zeiten für Kranke härter. Der beste Kunde ist das junge, gesunde, gutverdienende Mitglied, um das sich die Kassen rangeln werden. Ist es gewollt, dass womöglich die Zeiten zurückkommen, in denen Kassen kostenintensive Mitglieder vergrault haben? Die einzigsten, die zufrieden sein können, sind die Arbeitgeber, denen mit der Festschreibung des Beitragsanteils ein großes Geschenk gemacht worden ist, während den Arbeitnehmern und freiwillig Versicherten mal wieder dreist in die Tasche gegriffen wird.

Account gelöscht!

24.03.2014, 11:08 Uhr

Der Beitragszahler als das Betriebsmittel zur Arbeitsorganisation der Kollektive!
Sozialismus ist eine totalitäre Zwangsgesellschaft die die Schwächsten ausbeutet.

diese Apparatschiks werden als sozialistisches Kollektiv geführt, (z.B. IKK Classic, Signal/Iduna, Bundesknappschaft – Pflegesystem, ARGE, Sozialapparat + Leiharbeitsgewerbe)
in der Art stalinistischer Kapitalismus (eine Art) schwärzester US Kapitalismus
bedeutet:
der Beitragszahler, der Patient, der Arbeitslose, der Hilfebedürftige sind nicht mehr,
als die Betriebsmittel für die Arbeitsorganisation der Kollektive!

Die Beitragszahler zahlen in die Krankenversicherung ein um dem Apparat deren Dasein zu ermöglichen – jede eingeforderte Leistung ist danach ein Verlustgeschäft für den Apparatschik!

Nicht mehr die bestmögliche Versorgung des Patienten steht im Mittelpunkt, um seine Produktivität zu erhalten sondern,
die denkbar billigste Versorgung, um die finanzielle Ausstattung des Kollektiv nicht zu schwächen (Plan).
Die Apparate dagegen sind gigantisch aufgebläht, sich selbst blockierend, um das Maß an Kontrolle und Minimaleismus verwalten zu können. (manischer Minimaleismus)

Der Krankenhausarzt – ein Sozialberuf der von der Arbeit mit dem Menschen lebt - hat heute von der 1 Stunde die er für den Patientenkontakt, die Arbeit des Arztes, benötigt,
noch ganze 8 Min. der Rest, 52 Min., gehen für unsinnige/idiotische Bürokratie drauf.

Die Krankenhäuser bei uns, in eines der führenden Industrieländer (noch?), mit den höchsten Kosten und finanziell bestens ausgestatteten KK, liegen im EU Vergleich auf dem 14 Platz (2010) mittlerweile, gleich hinter Tschechien aber noch vor Bulgarien – eine Versorgung im Ausland ist aber nicht möglich! (ein Monopol mit dem Zwang für die höchsten Kosten das schlechteste Ergebnis zu bezahlen – Marktwirtschaftliche Gesetze ausgehebelt - Stalinismus pur! (DDR Destruktivismus)

Niemand? gebietet dem Halt!
Hochverräter schon gar nicht – Marionetten sind das erkannte Problem

Account gelöscht!

24.03.2014, 11:26 Uhr

aber man ist ständig bemüth sein Niveau zu verbessern.

... zu diesem Stalinistischen Kollektiven (Stasi/Mafia) sind an erster Stelle zu zählen:
IKK Classic die Signal/Iduna als Privatversicherer und auch die Bundesknappschaft (bevor sie sich wieder „beschwert“)
die Kassen die auch im Vordergrund stehen,
bei den Straftaten – Verletzung Arzt/Apotheker-Geheimis sowie um diesen Generika-*fake *! ?

hier:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/.../v_detail_tab_comments/9049474.html

hier:
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/.../v_detail_tab_comments/8660706.html?pageNumber=2&commentSort=debate

und
http://www.heise.de/tp/foren/S-Massentierhaltung-Teil-I/forum-238143/msg-22457529/read/

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