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21.03.2012

12:30 Uhr

Neue Regelung

Altersvorsorge soll für Selbstständige Pflicht werden

Selbstständige sollen bald gezwungen werden, für das Alter vorzusorgen. Die Maßnahme gehört zum Regierungspaket gegen Altersarmut. Im Mai soll das Kabinett entscheiden.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen. dapd

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen.

BerlinBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will von Mitte nächsten Jahres an Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen. Damit soll auch in Deutschland nach dem Vorbild vieler anderer Länder die Absicherung fürs Alter obligatorisch werden. Das Vorhaben ist Teil des Paketes gegen Altersarmut, zu dem von der Leyen an diesem Donnerstag einen Gesetzentwurf zur Abstimmung mit den anderen Ressorts vorlegen will. Im Mai soll das Kabinett darüber entscheiden.

Nach den vorliegenden Eckpunkten für eine Altersvorsorgepflicht Selbstständiger sollen diese die Wahl haben, in welcher Form sie sich absichern: durch Lebensversicherungen, eine private oder die gesetzliche Rentenversicherung oder eine Rürup-Rente. Bei nicht ausreichender Absicherung sollen die Betroffenen automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.

Als ausreichende Vorsorge gilt den Eckpunkten zufolge eine Absicherung oberhalb der Grundsicherung im Alter. Diese staatliche Leistung beläuft sich derzeit im Bundesdurchschnitt auf knapp 700 Euro im Monat. Die dafür nötigen Zahlungen bei 45 Beitragsjahren werden mit monatlich 250 bis 300 Euro plus 100 Euro für den Schutz vor Erwerbsminderung angegeben.

Nach Expertenschätzung gibt es in Deutschland rund drei Millionen Selbstständige, die keinen verpflichtenden Alterssicherungssystemen angehören. Wie deren Altersvorsorge aussieht, ist unbekannt. Da nur eine Minderheit von Selbstständigen bislang zur Altersabsicherung verpflichtet sei, berge dies „die Gefahr eines erhöhten Armutsrisikos von Selbstständigen im Alter, sofern diese nicht rechtzeitig und ausreichend Vorsorge betreiben“, heißt es im Papier.

Derzeit sind gut zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland selbstständig. Das sind 4,3 Millionen. Davon haben 2,4 Millionen als „Solo-Selbstständige“ nur einen Auftraggeber. Sie sind meist nur unzureichend sozial abgesichert. 350.000 Freiberufler wie Ärzte und Rechtsanwälte sind in berufsständischen Versorgungswerken, knapp 600.000 Selbstständige sind in der gesetzlichen Rentenversicherung, etwa 170.000 Bauern in landwirtschaftlichen Alterskassen.

Die geplante Regelung soll für alle Selbstständigen gelten, die bei Inkrafttreten des Gesetzes jünger als 30 Jahre sind oder erst dann eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen. Für Selbstständige zwischen 30 und 50 Jahren sind abgeschwächte Regeln vorgesehen. Über 50-Jährige sollen von der Versicherungspflicht befreit sein - ebenso Selbstständige, die weniger als 400 Euro im Monat verdienen. Bei der neuen Vorsorgepflicht sollten die Selbstständigen „die größtmögliche Freiheit“ haben.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

21.03.2012, 13:07 Uhr

Ach, Frau von der Leyen, die jungen Leute kommen problemlos ab 16 Jahre in HARTZ4. Und wenn sie ihr Leben lang nicht arbeiten, müssen sie ab 63 Jahre anteilig an den Staat abgeben. DENKEN SIE DASS DIE JEMALS ARBEITEN WERDEN ??

Aber wenn man 35 Jahre gearbeitet hat mit Renteneinzahlung, ja dann soll sich das WEITERARBEITEN ab 63 lohnen - BIS MAN UMFÄLLT, was ??

Deutschland ist doch froh überhaupt noch ein paar ausgebildete alte Leute zu haben, die noch die Firmen am Laufen halten. Ansonsten ist es zappenduster auf dem Arbeitsmarkt - es werden nur noch faule und dumme gebraucht, die guten Arbeitsplätze sind abgewandert in die globalisierte Welt und einen intelligenten gut ausgebildeten Nachwuchs zu organisieren ist Deutschland einfach nicht zu in der Lage.

Selbstaendiger

21.03.2012, 13:10 Uhr

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, in welcher Form diese Altersabsicherung stattfinden soll. Selbständige sind in der Regel selbständig, weil sie Ihre Leben selber frei gestalten wollen. Ein Pflicht zur Altersabsicherung ist Nonsens. Es gibt sehr viel Wege sein Alter abzusichern, auch außerhalb der gestzlichen Rentenversicherung. Auch die "normale" Versicherungswirtschaft schiebt erst mal die Prämien für die ersten paar Jahre als Provisionen oder Bearbeitungskosten ein. Wenn es wirklich gute Angebote gibt, dann werden sicher viele Selbständige darauf eingehen.

Wefi

21.03.2012, 13:12 Uhr

Eigentlich braucht man den Menschen die sich im Laufe ihrer Selbstständigkeit etwas aufgebaut haben die Ernte ihrer Arbeit nach einer Betriebsaufgabe nur steuerfrei zur Verfügung stellen - dann wäre die Alterssicherung in vielen Fällen wahrscheinlich kein Problem. Aus den Erlösen der Betriebsaufgabe könnte dann die Eigenvorsorge gewährleistet werden. Leider schlägt der Fiskus gerade bei Betriebsaufgaben noch mal ganz ordentlich zu - und der Traum von der Altersvorsorge aus dem Betriebsvermögen hat sich erledigt. Vielleicht denkt Frau von der Leyen einmal über diese Möglichkeit nach?
Gruß
Wefi

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