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01.11.2012

13:50 Uhr

Neue Regelung für Organspenden

Kampf um verlorenes Vertrauen

Ja oder nein? In den nächsten Monaten müssen sich alle Bürger äußern, ob sie im Fall der Fälle Organe spenden würden. Doch zum Start der Reform ist die Unsicherheit groß.

Tricksereien bei der Vergabe von Spenderorganen haben viele Menschen verunsichert. dpa

Tricksereien bei der Vergabe von Spenderorganen haben viele Menschen verunsichert.

Innerhalb der nächsten zwölf Monate bekommen alle Bürger über 16 Jahren Post von ihrer Krankenversicherung: Mit dem Start der Organspende-Reform haben die Kassen nun ein Jahr Zeit, ihren Versicherten einen Organspendeausweis mit Informationen darüber zu schicken. Doch zum Start der neuen Regelung machen sinkende Spenderzahlen Ärzten und Politik Sorgen.

Im Oktober gab es deutschlandweit nur rund 60 statt wie üblich 100 Organspenden. Grund dürfte die Verunsicherung durch Tricksereien bei der Organvergabe sein. «In allen Regionen haben wir einen Rückgang bei den Organspendern außer in Baden-Württemberg», sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Birgit Blome. Bereits in den ersten drei Quartalen sei die Spenderzahl von 900 im Vorjahreszeitraum auf 829 gesunken. Nur im Südwesten stieg sie leicht von 87 auf 95.

Regierungsbeauftragter: "Organspende-Skandal wird viele Leben kosten"

Regierungsbeauftragter

"Organspende-Skandal wird viele Leben kosten"

Patientenbeauftragter fürchtet, dass wegen des Skandals, Spendenbereitschaft leide.

Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO, sagte im NDR, Angehörige von Verstorbenen hätten angegeben, wegen der Skandale das Vertrauen in das System verloren zu haben. In Kliniken in Göttingen, Regensburg und München soll es Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Techniker Krankenkasse will ihre 6,9 Millionen Versicherten bis Ende November mit einem Ausweis versorgt haben. Die meisten andere Kassen warten noch ab. Aus Branchenkreisen hieß es, das Zögern der meisten Kassen rühre von der Hoffnung her, das Thema werde bis dahin wieder positiver gesehen. Von den 12 000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte die Krankenkassen auf, ihre Versicherten möglichst schnell über das Thema aufzuklären. Vertrauen lasse sich nur zurückgewinnen, „wenn man jetzt offensiv aufklärt und informiert“, sagte Bahr am Donnerstag im Deutschlandfunk. Er sei guten Mutes, „dass wir in den nächsten Monaten und Jahren die Organspendebereitschaft verbessern können“. Dafür sei aber Aufklärung nötig.

Kommentare (17)

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Patient

01.11.2012, 14:30 Uhr

Wer garantiert mir denn, daß mich nicht ein geldgieriger Arzt füt tot erklärt, um einem solventen Patienten zu einem Spenderorgan zu verhelfen? Die Mafia vom Balkan und Sizilien bringt in Nordafrika Menschen um, um mit deren Organen zu handeln! in dritte Welt Ländern lassen sich Mensch gegen ein geringes Entgelt Spendernieren entnehmen! Was hat die Politik getan, um derart bestialische Praktiken zu unterbinden??? Wer soll da noch freiwillig einen Spenderausweis tragen?

Gast

01.11.2012, 14:48 Uhr

Und dann sage noch einer, dass "Der Sinn des Lebens" von Monty Python heute nicht mehr aktuell ist.

taxidriver

01.11.2012, 14:52 Uhr

Betrug im Organhandel wird man nicht verhindern können. Ich bin daher nur bereit zu spenden, wenn ich derjenige bin der für seine Organe Geld bekommt oder meine Angehörigen. Umsonst gibt es nichts. Gleiches gilt für die Blutspende. Ich würde spenden, wenn es Geld dafür gebe. Alternativ könnte man auch den Organbedarf reduzieren, z.B. durch Einhaltung von Verkehrsregeln und eine entschleunigte gesündere Gesellschaft.

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