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18.10.2011

15:56 Uhr

Neue Regulierung

Mehr Schutz gegen gierige Berater

Die Koalition will die Provisionen in der privaten Krankenversicherung deckeln und Abwerbungen begrenzen.

Die Logos führender Versicherer. dpa

Die Logos führender Versicherer.

Berlin, FrankfurtDie schwarz-gelbe Koalition will Fehlberatungen von Versicherungsvermittlern eindämmen. Als Hebel dafür sieht die Politik die Entlohnung der Berater. Deshalb habe man sich hier auf neue Regeln geeinigt, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Künftig dürfen die Versicherer ihren Produktverkäufern nicht mehr so viel zahlen und müssen Überweisungen zeitlich strecken.

Konkret geht es darum, Provisionen bei der Vermittlung in der privaten Krankenversicherung (PKV) zu deckeln und im Vertrieb von Lebensversicherern eine Stornohaftung einzuführen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Bereits morgen soll der Finanzausschuss die Reform verabschieden, die im Vorfeld von Vermittlerverbänden scharf kritisiert worden war. Die Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagerechts soll zum 1. April 2012 in Kraft treten, damit die Unternehmen Zeit haben, ihre Vermittlerverträge zu ändern.

Private Krankenversicherer dürfen künftig nur noch maximal 3,3 Prozent der Bruttobeitragssumme des vermittelten Vertrags als Provision gewähren. Diese Deckelung entspreche einer durchschnittlichen Abschlussprovisionen von neun Monatsbeiträgen, errechneten Experten. In der Spitze wurde in der Branche bisher wesentlich mehr gezahlt. Vermittler sprachen von bis 18 Monatsbeiträgen. Das hatte die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen.

Grund für die Auslobung hoher Prämien durch Krankenversicherer ist: Sie nutzen die Gier der Berater, um vor allem den direkten Konkurrenten Kunden abzujagen. Verbraucherschützer kritisierten, dies bringe oft wenig und belaste zuerst den Versicherten, weil er die Provision mit den ersten Beiträgen zahlen müsse.

Künftig müssen die Aufseher auch auf Nebenabreden für Vermittler achten. So sollen geldwerte Vorteile auf den zulässigen Höchstbetrag angerechnet werden. Im Ergebnis hat die Koalition damit jedoch im letzten Moment die zulässigen Abschlussprovisionen noch etwas erhöht. In früheren Entwürfen war eine Deckelung von acht Monatsbeiträgen vorgesehen.

Auch in der Provisionspraxis der Lebensversicherer soll sich etwas ändern. Bisher ist der Anreiz recht hoch, Kunden in den ersten Jahren des Versicherungsverhältnisses einen Wechsel zu einer anderen Versicherung zu empfehlen. Denn so kassieren Vermittler erneut Provisionen. Dies soll durch eine Stornohaftung bekämpft werden. Wenn schon ein Kunde wechselt, dann sollen die Versicherer dafür sorgen, dass der Vermittler dies spürt.

Kommentare (1)

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thomas.koerner@finanzcenterag.de

19.10.2011, 20:14 Uhr

Kanonen auf Vermittler…

Ist doch schön, wenn sich Politiker mal wieder als Verbraucherschützer darstellen können.

Die Realität ist jedoch, daß die übergroße Mehrzahl der Vermittler übliche PKV-Vergütungen von 4 - 8 Monatsbeiträgen erhält, wobei in einem Provisionssystem damit zugleich auch die Arbeitsleistung von vielen nicht zum Abschluß kommenden Verträgen mit vergütet wird.

Die hauptsächlich im Groß-Strukturvertrieb vorkommenden Auswüchse müssen zurecht beschnitten werden - dazu hätte jedoch die BAFin schon längst in Wahrnehmung ihrer Aufsichtfunktion und gestützt auf das VAG (VS-Aufsichtsgesetz) zur "Unterbindung von Mißständen" direkt ggü. den (wenigen) mit blinder Umsatzgier behafteten VUs per "Rundschreiben" und Verordnungen reagieren können.

Ebenfalls unterblieben ist bisher die Verpflichtung zu korrekter und verständlicher Information des PKV-Kunden:
a) beim Wechsel GKV - PKV verpflichtende Darstellung von künftig nicht mehr abgesicherten Leistungen und
b) beim Wechsel PKV - PKV zusätzlich ergänzt um die Info zum evt. Verlust von "Alt-Rechten" und insbes. von "Alterungsrückstellungen" (und dies in Form eines für den VN verständlichen €-Monatsbetrags).

Wirklich dem Schutz der Versicherteninteressen wäre es dienlich, wenn der Gesetzgeber die PKV-Unternehmen verpflichten würde, die kalkulierten Beiträge aller Tarife (also insb. auch die "nicht mehr verkaufsoffenen" oder vermeintlich "geschlossenen") für jedes Alter zu veröffentlichen.
Die vielen neuen Billigtarife hätten vor dem für den Verbraucher dann sichtbaren Hintergrund explodierender Alttarife des gleichen VU so wohl kaum eine Verkaufschance gehabt.

Thomas Koerner, Versicherungsmakler (Berlin)

Berlin, 19.10.2011

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