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23.10.2012

13:56 Uhr

Neue Studie

Jeder fünfte Deutsche leidet unter Armut

Den meisten Menschen hierzulande geht es finanziell recht gut. Immerhin vier von fünf Deutschen sind zufrieden mit ihrer Situation. Schlechter steht es um den Rest: Sie kämpfen mit Armut oder sozialer Ausgrenzung.

Gut fünf Prozent der Deutschen fühlen sich arm. dpa

Gut fünf Prozent der Deutschen fühlen sich arm.

Wiesbaden/Nürnberg
Fast 20 Prozent der Deutschen sind nach Einschätzung der Statistiker von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen - doch nur 5,3 Prozent fühlen sich tatsächlich arm und ausgegrenzt. Das ist das Ergebnis der Erhebung „Leben in Europa 2011“, für die in Deutschland rund 13 500 Haushalte befragt wurden.

Die Betroffenen könnten nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden. Sie können ihre Miete oder Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen, die Wohnung nicht ausreichend heizen, sich nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten oder nicht in Urlaub fahren.

Insgesamt sind nach Angaben der Statistiker rund 16 Millionen Menschen - jeder fünfte Einwohner Deutschlands - von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Dieser Indikator wurde aus der Armutsgefährdungsquote nach Einkommen, Erwerbstätigkeit und nach der eigenen Einschätzung der Befragten errechnet. Im vergangenen Jahr betrug dieser Anteil 19,9 Prozent - damit lag er um 0,2 Prozentpunkte höher als 2010.

Die wichtigsten Fakten zum Armuts- und Reichtumsbericht

Kinder

Das Risiko von Kinder, arm zu werden, ist dann am höchsten (60 Prozent), wenn sie in einem Haushalt ohne Verdiener aufwachsen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und nimmt Bezug auf den Armuts- und Reichtumsbericht. Auch Kinder Alleinerziehender haben ein hohes Risiko zu verarmen (55 Prozent), gefolgt von Ausländern (28 Prozent), berichtet die Zeitung.

Kinderbetreuung

Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr hat sich seit 2006 auf mehr als 500 000 verdoppelt. Auch werden doppelt so viele Grundschüler ganztags betreut. Trotz aller Verbesserung: Die eingesetzten Mittel für die frühkindliche Bildung und Betreuung von Kindern unter sechs ist im internationalen Vergleich "immer noch weit unterdurchschnittlich". Sie beliefen sich auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "In Ländern wie Dänemark oder Schweden beträgt dieser Anteil das Dreifache", heißt es in der Regierungsanalyse.

Bildung

In Deutschland sind die Bildungschancen von Kindern davon abhängig, was die Eltern gelernt haben und welches Haushaltseinkommen sie erzielen. Und: Für Analphabeten - mindestens 7,5 Millionen in Deutschland - wird nicht genug getan. Immerhin: nur noch 6,5 Prozent schafften 2010 keinen Schulabschluss. 2007 waren es noch 7,7 Prozent.

Minijob und Teilzeitstelle

Teilzeitstelle von bis zu 20 Wochenstunden, Minijob, befristeten Arbeitsverträge oder einer Anstellung als Leiharbeiter: Immer mehr Menschen arbeiten in einer solchen atypischen Beschäftigung. Der Anteil hat sich innerhalb on zehn Jahren von 20 auf 25 Prozent erhöht - und das auch noch auf Kosten normaler Arbeitsverhältnisse. Denn deren Zahl hat sich fast nicht verändert.

Ältere Menschen

"Die Einkommens- und Vermögenssituation der Älteren von heute ist überdurchschnittlich gut", heißt es in dem Bericht laut "Süddeutsche Zeitung". Nur 2,45 Prozent der über 65-Jährigen waren auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen. Als entsprechend niedrig gilt ihr Risiko, arm zu werden. Es liegt bei 14,7 Prozent, bei der Bevölkerung insgesamt bei 15,3 Prozent.

Arbeitsmarkt

Immerhin: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist seit 2007 um 40 Prozent auf im Jahresdurchschnitt 1,06 Millionen 2011 gesunken, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Besonders deutlichen Rückgang gibt es bei Zugewanderten. Zwischen 2008 und 2011 sei deren Erwerbstätigenquote "noch stärker gestiegen als die der Inländer". Auch habe sich die Zahl der hoch qualifizierten Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten kräftig von 1200 im Jahr 1998 auf 27 800 im Jahr 2011 erhöht.

Darin enthalten sind von Armut Bedrohte, deren Einkommen unter 952 Euro monatlich liegt - das sind 15,8 Prozent der Menschen in Deutschland. Außerdem wurden die Menschen einbezogen, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbstätigkeit leben: In 11,1 Prozent der Haushalte wird nur wenige Monate im Jahr Arbeitslohn bezogen. Armut lasse sich nicht allein an einer Einkommensschwelle festmachen, sagte Destatis-Expertin Silvia Deckl.

Der Indikator sage wenig aus, meint dagegen der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider. Er könne höchstens ein Signal sein. Wesentlich aussagekräftiger und objektiver sei die Armutsgefährdungsquote, die aus den Einkommen errechnet wird. Das Armutsrisiko in Deutschland sei seit 2005 etwa gleichgeblieben - die Gefährdungsquote liege seitdem bei etwa 15 Prozent. „Davon kommen wir nicht runter.“ Gründe seien deutlich zu niedrige Hartz-IV-Sätze und eine unzureichende Grundsicherung im Alter.

Frauen waren 2011 mit 21,3 Prozent häufiger von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen als Männer mit 18,5 Prozent. Die EU hatte den Indikator "Armut und soziale Ausgrenzung" neu eingeführt, um Fortschritte in der Sozialpolitik besser messen zu können. Er ist breiter aufgestellt als die sogenannte Armutsgefährdungsquote und umfasst weitere Faktoren. So fallen auch Haushalte in diese Kategorie, wenn sie mit "erheblicher materieller Entbehrung" zu kämpfen haben oder nur eine "sehr geringe Erwerbsbeteiligung" aufweisen.

Kommentare (11)

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Dildoking

23.10.2012, 14:24 Uhr

Lachmann auf geolitico erklärt's vernünftig. Nicht so ein blödes Gesülze!

sowirdsnichts

23.10.2012, 14:59 Uhr

Die Systemlinge wollen es nicht angehen! Armut ist keine Krankheit oder Mangel. Die Sozialisten freuen sich über jeden Armen, den sie, vermeintlich, subventionieren können.
Diese Subventionitis führt, fatal, zur allgemeinen Verschuldung und ökonomischem Niedergang Aller. Ach, wie sind wir sozial!!! Nur spielt dies der Finanzdiktatur wunderbar in die Hände. Sozialisten + Kommunisten sind Mehl aus dem gleichen Sack und die sogenannte Demokratie gleichfalls. Die oberen 1% sind aber genauso infam und menschverächtlich, nur aus anderer Strategie heraus.
Wann wird man mal über die Qualitäten des Menschen befinden und dann ein Geldsystem und ein wahre Direkte Demokratie einführen, daß all diese Mißwirtschaft, Mißpolitik, und Mißsozialität, Mißscheinheiligkeit und Mißleitung, kurz Mistmacht der herrschenden Gesellschaft ein Ende findet!? Nach 5000 Jahren, wäre es an der Zeit! Mensch!

Account gelöscht!

23.10.2012, 15:18 Uhr

+++Frauen waren 2011 mit 21,3 Prozent häufiger von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen als Männer mit 18,5 Prozent.+++

Das schreit ja geradezu nach einer Quotenregelung, jetzt liegen die Frauen vor den Männern und wieder sind sie unzufrieden. "Ironie aus"

Die Politik wird sagen alles nicht so schlimm das ist nur die gefühlte Armut aber die gemessene liegt viel niedriger, kennen wir schon von der Inflationsberechnung.

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