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28.09.2014

14:56 Uhr

Neue Vorschriften für Banken

Justizminister Maas will Dispozinsen transparenter machen

Dispozinsen sollen künftig auf der Internetseite jeder Bank veröffentlicht werden, fordert Justizminister Maas. Er will ausufernden Zinsen den Kampf ansagen und richtet eine Warnung an die Banken.

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Endlich runter mit dem Dispozins

Handelsblatt in 99 Sekunden: Endlich runter mit dem Dispozins

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BerlinIm Kampf gegen zu hohe Dispozinsen für Bankkunden will Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) die Geldhäuser zu mehr Transparenz zwingen. „Da bislang alle Mahnungen seitens der Bundesregierung nichts geholfen haben, werden wir jetzt ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Banken verpflichtet, ihre Dispozinssätze auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen“, sagte Maas der „Bild am Sonntag“. Vergleichsportale könnten dann für den Verbraucher „sehr nachvollziehbar machen, was er wo zahlt“, betonte der SPD-Politiker.

Auch sollen Banken Kunden, deren Konto dauerhaft im Minus ist, eine Beratung über alternative Finanzierungen anbieten müssen. Hohe Dispozinsen sind Verbraucherschützern schon seit langem ein Dorn im Auge. Wer ins Minus rutscht, muss im Extremfall Dispozinsen von bis zu 14,25 Prozent zahlen, wie ein vor kurzem veröffentlichter Vergleich der Stiftung Warentest für die Zeitschrift „Finanztest“ ergab.

Nach Ansicht der Tester müsste ein fairer Dispozins deutlich unter zehn Prozent liegen, denn die Banken selbst können sich Geld zu historisch niedrigen Konditionen leihen. In anderen Bereichen, zum Beispiel bei den Benzinpreisen gibt es bereits die Pflicht zur Meldung der Preise und damit zu mehr Transparenz für Autofahrer.

Fakten zum Dispozins

Was sind Dispo- und Überziehungszinsen?

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit – kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen bei den meisten Banken Überziehungszinsen an. Diese liegen oft noch mehrere Prozentpunkte höher.

Wo erfahren Bankkunden, wie hoch ihre Dispozinsen sind?

Banken sollten darüber unter anderem mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten informieren. Laut Stiftung Warentest machen aber einige Banken ein Geheimnis aus der Höhe des Dispozinses und lüften dieses erst im Kundengespräch. Eine Informationsquelle ist für Kunden der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es Internetseiten wie test.de/dispo, fmh.de oder biallo.de.

Wie hoch sind die Dispozinsen derzeit?

Nach Angaben von „Finanztest“ lag der durchschnittliche Dispozinssatz Anfang August 2014 bei 10,65 Prozent. Die Differenz zwischen dem günstigsten (4,9 Prozent) und dem höchsten Dispozinssatz (14,25 Prozent) betrug demnach jedoch fast zehn Prozentpunkte.

Was sind die Vor- und Nachteile von Dispokrediten?

Vorteil ist, dass eingeräumte Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen, sondern sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto; es gibt keine festen monatlichen Raten zur Rückzahlung. Nachteil ist die Zinshöhe. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

Wie können Bankkunden hohe Dispozinsen umgehen?

Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro einzurichten. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe des Dispozinssatzes verhandeln. Zudem gibt es spezielle Girokonto-Typen wie Kinderkonten, die als reine Guthabenkonten angeboten werden und nicht überzogen werden können. Die jungen Bankkunden können somit nicht ins Minus rutschen.

Gibt es Alternativen zum Dispokredit?

Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.

Die Stiftung Warentest hatte die Konditionen von 1504 Banken verglichen. Der günstigste Anbieter verlangte 4,9 Prozent. Im Schnitt zahlten Kunden zum Stichtag 1. August 10,65 Prozent. Diese Zahl weiche allerdings deutlich von dem Wert ab, den die Bundesbank mit 9,21 Prozent veröffentlicht habe, argumentierten die Banken.

Maas betonte: „Wenn eine Bank wirklich auf so hohe Dispozinsen angewiesen sein sollte, dann zweifle ich an deren Geschäftsmodell.“ Das geplante Gesetz werde es den Banken schwerer machen, zu hohe Dispozinsen zu verlangen, betonte der Verbraucherminister.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Werner Schuster

29.09.2014, 13:40 Uhr

Die Transparenz von Dispozinsen zu verbessern ist kaum noch möglich. Der Zinssatz steht im Preisaushang - auch im Internet und wird vierteljährlich auf dem Kontoauszug angedruckt. Vergleichen lässt sich die Zinshöhe leicht über das Internet. Hier herrst schon ein große Transparenz.
Das Aufbauschen des Themas ist m. E. reiner Populismus. Schön wenn man von wichtigen Dingen ablenken und planwirtschaftliche Preisregeln aufbauen kann.

Verbraucherschutz in Deutschland heißt leider immer mehr: Mehr Bürokratie ohne mehr Nutzen (Siehe Beratungsdokumentationen). Schade.

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