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24.09.2015

19:34 Uhr

Neuer BA-Chef

Weise will Asyl-Personal fast verdoppeln

3000 neue Mitarbeiter fordert Frank-Jürgen Weise. Damit will der neue Chef der Flüchtlingsbehörde Asylverfahren verkürzen. Das Personal will er bei der Bundesagentur für Arbeit rekrutieren – die er ebenfalls leitet.

Frank-Juergen Weise fordert 3000 neue Mitarbeiter. ap

Chef von BA und Flüchtlingsbehörde

Frank-Juergen Weise fordert 3000 neue Mitarbeiter.

BerlinMit 3000 neuen Mitarbeitern will der neue Chef der obersten deutschen Flüchtlingsbehörde für schnellere Asylverfahren sorgen. Dies habe Frank-Jürgen Weise, der neben seiner Aufgabe als Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) leiten soll, am Donnerstagabend beim Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt angekündigt, erfuhr Reuters aus Teilnehmerkreisen. Das zusätzliche Personal wolle Weise aus der BA rekrutieren. Die Mitarbeiterzahl des BAMF würde sich den Angaben zufolge von 3300 auf 6300 nahezu verdoppeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Teile ihres Kabinetts und die Regierungschefs der 16 Bundesländer waren gegen 17.00 Uhr im Kanzleramt zusammengekommen. Hauptstreitthemen sind die Kosten der steigenden Flüchtlingszahl wie auch Verschärfungen im Asylrecht und Einschränkungen bei der Versorgung von Flüchtlingen. Über Details der Finanzierung wurde weiter gerungen. Eine Arbeitsgruppe aus Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und den drei Ministerpräsidenten Horst Seehofer (Bayern), Volker Bouffier (Hessen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) wie auch dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz tagte in einem Nebenraum, verlautete aus Verhandlungskreisen.

Aus Länderkreisen hatte es zuvor geheißen, Schäuble und die Länderchefs hätten sich vorab bereits verständigt. Demnach würde der Bund für Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen und Monat 670 Euro zahlen. Zusammen mit anderen Zahlungen komme der Bund für 2016 damit auf eine vorläufige Abschlagszahlung von etwa 4,1 Milliarden Euro. Das wäre rund eine Milliarde mehr als bisher vom Bund angeboten. An anderer Stelle hieß es, alles sei noch offen: "Sicher ist nur die eine Milliarde Euro mehr in 2015."

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Von

rtr

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