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16.03.2012

14:28 Uhr

Neuer Bundespräsident

Wirtschaft freut sich auf Gauck

VonDietmar Neuerer

ExklusivJoachim Gauck kann bei der Bundespräsidenten-Wahl mit einer großen Mehrheit rechnen. Spannender wird sein, was er in seiner ersten Ansprache sagen wird. Die Erwartungen an ihn sind hoch – auch in der Wirtschaft.

Joachim Gauck. dapd

Joachim Gauck.

BerlinDie deutsche Wirtschaft setzt große Hoffnungen auf den Favoriten für die Bundespräsidentenwahl, Joachim Gauck. „Er ist ein Fürsprecher der sozialen Marktwirtschaft. Das verbindet ihn mit vielen Unternehmern, die den ehrbaren Kaufmann aktiv leben. Hierauf kann ein fruchtbarer Dialog mit der Wirtschaft aufsetzen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, Handelsblatt Online. „Ich freue mich auf die Begegnungen mit Herrn Gauck.“

Driftmann nannte es zudem ein „gutes Signal“, dass CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne sich so schnell auf Gauck als überparteilichen Kandidaten für das höchstes Staatsamt in Deutschland einigen konnten. Er würdigte Gauck als eigenständigen, durchaus auch kritischen Kopf mit „spannenden, auf Lebenserfahrung gestützten Überzeugungen“. Freiheit und Verantwortung seien für „ihn untrennbar miteinander verbunden“, so der DIHK-Chef.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, erhofft sich von Gauck Impulse für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. „Sein Beitrag zur Gestaltung des öffentlichen Raums liegt in der klugen Ansprache jener Probleme und Herausforderungen, die über das Tagesgeschäft hinausgehen und tiefer in der gesellschaftlichen Seelenlage verankert sind“, sagte Hüther Handelsblatt Online. „Die von Joachim Gauck intonierte Frage, wie wir mit dem hohen Gut der Freiheit verantwortlich umgehen, halte ich für zentral“, fügte der IW-Chef hinzu. Denn die Fragen der Gerechtigkeit und des sozialen Ausgleichs, aber auch der Umgang mit den erlebten Krisen werde nicht angemessen und konsistent gelingen, wenn die Rolle des einzelnen im öffentlichen Raum nicht von seiner grundsätzlichen Freiheitsberechtigung und der dazu gehörenden Freiheitsverpflichtung der Staates her gedacht werde.

Das Leben des Joachim Gauck

Neuer Alltag

Joachim Gauck ist auf Empfängen, Eröffnungen und Benefizveranstaltungen ein gern gesehener Gast. Ein schnöder Alltag? Nein, denn der Bundespräsident interpretiert seine Rolle offensiv. Seine Äußerungen zum Islam, Deutschlands Rolle in der Welt und zur Linkspartei haben hitzige Debatten entfacht.

Neue Wohnung

Das Staatsoberhaupt Deutschlands wohnt in der Präsidentenvilla in Berlin-Dahlem. Im Schloss Bellevue gibt es keine Wohnung mehr. Dort ist nur der offizielle Amtssitz des Präsidenten. Zuvor lebte Gauck viele Jahre in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Neuer Beruf für die Lebensgefährtin

Daniela Schadt arbeitet seit Gaucks Ernennung zum Bundespräsidenten nicht mehr. Die 52-Jährige war zuvor als Journalistin tätig und lebte in Nürnberg. Dort war sie Leitende Politikredakteurin bei der „Nürnberger Zeitung“. Als First Lady ist sie oft an Gaucks Seite zu sehen.

Scheidung und Heirat?

Dazu müsste sich Gauck erst einmal von seiner Frau Gerhild scheiden lassen, mit der er seit 1959 verheiratet ist und vier Kinder hat. Seit 1991 leben beide getrennt, seit dem Jahr 2000 ist Gauck mit Daniela Schadt zusammen. „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt“, sagte sein Sohn Christian kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Hierzulande dürfte seine Art des Zusammenlebens heute nun wirklich kein Problem mehr sein, aber als Präsident kommt er auch in Länder, in denen andere moralische Maßstäbe gelten.“

Wichtigster Mitarbeiter

David Gill ist Staatssekretär und Chef des Präsidialamtes. Damit ist er der wichtigste Mitarbeiter des Präsidenten. Der bisherige Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche ist seit seiner Zeit als erster Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde ein enger Vertrauter Gaucks. Gill ist SPD-Mitglied.

Neuer Bürgerpräsident

Mit dem Pastor ist ein neuer Stil im Schloss Bellevue eingezogen. Auch wenn das Korsett für das Staatsoberhaupt eng is, spiel Gauck seine Karte als „Bürgerpräsident“ aus. „Ich bin nicht mal gewaschen“, sagte der 72-Jährige, als er am Abend seiner überraschenden Nominierung mit der Kanzlerin vor die Kameras trat. Seinem Sohn Christian war das peinlich. „Aber so ist er, ungeschminkt, ungefiltert“, sagte der Hamburger Arzt der „FAS“.

Aus Hüthers Sicht kann Verantwortung in keiner Gesellschaft ausreichend nur als Selbstverantwortung gedeutet werden, es bedürfe auch der Mitverantwortung für das Gemeinsame. „Das Werben dafür wird nicht sinnlos, nur weil Menschen in sozialer Bedürftigkeit leben“, unterstrich der Ökonom. Ihnen die Verantwortungsfähigkeit abzusprechen, sei aber anmaßend. „Insofern bin ich voller Hoffnung, dass der Präsident Joachim Gauck genau die erforderlichen Impulse setzt.“

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

16.03.2012, 15:14 Uhr

Hoffentlich sagt er 'was zur Gängelung der Gesellschaft und insbesondere der Unternehmen durch den feministischen Gender-Wahn, der weder mit Leistung noch mit Freiheit zu tun hat, sondern eher mit Denkverboten, Wettberwerbsbeschränkungen usw. wie man es so alles aus der DDR kennt, in der das Volk auch gegängelt wurde bis zum Abwinken.

schnitzmeister-waren-am-werk

16.03.2012, 15:32 Uhr

es war bis zu seiner morgigen wahl für die eigentlich mächtigen genügend zeit, sich diesen herrn in ihrem sinne gehörig zurechtzuschnitzen.

Account gelöscht!

16.03.2012, 16:21 Uhr

Mit dem was ich so von Gauck weiß, glaube ich das es spannend wird. Gauck wird bestimmt kein bequemer Bundespräsident. Ich habe letzthin über ihn in diesem Blog einen sehr interessanten Beitrag gelesen:
http://www.onkel-heiner.de/

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