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04.01.2012

08:29 Uhr

Neuer Chefvolkswirt

Draghis EZB-Coup für Merkel „peinliche Schlappe“

Deutschland muss sich von dem Gedanken verabschieden, immer den Posten des EZB-Chefvolkswirts zu besetzen. Dass ein Belgier künftig den Spitzenjob übernimmt werten die Grünen als Niederlage für Merkel.

Merkel und Dragi. dapd

Merkel und Dragi.

Berlin/FrankfurtDie Grünen sehen in der Berufung des Belgiers Peter Praet zum neuen EZB-Chefvolkswirt anstelle des Deutschen Jörg Asmussen eine Niederlage für Schwarz-Gelb. „Für die Bundesregierung ist das eine peinliche personalpolitische Schlappe“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, der „Rheinischen Post“.

„Der Versuch der Bundesregierung, das Amt des EZB-Chefvolkswirts als eine Art Erbhof zu betrachten, ist gründlich gescheitert“, sagte Schick. Eine Richtungsentscheidung sei mit der Ressortverteilung in der EZB aber wohl nicht gefallen. Dagegen sieht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die EZB nun gut gerüstet für die Zukunft. „Der neue Aufgabenzuschnitt im Direktorium der EZB ist eine ausbalancierte Entscheidung“, erklärte Schäuble am Dienstagabend. „Die EZB ist für die anstehenden Herausforderungen personell gut aufgestellt.“

Erstmals ist der renommierte Posten künftig nicht mit einem Deutschen besetzt. Der 62 Jahre alte Währungsfachmann Praet tritt die Nachfolge von Jürgen Stark an, der aus Protest gegen die Staatsanleihenkäufe der Notenbank und die Entwicklung der Währungsunion vorzeitig gegangen war. Eigentlich galten der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoît Coeuré als aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, kritisierte das Personaltableau scharf. „Ein Franzose kümmert sich um die Staatsanleihenkäufe, ein Belgier bekämpft die Ursachen der Überschuldungskrise, ein deutscher Sozialdemokrat überwacht die Vereinbarungen der Troika, ein Portugiese ist Vizepräsident und ein Italiener ist der Chef von allem, und alle kommen aus dem gleichen Taubenschlag“, schrieb der Liberale auf seiner Facebook-Seite mit Blick auf die geldpolitische Ausrichtung der neuen EZB. Für ihn sind demnach die Verantwortlichen in der Zentralbank so genannte Tauben, die anders als die „Falken“ beim Thema Preisstabilität ein Auge zudrücken, um mit niedrigen Zinsen die lahmende Konjunktur

in Schwung zu bringen.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

04.01.2012, 08:41 Uhr

Ich denke es wäre gut und konsequent,wenn die Länder deren Vertreter das Sagen haben auch die Zeche bezahlen würden.

Bmehrens

04.01.2012, 09:22 Uhr

Neuer Job für Asmussen: EZB-Frühstücksdirektor

Account gelöscht!

04.01.2012, 09:23 Uhr

Wer ist Gerhard Schick?

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