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19.04.2011

12:35 Uhr

Neuer EZB-Chef

Schäuble stellt sich hinter „Super-Mario“ Draghi

VonSven Afhüppe, Daniel Goffart, Marietta Kurm-Engels, Katharina Kort

ExklusivOffiziell ist nichts entschieden. Aber hinter den Kulissen signalisiert Bundesfinanzminister Schäuble Unterstützung für Mario Draghi als neuen EZB-Chef. Ist damit der Weg frei für Italiens Notenbankchef?

Italiener und Ex-Goldman-Sachs-Banker: Draghis größtes Manko ist seine Herkunft. Quelle: Reuters

Italiener und Ex-Goldman-Sachs-Banker: Draghis größtes Manko ist seine Herkunft.

Berlin/Frankfurt/MailandIm Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet hat sich Finanzminister Schäuble hinter den Kulissen nach Handelsblatt-Informationen auf den italienischen Notenbankchef Mario Draghi festgelegt. Damit steigen Draghis Chancen, im November den Chefsessel der Notenbank zu erklimmen. Im Gespräch mit Vertrauten im Finanzministerium und Bundesbank-Führungskräften hat Schäuble Draghi in den höchsten Tönen gelobt: "Schäuble schätzt Draghis guten Ruf als Notenbanker, seine Integrität und Persönlichkeit", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter dem Handelsblatt.

Nach dem angekündigten Rückzug Axel Webers von der Bundesbankspitze und seiner Ankündigung, er stehe nicht für den EZB-Chefposten zur Verfügung, sucht Schäuble nach einem Ersatzkandidaten, der die deutsche Stabilitätskultur an der EZB-Spitze vertreten kann. Schäubles Wahl setzt auf Draghi, weil Draghi stets betont, wie wichtig Preisstabilität und die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik sind. In dem instabilen geldpolitischen Umfeld in Italien hat Draghi seine Unabhängigkeit bereits bewiesen. Und wahrscheinlich wäre gerade ein Südländer wie Draghi gut geeignet, den Schuldenstaaten Griechenland, Spanien und Portugal die deutsche Stabilitätskultur beizubringen.

Draghis Chancen steigen auch, weil neben Schäuble auch andere Euro-Finanzminister wie Frankreichs Christine Lagarde den Ex-Banker von Goldman Sachs an der EZB-Spitze sehen wollen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy empfing den Italiener kürzlich sogar zu einem Vier-Augen-Gespräch.

Einzig Kanzlerin Angela Merkel bleibt Draghi gegenüber weiter skeptisch. "Ein Südeuropäer wäre kein gutes Signal", hieß es im Umfeld des Kanzleramts mit Blick auf die Trichet-Nachfolge. Wegen der wachsenden Sorgen der Deutschen um die Stabilität des Euros sei ein Italiener "innenpolitisch schwer erklärbar". Mit Webers Verzicht steht Deutschland allerdings ohne Bewerber für das EZB-Spitzenamt da. "Es gibt keinen allgemein akzeptablen Kandidaten", heißt es in Berlin.

Im Rennen um die Nachfolge läuft der Kanzlerin die Zeit davon. Schon bei ihrem nächsten Treffen Ende Juni wollen die EU-Staatschefs entscheiden, wer Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank beerben soll. Draghis Chancen im Rennen um den Chefsessel sind mit Schäubles Rückendeckung nun gestiegen.

Kommentare (7)

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simon

19.04.2011, 13:21 Uhr

Draghi ist ein Goldman-Alumni....da ist es mir herzlich egal, ob er Italiener ist.

Draghi wird mit "mark-to-fantasy" weitermachen, und wie sein Vorgänger Trichet die Karre seelenruhig an die Wand fahren lassen. Und die deutschen werden auf den Italiener schimpfen, und dabei den Goldman in Draghi völlig vergessen. Wunderbar, wir zahlen schliesslich immer noch niedrige Zinsen, warum dann nicht noch mehr Kreditjunkies und Dealer retten? Draghi ist auf jeden Fall der Mann dafür, den letzten Rest von Solvenz aus der EURO-Zone in die Taschen von Privaten zu lenken.

Schliesslich lernt man bei GS nichts anderes.... Ausser vll, vollkommen schwachsinnige Top- und Bottom-calls zu veröffentlichen....

Zahlmeister

19.04.2011, 14:17 Uhr

Was spielt es noch für eine Rolle, ob ein Südeuropäer oder jemand von Merkels Hofschranzen auf den Sessel gehoben wird ? Es geht nur noch um Zeitgewinn für die Großen und um Verarschung und Ausraubung des Volkes !

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19.04.2011, 14:27 Uhr

DANKE!

Herr Schäuble hat somit einen Platz in der Geschichte sicher!

Als größter Verräter am deutschen Volke in diesem noch jungen Jahrhundert. Lehrbuchmäßig wird hier ein Fehler nach dem anderen begangen. Im sinne Europas? Mit nichten! Alle Entscheidungen müssen früher oder später in den Untergang des politisch gewollten "Europa Land" münden.

Herr Schäuble bezahlt diesen Untergang mit dem Wohlstand das sich Deutschland über mehr als 60 Jahre aufgebaut hat, und nun nach nicht einmal 10 Jahren Euro wieder abgeben muss...

Die Frage die sich mir nun stellt: Ende der Europa Traum mit einem Krieg, oder können sich die einzelnen Staaten friedlich auf eine Rückführung der Nationalstaaten einigen?

Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende...

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