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21.01.2005

07:00 Uhr

Neuer Familienatlas zeigt Defizite auf

In Süddeutschland leben Familien am besten

VonPeter Thelen

Richtig gut geht es in Deutschland Familien nirgendwo. Das geht aus dem „Familienatlas 2005“ hervor, den Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) gestern in Berlin vorlegte.

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt liest im Familienatlas 2005. Foto: dpa

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt liest im Familienatlas 2005. Foto: dpa

HB BERLIN. Am besten leben sie jedoch noch im Süden der „kinderentwöhnten Republik“ (Schmidt). Denn in Städten wie Göppingen, Heilbronn und Hanau ist die Arbeitslosigkeit niedrig, es gibt viele Ausbildungsplätze, die Straßen sind sicher und die Kriminalitätsraten sind gering – alles Faktoren, die die Prognos-AG zur Bewertung heranzog. Sie hat den Vergleich der 439 Kreise und kreisfreien Städte in Kooperation mit dem Ministerium und der Wochenzeitung „Die Zeit“ erarbeitet.

Download: Die Studie als PDF-Datei (über 4 MB)
Links: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Prognos

„Doch was fehlt, sind Einrichtungen zur Betreuung von Kindern“, moniert Prognos-Experte Mathias Bucksteeg. Das hat auch damit zu tun, dass die Regionen, in denen es sich als familie gut wohnen lässt, oft nur Schlafstädte für Pendler sind. Insgesamt blieben sie daher hinter ihrem Entwicklungspotenzial zurück. Städte wie Regensburg, Passau und Heidenheim, gleichfalls im Süden angesiedelt, sind klassische Mittelstandsregionen. Dort ist die traditionelle Familienwelt noch in vermeindlicher Ordnung: Der Vater geht schaffen und verdient als Facharbeiter überdurchschnittlich viel Geld, die Frau hütet die Kinder.

Für die demographische Zukunft sind diese mittelständisch strukturierten Gemeinden der Prognos-Analyse zufolge aber nicht gerüstet: Denn ihr hohes Wohlstandsniveau könnten sie nur halten, wenn sie auf den sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel reagierten, indem sie durch mehr Betreuungsangebote Spielraum für eine höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen schaffen. Dies gilt genau so für die 92 Kreise und Städte vor allem im Norden und Westen der alten Länder wie Mettmann und Gütersloh. Frauen finden in diesen Städten, die meist einen eher erfolgreichen Strukturwandel hinter sich haben, keine Jobs, die Jungen ziehen weg.

In punkto Kinderbetreuung sind die neuen Länder bekanntlich Weltmeister. Die Entscheidung zum Kind scheitert jedoch an fehlenden ökonomischen Perspektiven. Die Menschen wandern ab. Doch gibt es auch im Osten insgesamt 63 Inseln, „Refugien“ für Familien, in denen sich nach oben zeigende ökonomische Perspektiven mit einer besonders guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbinden. Dies schlägt sich schon heute in einer hohen Erwerbsbeteiligung der Frauen nieder.

Familienpolitisch riskant leben Single-Städte wie München und Frankfurt. Sie sind oft nur Durchgangsstationen zur Ausbildung. Familien werden woanders oder gar nicht gegründet. Bei Städten wie Herne und Köln schrecken zusätzlich sinkender Wohlstand und hohe Kriminalität Familien ab oder lassen den Wunsch zum Kinderkriegen erlahmen.

Patentrezepte zur Lösung der Probleme gebe es nicht. Doch böte die Prognos-Analyse Ansatzpunkte für maßgeschneiderte Initiativen, sagte Ministerin Schmidt. Sie warnte davor, den Atlas als Ranking-Liste der Familienfreundlichkeit in Deutschland misszuverstehen. Ihrer vor einem Jahr gestarteten Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ haben sich inzwischen 120 Regionen mit 17 Mill. Menschen angeschlossen.

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