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10.10.2013

21:36 Uhr

Neuer Leistungsvergleich

Schüler in Ostdeutschland können besser rechnen

Bei Schulvergleichen lagen bisher meist die süddeutschen Bundesländer vorn. Diesmal ist es der Osten. Naturwissenschaften und Mathematik galten von je her als besondere Domäne der DDR-Schulen.

Schüler mit Taschenrechner: Die Länder in Ostdeutschland schneiden im neuen Schulleistungsvergleich besser ab als die im Westen. dpa

Schüler mit Taschenrechner: Die Länder in Ostdeutschland schneiden im neuen Schulleistungsvergleich besser ab als die im Westen.

BerlinBeim neuen Schulleistungsvergleich der Bundesländer in Mathematik und Naturwissenschaften hat Ostdeutschland klar die Nase vorn. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Donnerstag erzielen im Westen durchgängig nur Bayern und Rheinland-Pfalz Leistungswerte über dem Bundesdurchschnitt, im Einzelfall auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Der neue Vergleich soll an diesem Freitag von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin offiziell vorgestellt werden. An dem neuen Schultest hatten sich über 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen beteiligt. Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten dafür im Mai und Juni 2012 mehr als 1.300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht.

Was Schüler in der neunten Klasse können sollen

Was wurde diesmal getestet?

Es ging um die Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) – und zwar über alle Schulformen hinweg. In Mathematik wurden sechs Kompetenzformen aus dem gesamten Spektrum mathematischen Arbeitens untersucht, wie „Probleme mathematisch lösen“ aber auch „Raum und Form“ sowie „Daten und Zufall“. In den Naturwissenschaften ging es vor allem um Grundbildung, aber auch um fachübergreifendes Problemlösen.

Was ist die Basis für die Testaufgaben?

Die Aufgaben wurden auf der Grundlage der von den Kultusministern für alle Bundesländern verbindlich eingeführten Bildungsstandards für diese Fächer entwickelt – unter Mitwirkung von Schulpraktikern. Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll. Sie gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe und haben damit die zuvor in allen Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne abgelöst.

Wie läuft so ein Test ab?

Die Untersuchung fand vormittags in der Schule statt und dauerte jeweils etwa dreieinhalb Zeitstunden (inklusive Pausen). Hinzu kamen anschließend Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleiter über die Lernbedingungen.

Welche Schulleistungs-Untersuchungen gibt es noch?

Der „Klassiker“ ist die weltweite PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Des weiteren gibt es noch die internationale IGLU-Grundschulstudie und die internationale TIMSS-Untersuchung mit den Schwerpunkten Mathematik und Naturwissenschaften – sowohl für die Grundschule als auch für die achten Klassen. Allerdings haben die Kultusminister bei PISA und IGLU die zuvor üblichen Bundesländervergleiche gestoppt. Deutschland macht zwar bei den internationalen Studien weiter mit, aber nur noch mit einer kleineren nationalen Stichprobe – etwa 5000. Dies ermöglicht kein Bundesländer-Ranking.

Was war der Grund für den deutschen Stopp?

Darüber lässt sich nur spekulieren: Die Kultusminister können die politisch brisanten Bundesländervergleiche auf der Basis ihrer eigenen vereinbarten Bildungsstandards sicherlich besser steuern. Auch das IQB arbeitet im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Zuvor war es vor allem mit den internationalen PISA-Forschern der OECD wegen der ungünstigen deutschen Chancengleichheitswerte und der Schulstrukturfrage immer wieder zu Konflikten bei der Interpretation von Daten gekommen.

Wie sind die innerdeutschen Ergebnisse diesmal zu interpretieren?

Überraschend ist, dass neben allen ostdeutschen Ländern diesmal aus dem Westen nur Bayern und Rheinland-Pfalz durchgängig gut abschneiden. Mathematik und Naturwissenschaften waren eine Domäne der DDR-Schulen. Auf die Fachlehrerausbildung legte man hier besonderen Wert. Auch spielen die Naturwissenschaften auf den Stundentafeln der ostdeutschen Schulen heute noch eine größere Rolle als im Westen.

Was wurde noch ermittelt?

Die Studie belegt erneut die erschreckend hohe Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Neuntklässler aus der Oberschicht haben gegenüber Gleichaltrigen aus bildungsfernen Schichten einen Lernvorsprung in Mathematik von fast drei Schuljahren.

Welche Kritik gibt es an den Bundesländervergleichen?

Bildungsexperten raten seit Jahren, nicht ganze Bundesländer miteinander zu vergleichen, sondern besser Regionen mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen und Problemlagen. Also etwa Berlin mit dem Ruhrgebiet, wegen der hohen Ausländerquoten unter den Schülern, oder ländliche Gebiete im Osten Deutschlands mit denen im Westen, wegen Abwanderung und Bevölkerungsrückgang.

Untersuchungsschwerpunkte waren diesmal Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik). Basis für die Aufgaben waren die von den Kultusministern für alle Bundesländer verbindlich eingeführten Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll und gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe. Damit wurden die alten, in den Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne an den Schulen abgelöst.

Seit 2009 lassen die Kultusminister die Schulleistungen in den einzelnen Bundesländern in einer Regie testen - abwechselnd in der 4. Grundschulklasse und in der 9. Jahrgangsstufe der Sekundarstufe I. Bei den Tests in den 9. Klassen sind alle Schulformen beteiligt (Gymnasium, Gesamtschule, Haupt- und Realschule, Gemeinschaftsschule).

Kommentare (33)

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Eiger

10.10.2013, 23:08 Uhr

Wenn man sich die Bevölkerungsstruktur in den neuen Bundesländern anschaut verhält es sich ähnlich wie bei allen ähnlichen Studien, bei denen Finnen, Japaner oder Koreaner vorneliegen.

Finnland:
Finnen 93%, Schweden 6%, Samen 0.11%, Roma 0.12%, Tatar 0.02%
Japan:
Japaner 99%, Andere 1% Koreaner 511,262, Chinesen 244,241, Brasilianer 182,232, Filipino 89,851, other 237,914); Anmerkung: bis zu 230,000 Brasilianer Japanischer Abstammung sind in den 1990ern nach Japan zur Arbeit migriert
Korea:
homogeneous (except for about 20,000 Chinese)
Deutschland:
Deutsche 91,5%; Türken 2,4%; Sonstige (vor allem Griechen, Italiener, Polen, Russen, Serbo-Kroaten, Spanier) 6,1%
Italien:
Italiener 94,1%; Sarden 2,7%; Sonstige 3,2%
Großbritannien:
Engländer 81.5%, Schotten 9.6%, Iren 2.4%, Waliser 1.9%, Nordiren 1.8%, West Indians, Inder, Pakistani, Andere 2.8%

http://www.lexas.de/europa/finnland/index.aspx

Account gelöscht!

11.10.2013, 00:50 Uhr

Vielleicht liegt es auch einfach daran, daß dort der Anteil an Migranten niedriger ist?

Hein_Bloed

11.10.2013, 06:09 Uhr

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