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14.07.2014

06:05 Uhr

Neuer Name für FDP-Stiftung

„Friedrich Naumann war kein Liberaler“

VonDietmar Neuerer

ExklusivWie kommt die FDP aus der Krise? Eine Umbenennung der Partei lehnt ihr Chef Lindner ab. Der eurokritische Liberale Schäffler rät zu einer Profil-Erneuerung und will damit bei der parteinahen Stiftung anfangen.

Quo vadis FDP? Kann ein neuer Name für die Parteistiftung helfen, die Liberalen aus der Krise zu führen? ap

Quo vadis FDP? Kann ein neuer Name für die Parteistiftung helfen, die Liberalen aus der Krise zu führen?

BerlinAngesichts der Krise seiner Partei hat sich der eurokritische FDP-Politiker Frank Schäffler für eine Schärfung des liberalen Profils ausgesprochen und dafür als ersten Schritt die Umbenennung der Friedrich-Naumann-Stiftung vorgeschlagen. Die „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ solle auf den Namen Friedrich Naumanns verzichten und sich lediglich „Stiftung für die Freiheit“ nennen. „Naumann war mindestens Sozialist und Militarist, aber mit Sicherheit kein Liberaler“, sagte Schäffler Handelsblatt Online.

Schäffler empfahl seiner Partei die Denktradition der Linksliberalen um Eugen Richter und Hermann Schulze-Delitzsch aufzugreifen, „um daraus eine unverwechselbare Agenda zu entwickeln, die sie von Konservativen und Linken gleichermaßen unterscheidet“. „Gerade Schulze-Delitzsch hat mit der Gründung der Genossenschaftsbewegung gezeigt, wo der methodische Weg für die FDP hingehen muss: zu einer Graswurzelbewegung aus praktizierter Selbsthilfe statt einem immer mehr umverteilenden Wohlfahrtsstaat“, sagte Schäffler. „Den wollen bereits alle anderen Parteien in diesem Land.“

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung wurde am 19. Mai 1958 im Hause des damaligen ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss gegründet. Ihr Name erinnert an den Theologen, Sozialpolitiker und Publizisten Friedrich Naumann (1860-1919).

Schäffler ist überzeugt, dass Naumann die falsche Persönlichkeit ist, um für das zu stehen, was die die Liberalen künftig ausmachen sollte. In seinem Newsletter, den er wöchentlich auch an zahlreiche FDP-Mitglieder verschickt, stellt er fest, dass inzwischen selbst die Stiftung den Namen Friedrich Naumanns in ihrem Namenszug „geradezu versteckt“ und klein halte, weil sie ihren Publikationen den Zusatz „Für die Freiheit“ voranstelle.

Logo der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Logo der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Doch konsequent sei dies nicht, bemängelt Schäffler. „Konsequent wäre es, wenn die FDP und die Stiftung mit der Tradition und dem Namen eines Friedrich Naumann rigoros brechen würde und sich nicht auf denjenigen besinnt, der „besoffen“ durch die Zeit torkelte, sondern stattdessen auf Personen in ihrer Geschichte schaut, die für einen konsequenten Liberalismus standen.“ Natürlich sei Naumann auch ein Kind seiner Zeit gewesen, räumt Schäffler ein. „Doch es wäre zu einfach, die Entwicklung Deutschlands und des deutschen Liberalismus damit zu entschuldigen.“

Kommentare (1)

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14.07.2014, 09:04 Uhr

"(FDP solle)...zu einer Graswurzelbewegung aus praktizierter Selbsthilfe statt einem immer mehr umverteilenden Wohlfahrtsstaat“, sagte Schäffler."
Aber auch wie bei den anden Parteien ist nicht mehr Geschwätz, sondern Fakten ein Kriterium der Wählbarkeit.
So sind Diäten um 10%, bei angeblichen 0,4% Teuerung, unakzeptabel. Völlig vergessen wird die Tatsache, dass diese Erhöhung bei ca. 800 EURO/Monat liegt, während 82,3% der Rentnerinnen (Stat. 2010) bis max 800 EURO/Monat Rente -nach einer Beitragsleistung- erhalten.
Eine Partei ist wohl erst ethisch wählbar, wenn sie sich nicht mehr den Gepflogenheiten von Volkstretern (Volksräubern) anpasst und nicht mehr die simpelste Mathematik beugt nur um die eigene Gier zu stillen.
Ber so lange "das Bier die richtige Temperatur hat...." ist die Welt der meisten Deutschen noch in Ordnung.

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