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21.01.2003

17:01 Uhr

Neuer Vorstoß

Schmidt will Freizeitsportler zur Kasse bitten

Für Skifahrer, Drachenflieger oder Motorradfahrer könnte die Krankenversicherung künftig teurer werden. Die Gesundheitsministerin möchte, dass gefährliche Hobbys privat abgesichert werden müssen.

rtr BERLIN. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat sich für eine private Absicherung gefährlicher Hobbys ausgesprochen. Unfälle im Haushalt sollen aber auch künftig von der gesetzlichen Krankenkasse abgeckt werden.

Sie halte es für eine „berechtigte Forderung“, wenn Unfälle beim Ski fahren, Drachenfliegen oder Motorrad fahren künftig privat versichert werden müssen, sagte die Ministerin dem Berliner „Tagesspiegel“ (Mittwochausgabe). Die Überlegungen zu dem Thema seien aber noch nicht abgeschlossen. „Für Unfälle im Haushalt wird auch weiterhin die solidarische Krankenversicherung aufkommen“, stellte Schmidt klar. In der SPD-Fraktion regte sich Widerstand gegen die Überlegungen der Ministerin. Ärzteverbände kündigten unterdessen für die kommenden Tage aus Protest gegen die Gesundheitspläne der Regierung die Schließung Tausender Praxen an.

Die private Absicherung von Freizeitunfällen wäre ein Mittel, die Beiträge zu den gesetzlichen Krankenkassen zu senken. Mitglieder der Bundesregierung haben in der Vergangenheit wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Lohnnebenkosten zu senken, um den Arbeitsmarkt in Deutschland wieder in Schwung zu bringen. In der SPD regte sich allerdings Widerstand gegen die Überlegungen Schmidts, das Risiko von Freizeitunfällen künftig privat absichern zu lassen. „Ich glaube nicht, dass das der Ansatzpunkt ist, die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen in Ordnung zu bringen“, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch der Nachrichtenagentur Reuters. Die größte Belastung für die Kassen ergäben sich nicht durch Sportunfälle, sondern durch chronisch Kranke. Sie warnte auch davor, die Versicherten durch die private Zusatzversicherung vom Sport abzuhalten. „Wir wollen, dass die Menschen im Sinne von Prävention mehr Sport betreiben“, sagte sie.

Auch bei den den gesetzlichen Kassen stießen die Überlegungen Schmidts auf Kritik. Eine Privatversicherung treffe „in erster Linie Menschen, die heute entscheidend für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung aufkommen“, sagte der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Herbert Rebscher, der „Berliner Zeitung“. Die privaten Krankenversicherungen, die von einer solchen Regelung profitieren würden, reagierten dagegen positiv.

Ärzteverbände kündigten unterdessen eine Protestwelle gegen die Pläne der Regierung im Gesundheitswesen an. Allein in Westfalen-Lippe würden am Mittwoch rund 2500 niedergelassene Ärzte die Arbeit ruhen lassen, sagte ein Sprecher des Hartmannbundes. In Brandenburg blieben rund 400 Praxen geschlossen, hieß es von Seiten des Ärzteverbandes. Von Mitte nächster Woche an wollen Ärzte in Hessen und Berlin zeitweise ihre Arbeit einstellen. Mehr als die Hälfte der kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland kündigten einen „Dienst nach Vorschrift“ der Mediziner an. Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnete die Praxisschließungen als rechtswidrig. Die Ärzteverbände kritisieren, dass durch die Gesundheitsreform insbesondere die niedergelassenen Fachärzte in ihrer Existenz bedroht würden.

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