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14.02.2011

07:25 Uhr

Neuer Zentralbank-Chef

Brüderle grätscht in Merkels EZB-Planung

Als ob der Druck nicht schon groß genug wäre: Der Abgang des Bundesbank-Chefs brachte die Kanzlerin in große Not. Angela Merkel muss früher als ihr lieb ist entscheiden, wer Axel Weber nachfolgt. Und auch die Frage, wer neuer EZB-Chef wird, muss sie beantworten. Ihr personeller Spielraum dabei ist eng, zumal nicht nur ihr Wirtschaftsminister bereits deutsche Ansprüche auf den EZB-Posten beerdigt hat.

Wer wird neuer EZB-Chef: Brüderle weiß schon, wer es nicht unbedingt werden muss. Quelle: ap

Wer wird neuer EZB-Chef: Brüderle weiß schon, wer es nicht unbedingt werden muss.

BerlinDer künftige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) muss nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nicht zwingend aus Deutschland kommen. Der "Bild"-Zeitung sagte Brüderle, die Nationalität spiele "nicht die entscheidende Rolle" bei der Besetzung des Postens. Stattdessen müsse der künftige EZB-Chef für stabile Preise sorgen. "Entscheidend ist vor allem, dass ein Kandidat für den Posten des EZB-Chefs die richtige innere Überzeugung hat: Er muss davon überzeugt sein, dass Inflation keine Probleme löst und wir stabile Preise für Wachstum und Wohlstand unbedingt brauchen", sagte Brüderle.

Die Frage, ob Deutschland nach dem Abgang Webers überhaupt noch einen Kandidaten für die Nachfolge von Jean-Claude Trichet ins Rennen schicken will, dürfte auch nach den jüngsten unzweideutigen Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wohl schon beantwortet sein. Deutschland habe "nie erklärt, dass es auf einem deutschen Kandidaten besteht", hatte Schäuble vergangene Woche erklärt. Am Donnerstag hatte die FDP noch gefordert, Deutschland müsse unbedingt auf einem eigenen Kandidaten bestehen.

Mögliche Optionen könnten der deutsche Chef des Euro-Rettungsfonds, Klaus Regling, oder EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sein. Regling hat keine Erfahrung als Geldpolitiker, Stark gehört dem EZB-Direktorium bereits seit einigen Jahren an und darf nach den Statuten auf keinen Fall länger als bis 2014 bleiben - er wäre also nur ein Übergangspräsident und das in schweren Zeiten.

Weber hatte seinen Ausstieg aus dem Rennen um den EZB-Chefsessel mit zunehmender Isolation im Führungszirkel der Zentralbank begründet. Zugleich kochten Gerüchte hoch, Weber wechsele an die Spitze der Deutschen Bank. Der 53-Jährige selbst schwieg am Wochenende zu diesen Spekulationen. Er betonte aber, sollte er zu einem Finanzinstitut gehen, betrage die übliche Karenzzeit ein halbes Jahr. Über einen angemessenen Zeitabstand für einen Wechsel aus dem öffentlichen in den privaten Finanzbereich entbrannte bereits eine Diskussion.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier brachte am Samstag Ex-Finanzminister Peer Steinbrück für den EZB-Chefposten ins Gespräch: "Wer ernsthaft an einer deutschen Kandidatur für den EZB-Präsidenten festhalten will, wird an einer international so ausgewiesenen Figur in der Finanzpolitik wie Steinbrück kaum vorbeikommen." Er erwarte, dass die Regierung in dieser zentral wichtigen Personalfrage den Kontakt zur Opposition suche. "Aber ich befürchte, lieber gibt die Bundesregierung die Kandidatur auf, als auf uns zuzukommen."

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