Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2012

16:23 Uhr

Neues Gesetz in Deutschland

Pharmaindustrie droht mit Boykott

VonPeter Thelen

Eigentlich gilt Deutschland als Paradies der Pharmaindustrie. Doch mit einem neuen Gesetz hat die Bundesregierung die Lobbyisten gegen sich aufgebracht, die nun mit Boykott drohen.

Bisher war Deutschland ein Pharmaparadies. Nun sollen Firmen den Zusatznutzen ihrer Medikamente nachweisen. dpa

Bisher war Deutschland ein Pharmaparadies. Nun sollen Firmen den Zusatznutzen ihrer Medikamente nachweisen.

Die europäische Pharmaindustrie hat Deutschland mit schwerwiegenden Folgen gedroht, falls die Hersteller neuer Medikamente ihre Pillen zu Dumping-Preisen verkaufen müssten. Seien die Preise nicht auskömmlich, würden die Firmen Neuheiten eben nicht mehr auf den deutschen Markt bringen, sagte der Generaldirektor der Europäischen Vereinigung der Pharmazeutischen Industrie und ihrer Verbände (Efpia), Richard Bergström, dem Handelsblatt.

Hintergrund ist das neue Arzneimittelneuordnungsgesetz - kurz: „Amnog“ -, das dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen bei den Preisverhandlungen über neue Medikamente eine harte Gangart ermöglicht. „Das Gesetz ist dabei, in seinen Auswirkungen die Versorgung mit dringend benötigten pharmazeutischen Innovationen zumindest in Deutschland drastisch zu verschlechtern“, sagte Bergström.

Das „Amnog“ und seine Folgen sind Hauptthemen auf der Jahrestagung des Verbands, die morgen in Potsdam beginnt. Während in anderen Ländern die Pharmapreise traditionell reguliert werden, galt Deutschland bislang als Pharmaparadies, da es für neue patentgeschützte Medikamente keine Preiskontrolle gab. Nach neuer Rechtslage müssen die Kassen den vom Hersteller für ein neu zugelassenes Medikament frei festgelegten Preis nun nur noch ein Jahr lang zahlen.

Zugleich sind die Hersteller verpflichtet, in diesem Jahr der Prüfbehörde Dossiers für eine frühe Nutzenbewertung vorzulegen, die Bezug nehmen auf eine vom GBA ausgewählte Vergleichstherapie. Dann folgen die Preisverhandlungen. Zwar sei es für globale Pharmakonzerne selbstverständlich, ihre neuen Medikamente bewerten zu lassen oder über Preise zu verhandeln, so die Pharmalobby. „Aber die Praxis, wie sie sich in Deutschland nun abzeichnet, kennt nur ein Argument: Je billiger, desto besser“, klagt Bergström, der bis 2011 den schwedischen Arzneimittelverband geleitet hatte.

Dem für die Bewertung des Nutzens neuer Medikamente zuständigen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen warf er vor, die neuen Medikamente nach umstrittenen Kriterien zu begutachten. Der Krankenkassen-Spitzenverband ziehe für die Preisfindung Länder mit schwacher Wirtschaftskraft als Vergleich heran.

Bislang hat nur ein Unternehmen diese Verhandlungen erfolgreich zu Ende gebracht. Astra-Zeneca erzielte für sein neuartiges Herzmedikament mit dem Wirkstoff Ticagrelor nach eigenen Angaben einen guten Preis. Das Produkt erhielt vom GBA die zweitbeste Note „beträchtlicher Zusatznutzen“. Die Mehrheit der Firmen war mit ihren Produkten - insgesamt wird derzeit über rund 28 neue Medikamente verhandelt - deutlich weniger erfolgreich.

Vier Konzerne sind aus dem Verfahren bereits ausgestiegen oder haben die geplante Markteinführung neuer Produkte zurückgezogen. Ein Kassen-Sprecher sagte, Medikamente mit echtem Zusatznutzen hätten gute Chancen, einen guten Preis zu erzielen. Verschwänden aber Präparate ohne Zusatznutzen vom Markt, sei dies kein Verlust.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.06.2012, 16:45 Uhr

Ruhig Blut! Hunde die bellen beissen bekanntlich nicht! Wenn die auf ihren Produkten sitzen bleiben wollen dann verdienen die überhaupt nichts.

Account gelöscht!

10.06.2012, 16:58 Uhr

Man sollte ads mal alles durchforsten,
grad bei den Kläffern aus der Industrie
wer da wie wo verbindung hatte mit der IG Farben....
da ist sicher noch das ein oder ander Juristische was man drehn kann um die netten "Privaten" ganz schnell gefügig zu machen...

Desweitern liebe Industrie.....

D hält den EU markt imo am Leben....

Und so ähnlich werden wir auch in der Euro Sache erpresst....... irgendwan stumpft man halt ab,

Aber dennen würd ich sowas von auf die Finger Klopfen.....

FestBetrag

10.06.2012, 17:16 Uhr

HAha, die Pharmaindustrie droht mit Boykott ihrer Scheininnovationen! Als erstes sollte sie alle Cholesterinsenker vom Markt nehmen: Bisher hat keine unabhängige Studie bewiesen, dass hohe Cholesterinwerte für Menschen schädlich bzw. per Medikament gesenkte Werte für den Menschen gesundheitsfördernd sind.

Die Bundesregierung sollte den Spieß umdrehen und in Abstimmung mit dem IQWiG Zwangszulassungen von günstigen Medikamenten für Behandlungen erwirken. Damit könnten die Kassen viele Milliarden Euro sparen, weil günstigere Medikamente nicht mehr als off-label gelten würden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×