Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2013

15:21 Uhr

Neues Gremium

Mehr Sachverstand für Großprojekte

ExklusivStuttgart 21 und der Berliner Flughafen entwickelten sich zu einem Desaster. Jetzt reagiert Verkehrsminister Peter Ramsauer. Ein hochkarätig besetzter Sachverständigenrat für Großprojekte soll helfen.

Ein Wegweiser zum Flughafen Schönefeld steht vor einem Werbeplakat. dpa

Ein Wegweiser zum Flughafen Schönefeld steht vor einem Werbeplakat.

Mit einem Sachverständigenrat für große Infrastrukturvorhaben will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer dem Rufschaden für die deutsche Bauwirtschaft und Ingenieurkunst begegnen, die durch umstrittene Projekte wie Stuttgart 21 oder den Berliner Flughafen Schönefeld entstanden sind. An dem Gremium sollen unter anderem der Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger und frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch sowie BDI-Präsident Ulrich Grillo mitwirken, schreibt das Handelsblatt (Montagsausgabe).

Die „Reformkommission“ soll Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Baubranche abwenden. Andererseits soll das Vertrauen der Bürger in Vorhaben der öffentlichen Hand sowie die Akzeptanz für Großprojekte zurückgewonnen werden.

Ramsauer habe der Reformkommission als Ziel gesetzt, „Kostenwahrheit und Kostentransparenz“ von Großprojekten sicherzustellen – von der ersten Idee bis zur Abrechnung, schreibt das Handelsblatt. Wichtig sei, die angestrebte Qualität und Funktionalität der Projekte im gesetzten Zeit- und Kostenrahmen zu erreichen. Dazu sollen auch die Fehler der Vergangenheit beim Berliner Großflughafen, Stuttgart 21 oder auch der Elbphilharmonie in Hamburg ausgewertet werden.

Es müsse geprüft werden, „inwieweit bei Großprojekten Bonus-/Malus-Regelungen für eine pünktliche Fertigstellung möglich sind – ähnlich wie im Straßenbau“, sagte Ramsauer dem Handelsblatt. „Wichtig sind darüber hinaus klare Verantwortlichkeiten und Haftungsregelungen für Kosten, Qualität und Termine.“ Sollte die Kommission dies fordern, könnten, „wenn es notwendig ist, auch Vorschriften geändert werden“. So dürfe es „beim Vergaberecht keine Denkverbote geben. Denn: Das billigste Angebot ist nicht immer das beste Angebot. Es kann sogar am Ende das teuerste sein.“

Als Ergebnis der Kommissionsarbeit soll ein „Handbuch Großprojekte“ erarbeitet werden, das das Fachwissen bündeln und als Handlungsempfehlung den Beteiligten an Großprojekten zur Verfügung stellen soll - ähnlich dem bereits vom Bundesverkehrsministerium erstellten „Handbuch Eisenbahnfahrzeuge“ für die Zulassung von Zügen oder dem „Handbuch Bürgerbeteiligung“ für die Einbindung der Bevölkerung und mehr Transparenz bei Baumaßnahmen.

Die Kommission soll mit Praktikern aus Politik, Wirtschaft, Politik und Verbänden besetzt werden. Mitwirken sollen neben Koch und Grillo auch der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Thomas Bauer, der Präsident der Bundesarchitektenkammer, Sigurd Trommer, der Münchener Jurist und Experte für Vergaberecht, Martin Burgi, oder der Vorsitzende des Deutschen Verkehrsforums, Klaus-Peter Müller.

Von

sig

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Michael

17.03.2013, 15:30 Uhr

Ein "Handbuch Großprojekte" für Baumassnahmen, erstellt aus dem gebündelten Fachwissen von Politikern und Wirtschaftlern.

Das klappt bestimmt.

Die anderen beiden Handbücher habe ich noch nie, nicht einmal nur namentlich erwähnt gefunden. Was nicht viel heissen mag, ich weiss.

Account gelöscht!

17.03.2013, 15:56 Uhr

Der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger&Berger Roland Koch, Jahressalär 1.5 Mio. (kein Sozialneid) soll's jetzt richten, ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber vielleicht hat er ja noch ein paar Schwarzgeld-Millionen irgendwo rumliegen und Skrupel sagt man ihm ja auch nicht nach, oder? Die Verzweiflung im Regierungslager muss schon groß sein.
Mehdorn und Koch, zwei glorreiche Halunken.

FS123

17.03.2013, 16:02 Uhr

"Die Kommission soll mit Praktikern aus Politik, Wirtschaft, Politik und Verbänden" - klar, zwei mal Politik. kein Praktiker mit Projekterfahrung.

Für mich liest sich die Teilnehmerliste wie eine reine Lobbyisten-Veranstaltung.

Ausserdem: Ramsauer als Garant für Transparenz und Kostenehrlichkeit: der sagte Mitte 2012 in der "Welt": "Wenn man alle Risiken und Eventualitäten von Beginn an einrechnet, dann wird hier nicht mehr gebaut, dann haben wir Stillstand. Das kann sich Deutschland nicht leisten"

Also beste Voraussetzungen für einen Erfolg ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×