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21.02.2014

16:01 Uhr

Neues TV-Projekt

ARD verfilmt NSU-Geschichte

Zehn Menschen soll der NSU getötet haben. Nun wird die Geschichte des rechtsextreme Trios verfilmt. Der ARD will eine Trilogie drehen – und dabei die verschiedene Perspektiven der Beteiligten einnehmen.

Die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, steht derzeit in München vor Gericht. dpa

Die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, steht derzeit in München vor Gericht.

MünchenDie ARD verfilmt die Geschichte des rechtsextremen NSU-Trios. Ein Sprecher des Senders bestätigte am Freitag in München einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Geplant sei eine Trilogie. Einen Sendetermin gebe es noch nicht.

Eine Sprecherin des Südwestrundfunks (SWR) bestätigte, dass es drei Filme geben soll – und zwar aus Perspektive des Umfelds der Täter, der Opfer und der Ermittler. Laut „FAZ“ ist zudem eine ergänzende Dokumentation geplant. Hinter dem Projekt stehen demnach die Produzentin Gabriela Sperl und der Journalist Stefan Aust. Laut ARD sind der Bayerische Rundfunk (BR), der SWR, der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und ARD-Tochter Degeto beteiligt.

Der NSU-Schock und politische Folgen

Untersuchungsausschüsse

Nach dem Auffliegen der Terrorzelle im November 2011 nahmen sich mehrere Parlamente ihre Verbrechen und die Ermittlungspannen vor und setzten dazu Untersuchungsausschüsse ein: im Bundestag und in den Landtagen von Thüringen, Sachsen und Bayern. Die parlamentarischen Aufklärer beklagten mehrfach mangelnden Kooperationswillen der Behörden in Bund und Ländern, beschwerten sich über vernichtete oder vorenthaltene Dokumente. Die Ausschüsse brachten bereits viele ernüchternde Erkenntnisse: Die Sicherheitsbehörden sprachen zu wenig miteinander, Akten gingen im Behörden-Wirrwarr unter, Informationen machten an Landes- oder Behördengrenzen halt. Immer mal wieder kamen Ermittler dem Trio bei ihren Nachforschungen nahe. Doch sie stellten die falschen Fragen, erkannten Zusammenhänge nicht - und bis zuletzt auch nicht den rechtsextremen Hintergrund der Morde.

Personelle Konsequenzen

Mehrere Verfassungsschutzchefs räumten ihre Posten. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, trat ab, weil in seinem Haus noch nach Auffliegen der Terrorzelle sensible Unterlagen zur rechten Szene im Reißwolf landeten. Auch andere oberste Verfassungsschützer - aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin - nahmen wegen Fehlern in ihren Behörden den Hut. In anderen Sicherheitsbehörden blieben personelle Folgen aus.

Neue Strukturen

Einige Neuerungen brachten Bund und Länder schnell auf den Weg: das gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus in Köln und Meckenheim zum Beispiel, wo sich die Sicherheitsbehörden ständig über Gefahren aus der rechten Szene austauschen. Oder die Neonazi-Datei, in der Ermittler aus Bund und Ländern Informationen über gewaltbereite Rechtsextremisten bündeln. Die Innenminister von Bund und Ländern einigten sich auf Änderungen beim Verfassungsschutz: Eine zentrale Datei für Informanten des Inlandsgeheimdienstes und einheitliche Kriterien zur Führung dieser V-Leute. Die Verfassungsschützer im Bund sollen die Zusammenarbeit mit den Ländern stärker als bislang koordinieren und wollen mit mehr Transparenz, neuen Schwerpunkten und klaren Akten-Schredder-Regeln aus der Vertrauenskrise kommen.

Debatte

Der Fall NSU hat die Debatte über ein mögliches Verbot der rechtsextremen NPD neu entfacht. Ein erster Versuch war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Die Länder preschten vor und beschlossen, einen neuen Anlauf für ein NPD-Verbot zu starten, der jedoch im Frühjahr 2017 ebenfalls scheiterte.

Aust sprach in der „FAZ“ von einem „der interessantesten Fälle der jüngeren Gegenwart“. Er halte ihn in seiner Dimension „mit der Geschichte der RAF für vergleichbar“. Der Fall des NSU mache „Bruchstellen in unserer Gesellschaft deutlich, über die man jahrelang hinweg gesehen hat“. Zudem zeuge er vom Versagten der Sicherheitsdienste, sagte Aust.

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) soll innerhalb mehrerer Jahre bundesweit zehn Menschen getötet haben, die meisten von ihnen hatten einen Migrationshintergrund. Die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, steht derzeit in München vor Gericht.

Von

afp

Kommentare (2)

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Pulitzer

21.02.2014, 19:32 Uhr

ARD verfilmt NSU-Geschichte
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Das ist sicher eine sehr gute Übung herauszufinden, ob die Story nicht von hinten bis vorne ..... unplausibel ist.
Ein Film könnte herausarbeiten, dass es ganz anders gewesen sein könnte, als uns Edathy et al. vormachen wollen!

Account gelöscht!

21.02.2014, 19:46 Uhr

So wie in den Foren der Zeitungen bei dem Thema NSU zensiert worden ist, kann man davon ausgehen, dass alles was man zeigen will auch zensiert ist und Gutmenschenfähig aufbereitet wurde. Nicht sehenswert und viel zu früh. Erst in 30 Jahren wird man sich trauen die Wahrheit zu zeigen und die unfähigen BKA,LKA ,Verfassungschutz an die Wand zu stellen.

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