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04.09.2013

07:35 Uhr

Neues ZDF-Format

Wahl-Quiztalkgameshow mit Brüderle und Gysi

VonChristian Bartels

Dauer-Wahlkampf im Fernsehen: In "Wie geht's, Deutschland?" beweist Marietta Slomka zwei Talente - und das ZDF, dass Shows längst nicht mehr zu seinen Stärken zählen.

Comoderator Mitri SirinMarietta Slomka

Comoderator Mitri SirinMarietta Slomka

Ob der Bundestagswahlkampf nun die Fahrt aufnimmt, die bisher viele Beobachter vermissten, bleibt fraglich. Das Wahlkampf-Fernsehen aber überschlägt sich dieser Tage geradezu. Genau 24 Stunden, nachdem Rainer Brüderle  und Gregor Gysi sich im "kleinen TV-Duell" fürs ARD-Programm in Berlin-Mitte gestritten hatten, traten die Spitzenkandidaten von FDP und der Linken gestern in Potsdam-Babelsberg vor ZDF-Kameras. "Wie geht's, Deutschland?" bot Top-Politiker aus weiteren Parteien - und eine hoffnungslos überkandidelte Mischung aus Quiz-, Game- und Talkshow mit Studiopublikum. Einige der besseren Momente des laufenden Wahlkampf-Fernsehens enthielt die Sendung dennoch.

Der über zwei Stunden lange Fernsehabend begann mit einer 45-minütigen Reportage der "heute-journal"-Moderatorin Marietta Slomka. Thema wie Zeitarbeit, Steuerbelastung sogenannter Normalverdiener und Altersarmut wurden anhand von Beispielen zwischen Mönchengladbach und München, Roth bei Nürnberg und Köln unaufgeregt, aber scharf von mehreren Seiten angerissen. Slomka und die ZDF-Kameras beobachteten Bürger in ihren Wohnungen oder Häusern, die offen über ihre finanzielle Verhältnisse redeten - eine für die 20.15 Uhr-Sendezeit überraschend differenzierte Reportage. Mit einer Rentnerin, die sich live im Saal freute, inzwischen den Halbtagsjob zur Aufbesserung ihrer Rente ergattert zu haben, um den sie sich in der Reportage bemüht hatte, begann die eigentliche Show.

Fakten zur Bundestagswahl

Wie läuft der Wahltag ab?

Mehr als 80.000 Wahllokale gibt es in den insgesamt 299 Wahlkreisen. Damit dort von 8 bis 18 Uhr gewählt werden kann, sind über 600.000 ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz - dafür steht ihnen nicht mehr als ein Erfrischungsgeld von 21 Euro zu. Pünktlich um 18 Uhr schließen die Wahllokale, dann beginnt die Auszählung. Erste Hochrechnungen gibt es meist schon wenige Stunden später.

Wer organisiert die Wahl?

Oberster Organisator ist der Bundeswahlleiter. Der wird auf unbestimmte Zeit vom Innenminister ernannt. Traditionell wird regelmäßig der Präsident des statistischen Bundesamtes mit dieser Aufgabe betraut - seit 2008 ist deshalb Roderich Egeler Bundeswahlleiter. Er organisiert nicht nur die Bundeswahlen, sondern überprüft auch die antretenden Parteien und unterstützt die 16 Landeswahlleiter bei der Durchführung der Wahlen auf Landesebene. Auch jeder Wahlkreis hat seine eigene Wahlkreisleitung.

Wer sind die Wähler?

Wählen darf jeder, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und über 18 Jahre alt ist. Bei der Bundestagswahl am 22. September werden das 61,8 Millionen Menschen sein. Nur 3,6 Prozent der Wahlberechtigten sind zwischen 18 und 20 Jahren alt, aber über 20 Prozent der Wahlberechtigten sind 70 Jahre und älter. 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen.

Wann kommt eine Partei in den Bundestag?

Damit eine Partei bei den Wahlen antreten kann, muss sie vom Bundeswahlausschuss anerkannt werden. Unterschieden wird hier zwischen den „etablierten" Parteien, die seit der letzten Wahl mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag oder in einem Landtag vertreten sein müssen, und den nicht etablierten Parteien. Nicht etablierte Parteien müssen neben ihren Unterlagen auch Unterschriftensammlungen vorlegen, um zur Wahl antreten zu können.

Um in den Bundestag zu kommen, muss eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten - oder aber drei Direktmandate in den Wahlkreisen holen.

Wie zu Lightshow und Untermalungsmusik die prominenten Gäste ins Studio einmarschierten - neben Brüderle und Gysi Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sowie die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) - deutete das Konzeptproblem der Quiztalkgameshow allerdings bereits an.

Dem eigentlich stimmige Ansatz, die Wahlkämpfer exemplarisch mit "Normalbürgern" zu konfrontieren, deren konkrete Lebens- und Finanzverhältnisse vorgestellt worden waren, kamen immer wieder alberne Spielchen in die Quere: Erst musste den Politikern ein Gegenstand, der für eines ihrer Hobbys stehen sollte, zugeordnet werden ("Siggi Pop" Gabriel seine Tanzschuhe, Göring-Eckardts einen Schalke 04-Fanschal). Später mussten die Politiker hektisch auf eine neu dekorierte Showbühne rennen, um lebensgroßen Platzhaltern bestimmter Berufe ihr mutmaßliches Gehalt zuzuordnen - zumindest vorm Fernseher ließen sich Ablauf und Ergebnis dieses Spiels kaum nachvollziehen.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

04.09.2013, 08:11 Uhr

Das Medium Fernsehn sollte viel mehr dazu verwendet werden, dass Politik unmittelbarer wird und sich die Bevölkerung in der aktuellen Politik wiederfindet.

Hierzu bedarf es aber eines tatsächlich feien Mediums Fernsehen, und daran wird es wohlmöglich scheitern.

Man stelle sich vor, man würde zur besten Sendezeit einer radikal Linken oder Rechten die Möglichkeit geben, ihre Meinung frei zu äußern. Dies wäre allerdings ein Maßstab dafür, wie frei unsere Journalisten sind und wieviel Eigenverantwortung die aktuelle Politik der Bevölkerung tatsächlich erlaubt!

Account gelöscht!

04.09.2013, 08:50 Uhr

.....................................
WIE GEHTS DEUTSCHLAND.??
DOKUMENTATION
.....................................
eine gute und verständliche doku. -
die leider von einer vollkommen über-
flüssigen gameshow diskreditiert wur-
de..
können zuschauer nur mit solchen bil-
ligen gags bei der stange gehalten
werden..??
..
ARMES DEUTSCHLAND..!!..WETTEN DASS..!!
..
..

ulrich

04.09.2013, 09:17 Uhr

Sehr gutes neues Konzept und von Frau Slomka gut vorbereitet und moderiert.
Die Spiele waren hektisch und etwas " albern " aber für eine Auflockerung sollten sie in anderer Form bleiben-- sonst haben wir wieder nur eine Polit-Diskussion wie schon viele andere auch.

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