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28.06.2013

12:10 Uhr

Nichtwähler

„Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“

VonSara Zinnecker

Meinungsforscher warnen vor dem Politikverdruss junger Erwachsenen. Gefährdet die wachsende Gruppe der Nichtwähler tatsächlich die Demokratie? Edmund Stoiber und Franz Müntefering haben dazu zwei dezidierte Ansichten.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verteidigt die Politiker. dapd

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verteidigt die Politiker.

BerlinDer bayerische Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber ist in seinem Element. „Alles“, was die Mediengruppe Pro7/Sat1 „in diesem Superwahljahr“ an politischer Information auf Sendung schicke, basiere auf seinen Ideen, seinem Input, schnauft er – und ruckt und zuckt in seinem Stuhl im zweiten Stock der Hertie School of Governance in Berlin. Hier, wo die Mediengruppe eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Nichtwählerstudie vorstellt, hat auch Stoiber etwas zu sagen: „Der Trend, dass immer weniger – auch junge Menschen – wählen gehen, er gefährdet unsere Demokratie.“

Tatsächlich fänden viele Jugendliche nach der Erstwahl nicht den Weg zurück an die Wahlurne, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Dabei sei das Interesse an Politik – wie oft behauptet – nicht das Problem. Doch würden unverständliche Sprache und realitätsferne Themen eine zunehmenden „Entfremdung“ zwischen Bürgern und Politik bewirken. Nur 35 Prozent der befragten Wähler und 29 Prozent der Nichtwähler würden noch verstehen, was Politiker sagen, heißt es in der Studie. Weniger als die Hälfte der Nichtwähler wüssten nicht mehr, was die politischen Themen noch mit ihrem persönlichen Leben zu tun hätten.

Was also tun, um die Menschen zum politischen Mitmachen zu bewegen, um sicherzustellen, dass die nächste Regierung durch die Mehrheit der Wahlberechtigten legitimiert ist? „Politisch wieder stärker polarisieren“, sagt Michael Eilfort von der Stiftung Deutsche Marktwirtschaft und verweist auf die Wahl von Willy Brandt 1972, an der sich 91 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt hätten. Da sei es um die große Linie gegangen, um Ostannäherung statt Westorientierung.  „Die Leute wählen lieber zwischen schwarz und weiß, als zwischen dunkel- und hellgrau.“

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart, selbst „bekennender Nichtwähler“, diskutiert abstrakter: „Müssten die Politiker nicht einfach noch mehr leisten?“, fragt er Forsa-Chef Güllner, Karl-Rudolf-Korte von der Universität Duisburg-Essen und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung. Könnte in Deutschland ein Mehrheitswahlrecht nach amerikanischem Vorbild funktionieren? Oder bräuchten wir mehr Elemente von direkter Demokratie?

Krüger sorgt sich vor allem um die Gruppe der bildungsbenachteiligten jungen Menschen. „55 Prozent der jungen Wähler geben an, dass ihr politisches Wissen aus der Schule stammt.“ Gerade das Fach Politik stehe jedoch an den meisten Schulen hinter den Sprachen und Naturwissenschaften zurück. Umso wichtiger sei es also, praktisch anzupacken, „die Gesprächsstörung zwischen Wählern und Politik aufzulösen“, sagt Güllner.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

28.06.2013, 12:23 Uhr

die machen sich die welt wie sie ihnen gefällt....

notfalls würden dennen es auch reichen wenn nur ihre parteien wählen würden...

auf den gedanken das die Menschen sich grade in sachen Europa betrogen fühlen kommen die erst garnicht...

Anscheinend muss es erst richtig krachen

KeinWunderEinWunderWieDas

28.06.2013, 12:37 Uhr

... 35 Prozent der befragten Wähler und 29 Prozent der Nichtwähler würden noch verstehen, was Politiker sagen,...

Alleine aus dem Grund, daß nur HÜlsen und nichtssagende Reden geschwungen werden, die dem Bürger alle Leitlinien verbauen.

hermann.12

28.06.2013, 12:42 Uhr

Politikverdrossenheit hat auch etwas mit Subsidiariät zu tun. Die haushalterischen Verflechtungen und Abhängigkeiten haben lokale Politik immer machtloser gemacht. In NRW sind die Kommunen mehrheitlich unter Haushaltssicherung, weil das Land die Zuweisungen an die Kommunen zu gering hält und die Landesregierung mehr Ähnlichkeit mit der Mafia zu haben scheint als mit einer dem Gemeinwohl verbundenen Regierung.
Bund und noch mehr die Länder betreiben eine Politik der Nichtverantwortung, bei der regionale Themen bewusst vermieden werden.
Wenn Wählervoten darauf reduziert werden, die großen Linien der Bundespolitik zu verfolgen, dann muss man sich über falsche Vorstellungen und Desinteresse nicht wundern.
Polarisierung ist deshalb großer Quatsch, das funktionierte nur, weil die Bundespolitik noch nicht alle Felder bestimmte und auch weil das Thema damals wirklich alle betraf. Auch war für die Menschen viel deutlicher als heute, was für Konsequenzen hinter den Alternativen standen. Heute werden sie bewusst verschwiegen.

H.

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