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12.03.2013

10:08 Uhr

Nord-FDP

Zwei „Alphatierchen“ für den Bundestag

Ein Medienstar und ein Medienmacher rüsten sich in Schleswig-Holstein für Berlin. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki und Ex-Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz drängen für die Liberalen in den Bundestag.

Der ehemalige Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzende Bernd Buchholz (links) und der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein Wolfgang Kubicki. Beide drängen für die FDP in den Bundestag. dpa

Der ehemalige Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzende Bernd Buchholz (links) und der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein Wolfgang Kubicki. Beide drängen für die FDP in den Bundestag.

KielZwei alte Hasen suchen eine neue Herausforderung: Nicht nur Wolfgang Kubicki, Enfant terrible der FDP, will für die Liberalen aus Schleswig-Holstein in den Bundestag. Bernd Buchholz, bis vor einem halben Jahr Chef des Verlagshauses Gruner+Jahr, möchte es auch.

Beide, der erfolgreiche Strafverteidiger und der mit Millionenabfindung in den Ruhestand geschickte Ex-Medienmanager, könnten sich zum Golfspielen, Segeln und Skilaufen zurückziehen, doch sie reizt die große politische Bühne. Beide Juristen sind im Denken und wirtschaftlich unabhängig, selbstbewusst und rhetorisch stark genug, um sich auch als Bundestagsneulinge in Szene zu setzen.

Die FDP unter Parteichef Rösler

12. Mai 2011

Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.

13. Mai

Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“

22. Mai

Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.

4. September

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.

18. September

Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.

14. Dezember

Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.

16. Dezember

Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.

25. März 2012

Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.

6. Mai

Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.

13. Mai

Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.

6. Januar 2013

Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.

18. Januar

Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.

20. Januar

Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.

21. Januar

Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

Dass die Nord-FDP Kubicki an diesem Samstag auf Platz eins ihrer Bundestagswahl-Liste hievt, ist klar. Für Buchholz wird Platz zwei eine härtere Nuss. Denn dafür treten auch die Bundestagsabgeordneten Christine Aschenberg-Dugnus, Sebastian Blumenthal und – nach bisherigem Stand – Christel Happach-Kasan an. Sie wollen nicht freiwillig jemandem weichen, der nach 17 Jahren zur zweiten Karriere als Politiker ansetzt. 1992 bis 1996 saß Buchholz im Landtag. Als Vize-Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung von Spätfolgen des Barschel/Pfeiffer-Skandals von 1987 machte er sich einen Namen.

Der 61-jährige Kubicki will nach 20 Jahren sein Kapitel Landtag zuschlagen, um in Berlin ein neues zu öffnen. Mit der Rückkehr der FDP in die Landesregierung 2009, der Umsteuerung auf einen strikten Sparkurs gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und dem Wiedereinzug in den Landtag in einer tiefen Krise der Bundespartei 2012 hat Kubicki im Land seinen Job gemacht.

Der tiefe Fall der FDP

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.

Dezember 2009

Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.

März 2010

Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.

April 2011

Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

Dezember 2011

Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.

März 2012

Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.

Mai 2012

In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.


August 2012

Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.

November 2012

Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.

Dezember 2012

Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.

Januar 2013

Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.
Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

„Ich glaube, ich kann für Schleswig-Holstein im Bundestag jetzt mehr erreichen als in der Rolle des Oppositionsführers in Kiel“, sagt er. „Ich möchte dazu beitragen, das Bild der FDP zu korrigieren: Sie wird ja von vielen nur als Partei wahrgenommen, die sich für Großunternehmer und Hedgefonds-Manager einsetzt und Steuersenkungen zum Markenkern gemacht hat.“ Immerhin ist Kubicki – der auch schon Mal mit einer Ampelkoalition liebäugelt – für ein Umdenken zugunsten von Mindestlöhnen eingetreten, als das bei den Liberalen noch nahezu einhellig als völliger Tabubruch galt.

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