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02.04.2011

10:02 Uhr

Nordrhein-Westfalen

Wie Kraft die Wirtschaft brüskiert

VonJens Konrad Fischer
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Ob Kinder, Handwerker oder Beamte - SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ein Ohr für viele im wichtigsten Industrieland Nordrhein-Westfalen. Nur die Konzerne beginnen aufzubegehren.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Quelle: dpa

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Da, wo NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sich wohlfühlt, ist ganz viel Hannelore – und sehr wenig Ministerpräsidentin. Es herrscht Wohnzimmeratmosphäre in der Mülheimer Stadthalle, auf der Bühne ein dunkles Ledersofa, davor ein Glastisch mit Obstkorb, das Bild an der imitierten Sandsteinwand dahinter zeigt wenig, ist aber bunt. Kraft hat eingeladen, um von ihrem Tag an der Seite eines Familientherapeuten zu berichten.

„TatKraft“ nennt sie diese regelmäßigen Einsätze, erklärtes Ziel ist es, ein Bild von den Facetten des Alltags der Bürger zu gewinnen. Mal war sie in der Berufsschule, mal im Krankenhaus, im Handwerksbetrieb, auf der Polizeiwache. „Ich habe vor allem eines gespürt“, resümiert Kraft nach getaner Arbeit, „ganz viel Liebe.“

Gala auf dem Hügel

Doch so viel Zuneigung erfahren nicht alle im Land, die Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen wundern sich zunehmend über das Zeitmanagement der Ministerpräsidentin. Dass die es schafft, den ganzen Tag für einen Familientherapeuten freizuräumen, für die Probleme der Wirtschaft aber oft nicht mal ein paar Stunden hat. Als der Initiativkreis Ruhr (IR), Zusammenschluss der wichtigsten Unternehmen in der Herzkammer der deutschen Industrialisierung, sich nach Jahren der Lethargie jüngst mit der Neubesetzung des Vorstands frischen Wind verlieh, feierten die Unternehmen das mit einer Gala in der Krupp’schen Villa Hügel. Kraft schickte zwar einige ihrer Minister, sie selbst ging lieber zum Wahlkampf nach Baden-Württemberg. Und als sie wenig später zum Staatsbesuch nach Israel reiste, nahm sie Gewerkschafter mit, von Umsätzen anbahnenden Geschäftsleuten keine Spur.

Jahrzehntelang hat das Verhältnis zwischen Wirtschaftselite und Sozialdemokratie kaum anderswo so gut funktioniert wie in NRW – das war unter Ministerpräsidenten wie Rau oder Clement. Weniger aus Liebe als aus pragmatischem Wissen um die Bedeutung der Industrie für die Prosperität des Landes setzten sich Krafts Vorgänger für diese ein. Öffentlich tut das auch die aktuelle Regierung. „Wir wollen die Chancen industrieller Produktion nutzen“, verkündete Kraft kurz nach Amtsantritt. Die rhetorisch Umworbenen gewinnen jedoch den Eindruck, dass die Kluft zwischen Reden und Handeln kontinuierlich wächst.

Kommentare (11)

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marc

02.04.2011, 10:22 Uhr

Es war doch von Anfang an klar, dass die liebe Frau Kraft keinerlei Kompetenz außer "ganz viel Liebe" aufweisen kann. Schön die Wähler eingelullt und jetzt kommt die Konsequenz. Bei soviel Inkompetenz und Freigebigkeit wird es höchste Zeit, dass der Länderfinanzausgleich neu geregelt wird. Ich sehe es als "Südstaatler" jedenfalls nicht ein, dass wir permanent für die Schwachsinnsentscheidungen in Nord und Ost bezahlen...

Account gelöscht!

02.04.2011, 10:26 Uhr

Also ich habe den Eindruck, dass Frauen in Führungspositionen (z.B. Frau Kraft als Ministerpräsidentin) nur im "klein klein" denken. Die grossen Strategien sind ihnen nicht so wichtig. Das direkte Umfeld ist viel entscheidender bei Frauen als bei Männern.

Das liegt an der Harmoniesucht, die für Frauen unbedingt wichtig ist. Und Harmonie kommt nur aus dem direkten Umfeld und nicht aus der abstrakten Ferne. Das Abstrakte ist wiederum anziehender für Männer.

Das ist ein naturgegebener Unterschied zwischen Mann und Frau. Deshalb ist es unklug einfach Quotenfrauen in DAX-Vorstände "einzupflanzen".

Politeia

02.04.2011, 10:30 Uhr

Herzlich willkommen im 19. Jahrhundert!

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