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04.06.2013

13:30 Uhr

Northrop Grumman

Euro-Hawk-Hersteller wehrt sich gegen Vorwürfe

Northrop Grumman, der Hersteller der Euro-Hawk-Drohne, sieht keine Mitschuld bei den Zulassungsproblemen in Deutschland und hofft dass das Projekt noch fortgesetzt wird.

Ein lebensgroßes Model der Drohne Euro-Hawk. Der Hersteller sieht keine Mitschuld am Debakel in Deutschland. dpa

Ein lebensgroßes Model der Drohne Euro-Hawk. Der Hersteller sieht keine Mitschuld am Debakel in Deutschland.

BerlinDer US-Rüstungskonzern Northrop Grumman hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Deutschland an den Plänen für die Aufklärungsdrohne Euro Hawk festhält. „Wir haben bis jetzt keinen Hinweis darauf, dass das Entwicklungsprogramm abgebrochen oder unterbrochen wird“, sagte Northrop-Manager Janis Pamiljans der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). Eine Mitschuld seines Unternehmens an den Zulassungsproblemen für das unbemannte Fluggerät sieht er nach eigenen Worten nicht. Diese Schwierigkeiten ließen sich zudem mit weit weniger Kosten lösen als vom deutschen Verteidigungsministerium unterstellt.

Der Darstellung aus dem Ministerium, dass die Zulassung der Drohne 500 bis 600 Millionen Euro zusätzlich erfordern würde, widersprach Pamiljans. „Wir haben dem Verteidigungsminister Mitte Mai über die Euro Hawk GmbH einen Vorschlag übermittelt, der sich auf 160 bis 193 Millionen Euro beläuft“, sagte er. Dieser Vorschlag decke sämtliche Kosten der Musterzulassung und Lufttüchtigkeitsprüfung. Bislang habe das Ministerium darauf nicht reagiert. „Wir wissen nicht, worauf die im Verteidigungsministerium genannte Zahl beruht.“

Die Nutzung des Euro-Hawk-Aufklärungssystems in einer anderen Plattform wäre nach Darstellung des Managers deutlich teurer. Wählte man diesen Weg, wären die Zulassungskosten weit höher als eine halbe Milliarde Euro. „Das ist ein teures Vorhaben.“

Dass die Zulassung des Euro Hawks in Deutschland Probleme bereiten würde, sei nicht absehbar gewesen. „Am Anfang der Vertragsverhandlungen gingen alle Partner davon aus, dass der Euro Hawk gemäß amerikanischem Luftwaffenstandard zugelassen wird“, sagte Pamiljans. Man habe sich an Verträge gehalten. Warum die Zertifizierungsgrundlage in Deutschland verändert wurde, sei ihm nicht klar.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere will sich am Mittwoch vor den zuständigen Ausschüssen des Bundestages umfassend zur Euro-Hawk-Affäre und ihren Hintergründen äußern. Inzwischen gibt es Rufe aus der Opposition nach personellen Konsequenzen im Verteidigungsministerium. Die Drohne wird von Northrop Grumman gebaut, die Sensoren kommen von einer Tochter des europäischen EADS-Konzerns.

Von

rtr

Kommentare (1)

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VolkerRockel

04.06.2013, 14:26 Uhr

Zitat: "„Am Anfang der Vertragsverhandlungen gingen alle Partner davon aus, dass der Euro Hawk gemäß amerikanischem Luftwaffenstandard zugelassen wird“, sagte Pamiljans."- Vermutlich ging auch das Bundesverteidigungsministerium davon aus!

Zumal es zu diesem Zeitpunkt keine verbindlichen Vorschriften für die Musterzulassung bzw. Verkehrszulassung für UAVs in Deutschland gab!

Und nachdem es erst seit ca. 5 Jahren über die STANAG 4586 ("STANDARD INTERFACES OF UAV CONTROL SYSTEM (UCS) FOR. NATO UAV INTEROPERABILITY") Vorgaben bzw. Empfehlungen u.a. für das "Sense-and-Avoid" Systeme gibt, dürfte diese auch nicht in dem Vertragswerk berücksichtigt worden sein!?


Da hätte man vermutlich irgendwann von deutscher Seite nachverhandeln müssen! (Und dem Anschein nach wollte man das von deutscher Seite wohl nicht mehr!?) Ob aus industriepolitischen Gründen (weil man schon frühzeitig den Ausstieg aus dem Projekt im Kopf hatte;- und zu einer „europäischen Lösung“ tendierte?) oder weil klar war, dass das Projektbudget erhöht werden müßte (und diese Projektmehrkosten politisch nicht ohne größer Diskussion durchsetzbar erschienen?), sei mal dahingestellt!


Wie auch immer: Aus meiner Sicht vermute ich, dass die bislang der Öffentlichkeit präsentierte „Euro-Hawk Ausstiegstory“ wenig mit den wahren Hintergründen zu tun hat...

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