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20.08.2012

10:46 Uhr

Notfall-Reserve

Kraftwerke fordern üppige Zahlungen

VonKlaus Stratmann

ExklusivUm alte Anlagen für den Notfall betriebsbereit zu halten, fordern Kraftwerksbetreiber hohe Zuschüsse. Damit wollen die Unternehmen einem Gesetz zuvorkommen - und erwarten eine umfassende Kostenerstattung vom Staat.

Ein Gaskraftwerk in Irsching (Oberbayern). dpa

Ein Gaskraftwerk in Irsching (Oberbayern).

BerlinDie Kraftwerksbetreiber wollen sich das Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen. Das geht aus dem Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung der Branche hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die Unternehmen wollen mit dem Vorstoß einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat es bislang nicht vermocht, eine eigene Regelung zu entwerfen. Mit ihrer Idee haben die Betreiber nun gute Karten - denn die Zeit drängt: Spätestens im nächsten Winter drohen wieder Versorgungsengpässe. Und die Bundesregierung wird allem zustimmen, was einen Blackout vermeidet. Bezahlen müssen die Verbraucher.

Mit den Beschlüssen zur Energiewende waren im vergangenen Jahr gleich acht Kernkraftwerke endgültig stillgelegt worden. Insbesondere im Südwesten Deutschlands sind dadurch die Stromerzeugungskapazitäten knapp geworden. Die Bundesnetzagentur hat darum eine Reihe älterer fossiler Kraftwerke zur "Kaltreserve" bestimmt. Die alten und teilweise höchst ineffizienten Anlagen, darunter ein altes Ölkraftwerk in Österreich, werden angefahren, wenn Engpässe drohen.

Trotz der Kaltreserve bleibt die Situation angespannt. Im vergangenen Februar war eine Engpass aufgetreten, den die Netzagentur in einem Bericht im Frühjahr als sehr ernst bezeichnete. Hinzu kommt, dass einige Betreiber zuletzt angekündigt haben, Kraftwerke stillzulegen, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

Mit der Selbstverpflichtung, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erarbeitet hat, erklären sich die Betreiber nun bereit, in Kaltreserve oder in Betrieb befindliche Anlagen nicht stillzulegen, wenn sie von den Netzbetreibern als systemrelevant identifiziert worden sind. Voraussetzung dafür soll nach den Vorstellungen des BDEW sein, "dass dem Betreiber die hieraus resultierenden direkten und indirekten Mehrkosten erstattet werden". Die Betreiber wollen sich außerdem verpflichten, Anlagen in Kaltreserve technisch zu ertüchtigen. Auch die direkten und indirekten Kosten der technischen Aufrüstung wollen sie sich erstatten lassen.

Kommentare (31)

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whisky

20.08.2012, 11:20 Uhr

"Die Bundesnetzagentur habe der Bundesregierung als Konsequenz aus den Engpässen im Februar einen ganzen Stapel von Hausaufgaben aufgegeben, doch passiert sei bisher nichts."
Arbeitsverweigerung von Frau Merkel und ihren Ministern. Nicht ungewöhnlich.

Account gelöscht!

20.08.2012, 11:32 Uhr

Ob es sich um fürstliche oder üppige Zahlungen handelt, läßt sich nur anhand detaillierter Kostenrechnungen beurteilen. Also bitt Vorsicht mit Wertungen, Herr Stratmann - oder haben Sie etwa die Berechnungen geprüft?

Klar war allen - außer den EEG-Freaks - , daß der erratische Strom aus Wind und Sonne mit seinen absurden Preisgarantien noch richtig teuer wird. Es gibt nämlich keine Speicher zum Puffern der Verbrauchsschwankungen.

Hinzukommen noch die zusätzlichen Leitungen und die über unsere Steuergelder verbratenen Subventionen. Danke dafür!

Account gelöscht!

20.08.2012, 11:35 Uhr

Wie wäre es, wenn die Konzerne dafür ihre üppigen Gewinne etwas reduzieren?
So wie ich das sehe, wird jede Möglichkeit genutzt, den Staat irgendwelche Zugeständnisse abzuringen und das ohne wirkliche Gegenleistung. Wer sich die Gewinnsteigerungen der Energiekonzerne in den letzten Jahren betrachtet, der kann diese Forderung nur als Unverschämtheit bezeichnen. Gerade die Stromkonzerne haben die Grundgesetzforderung nach "Eigentum verpflichtet..." zu "Eigentum verpflichtet zur maximalen Ausbeutung der Gemeinschaft" perfektioniert.


Ich empfehle dazu:
http://www.htw-saarland.de/wiwi/fakultaet/personen/professoren/dozenten-h-o/junker/publikationen/stromwatch-3/leprich-junker-stromwatch3-13102010_final.pdf

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